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60-Jähriger bedroht Richter und Psychiater

Morddrohungen 60-Jähriger bedroht Richter und Psychiater

Weil ein 60 Jahre alter ehemaliger Bankkaufmann im Rahmen unzähliger Zivilprozesse immer wieder Richtern und Beamten mit dem Tode gedroht hat, steht er seit Montag in Göttingen vor Gericht. Ihm droht die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Er wird in Handfesseln in den Gerichtssaal geführt. Die Kammer gewährt ihm trotz seiner unzähligen Drohungen während der Verhandlung die Freiheit. "Gegenwärtig", so wird er später aussagen, müsste sich keiner der bedrohten Richter vor ihm fürchten.

Schnurzpiepegal

Dass eine junge Zivilrichterin noch immer vor ihm Angst hat, "ist mir schnurzpiepegal". Sie hätte ihm ja nicht sein Recht nehmen müssen. Genauso offen gibt er zu, dass jener Psychiater, der ihm mit einem aus seiner Sicht "frei erfundenem Gutachten" die Prozessunfähigkeit attestiert hat, sich noch immer fürchten müsse.

Befragt danach, was er mit dem Brieföffner vorhatte, den er in seiner Zelle im Hochsicherheitstrakt des Maßregelvollzugszentrums Moringen versteckte, räumt er ein: Wenn der Gutachter in die Zelle gekommen wäre, "dann hätte ich ihn abgestochen".

Wer die Akten nicht kennt, kann den Ursprung des unüberschaubaren Streits mit der Justiz nicht nachvollziehen. Offenbar geht es um einen angeblichen  Prozessbetrug seines Vaters, den er aufgedeckt habe. Daraus ergaben sich zahlreiche Zivilklagen sowie Streit um Prozesskostenhilfe vor Gerichten in Aachen, Köln, Bremen, Göttingen und Braunschweig.

Drohungen und Beleidigungen

Im Verlauf des Prozesswirrwarrs schrieb er Briefe an Standesämter, Gerichte, Obergerichte und gar das Bundesverfassungsgericht. In diesen kündigte er mehrfach an, beteiligte Richter töten zu wollen - teils "auf so brutale Weise, dass die Familie ein lebenslanges Trauma haben wird".

Angeklagt sind acht Fälle. Alles Schriftstücke mit Morddrohungen. Diese werden als versuchte Nötigung gewertet, teils verbunden mit Beleidigung. Eine Richterin nannte er "Gerichtsratte". Die Tatvorwürfe räumt er auch alle ein, verweist aber immer darauf, dass es ja die Bedrohten seine, die ihm sein Recht genommen hätten, das Recht gebeugt oder Beihilfe zum Prozessbetrug begangen hätten. Die meisten bedrohten Juristen sind nur deshalb seine Feinde, weil sie das Gutachten jenes Psychiaters einbeziehen wollen, das dem 60-Jährigen Prozessunfähigkeit unterstellt.

Dass das Gesprächsklima jetzt, da die Zwangseinweisung droht, dennoch wie ein Disput unter Fachleuten klingt, verblüfft. Der Angeklagte spricht die Sprache  der Justiz. Er sagt: "Auch wenn ich Gewalterklärungen gegenüber Vertretern Ihrer Berufsgruppe abgegeben habe, habe ich nichts gegen Sie generell." In der Verhandlung lauscht übrigens ein anderer psychiatrischer Sachverständiger. Er soll beurteilen, ob der Angeklagte wirklich dauerhaft gefährlich ist.

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