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600 Ballons gegen das Turbo-Abi

Protest 600 Ballons gegen das Turbo-Abi

Normaler Weise lässt man bunte Luftballons aus purer Freude steigen. Die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) aber schickten jetzt 600 Ballons mit Protest-Briefen auf die Reise. Ihre zentrale Botschaft: Wir wollen kein Turboabitur an unserer Schule.“ Hintergrund: Künftig müssen auch Gesamtschüler – wie bereits Gymnasiasten – das Abitur im 12. Jahrgang machen, bisher wurden ihnen mit der Grundschulzeit 13 Jahre gelassen (Tageblatt berichtete). Dagegen protestieren alle Gesamtschulen im Land – auch die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS).

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Bunter Protest: KGS-Schüler schicken 600 Ballons mit kritischen Sprüchen ins Land.

Quelle: Hinzmann

Gesamtschulen unterrichten die Schüler aller Leistungsstufen in unterschiedlichen Ausprägungen und Konzepten gemeinsam und fördern sie dabei sehr individuell. Ein Grundgedanke dabei: Die Schüler können einfacher Leistungsstufen überspringen und haben selbst als vermeintlich Schwächere eine größere Chance, das Abitur zu erreichen. Für die besonderen Konzepte aber benötigen die Schüler beziehungsweise die Schulen mehr Zeit. Bei einer zwölfjährigen Schulzeit mit acht statt neun Jahren nach der Grundschule (G8) könnten Gesamtschulen ihre Konzepte nicht durchziehen, sagen ihr Vertreter. Hinzu kommt nach einem Erlassentwurf des Landes, dass potenzielle Gymnasialschüler in Klasse zehn von ihren anderen Mitschülern getrennt werden sollen. Auch dadurch werde das integrative Konzept zerstört. Eltern beklagen, dass der erhöhte Leistungsdruck durch das so genannte Turbo-Abitur für viele Kinder nicht tragbar sei.

Beide Göttinger Gesamtschulen fahren andere Modelle als die sonstigen in Niedersachsen. Die IGS verhandelt zurzeit mit dem Land um eine Sondergenehmigung für ihr Modell. Die KGS hat einen Antrag auf einen Schulversuch zum Abitur nach 13 Jahren beantragt. Gegen den Erlass protestieren jetzt auch die KGS-Schüler mit ihrer Ballonaktion. „Abitur nach 8 Jahren – mit dieser Belastung können nur wenige Schüler leben“ oder „Abitur nach 12 Jahren verhindert Aufstiegschancen“, haben sie neben anderen Sprüchen auf den Ballon-Karten notiert.

Um „die Bildungsvoraussetzungen in Niedersachsen zu verbessern“ haben Elterninitiativen zudem ein Volksbegehren gestartet. Unter anderem fordern sie die Rückkehr der Regelschulzeit von 13 Jahren bis zum Abitur an Gymnasien und Gesamtschulen. Landesweit sind inzwischen mehr als 18 000 Unterschriften registrier – etwa 3000 aus Göttingen.

Von Ulrich Schubert

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