Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regen

Navigation:
Launige Reden zur deftigen Wurst

Schützenfrühstück in Göttingen Launige Reden zur deftigen Wurst

Deftige Wurst zum kühlen Bier, dazu wortgewandte Redner, Musik und eine Improvisationsshow: Zum Schützenfrühstück kamen am Montag rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung ins Festzelt auf dem Schützenplatz.

Voriger Artikel
Platz für Kitsch, Trödel und Antiquitäten
Nächster Artikel
Schmetterlingswanderung in Schönhagen
Quelle: Mischke

Göttingen. Oberschaffer Harald Grahovac dankte allen, „die zum Gelingen des Schützenfestes beigetragen haben“. Er deutete an, „dass es im kommenden Jahr einige Veränderungen geben soll.“ Gespräche mit den Vereinen werde es dazu bereits in den ersten August-Tagen geben.

Stefan Graen und Lars Wätzold von der Comedy Company improvisierten originell und gekonnt als geführte Puppen – gesteuert erst vom Oberschaffer und der Schützendame, dann vom Oberbürgermeister und der Schützenkönigin.

„Tausend Dank für das Schützenfest“, sagte die Schützendame Sylvia Binkenstein, das „so viel Freude“ verbreite. Ihre Freundinnen hätten sie vor der Schützenrede in der „Domäne der Männerwelt“ davor gewarnt, sich lustig über die Herren zu machen, „sie könnten bewaffnet sein.“ Andererseits gebe es auch Frauen, also Solidarität unter den Schützen. „Die Dianas leuchten“, betonte Binkenstein und machte einen Schwenk zur SPD. Die Stimmung sei gut, besser könne sie auf der Titanic auch nicht gewesen sein. „Vielleicht sollte die Bundespartei auf die Göttinger SPD schauen“, lautete ihr Rat. Von Göttingen lernen, heiße siegen lernen.

„Der schwarze Fritz im grünen Rock ist hier“, begrüßte der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) nach Musik der Original Landolfhäuser Blasmusikanten, die Schützen und ihre Gäste. „Dann sitze ich mit sechs Sozis zusammen – und die trinken auch noch Kaffee“, sagte Güntzler. Er zotete schützenzeltgerecht weiter. „Frauen sind multitaskingfähig – sie brauchen für ein Auto zwei Parklücken“ und „Ist Ministerpräsident Stephan Weil amtsmüde? Nein, der ist noch gar nicht wach.“ An den Oberbürgermeister gerichtet: „Köhler mag nur Ja-Sager neben sich. Wenn er ‚Nein‘ sagt, dann müssen es auch alle anderen tun.“ Die drei ehrenamtlichen Bürgermeister Helmi Behbehani, Ulrich Holefleisch und Thomas Häntsch bezeichnete er als das „Göttinger Dreigestirn“, alle seien über 70 Jahre alt, „da kann sich sogar der Oberbürgermeister noch jung fühlen“ (Köhler wurde am 27. November 1951 geboren, Anm. d. Red.). Beim Thema Anbau des Otto-Hahn-Gymnasiums schaltete Güntzler in den Wahlkampfmodus. Der müsse kommen, forderte er. „Wahlkampf macht Spaß“, fing er sich wieder ein und zitierte Konrad Adenauer. „Man muss nur gewinnen“, sagte Güntzler, der für sein Statement „Wer Autos anzündet und Polizisten angreift, ist ein Terrorist und Straftäter“ und den Dank an die Ordnungskräfte von den Schützen viel Applaus bekam.

Dass Christian Dürr (FDP) aus Delmenhorst kommt und in Gaderkesee wohnt, das weiß nun jeder im Schützenzelt – zumindest wenn er dem Vortrag des Fraktionsvorsitzenden im Niedersächsischen Landtag gelauscht hat. Dürr stellte erst einmal richtig, dass der Landtagswahltermin Sonntag, 14. Januar 2018, ist. „Güntzler ist schon zu lang aus der Landespolitik draußen. Das ist also verzeihlich“, bezog er sich auf seinen Vorredner, der den 15. Januar angegeben hatte. Zur Verhinderung des demographischen Wandels schlug er vor: „Jede Frau in Deutschland müsste sieben Kinder bekommen. Meine Frau war nicht besonders begeistert.“ Göttingen sei auch nicht mehr das, was es einmal war: „Da kommt unser Bundesvorsitzender Christian Lindner hierher – keine Demonstration. Wo sind denn die Linken geblieben, an denen wir bürgerlichen uns reiben können?“

Um den Dianas eine Ehranbietung zu machen, trage er ein rotes Hemd, sagte der stellvertretende Landrat Dr. Andreas Philippi. Er kam auf die problematische Verkehrssituation im Umfeld der Universitätsstadt zu sprechen. „Der Kiessee hat eine höhere Fließgeschwindigkeit als manchmal der Verkehr rundherum“, sagte der Redner aus Herzberg. Er regte den Bau einer Magnetschwebebahn von Hann. Münden nach Bad Sachsa über Göttingen als „intelligente Lösung“ an. Damit könne der Speckgürtel des Oberzentrum noch erweitert werden.

Horst Chemnitz zum Ehrenschaffer ernannt

Die Bürger-Schützen-Gesellschaft (BSG) von 1392 hat Horst Chemnitz vom Schützenverein von 1863 zum Ehrenschaffer und Renate Bank zur Ehrenschützendame ernannt. Darüber hinaus gab es am Montag während des Schützenfrühstücks im Festzelt weitere Ehrungen.

Chemnitz habe sich in "herausragender Weise" für das Schützenwesen eingesetzt, sagte Oberschaffer Harald Grahovac. Der Geehrte sei vor wenigen Wochen aus gesundheitlichen Gründen aus dem Schafferamt ausgeschieden. Grahovac erinnerte daran, dass Chemnitz 16 Jahre in diesem Ehrenamt tätig war, 2005 sei er aus der Mitte der Schaffer zum stellvertretenden Oberschaffer gewählt worden. Er habe zusätzliche Verantwortung für die BSG übernommen und sich intensiv um deren Belange gekümmert. "Das Schützenwesen und die Arbeit im Schafferamt ist und war für Horst Chemnitz ein Stück Lebensinhalt", betonte Grahovac.

Die neue Ehrenschützendame Renate Bank habe ihre Aufgabe als Schützendame bis 2016 "nicht nur ernst genommen, sondern sie immer mit Freude und immer guter Laune ausgeübt", würdigte Grahovac ihre Leistung. Die Tradition des Göttinger Schützenwesens sei von ihr tatkräftig unterstützt worden.

In Anerkennung und Dank für ihr vorbildliches Engagement für das Göttinger Schützenwesen erhielten Brigitta Wille (SV Holtensen) und Rainer Hald (SV von 1863 Göttingen) den Verdienstorden der BSG.
Die Verdienstmedaille in Gold bekamen Klaus-Uwe Reichelt (SV von 1863) und Wolfgang Thielbörger (SV Niedersachsen). Oberschaffer Grahovac (SV Niedersachsen) wurde mit der Verdienstmedaille in Silber ausgezeichnet und Nicole Berner-Bornemann (KKS Grone 54) mit der Verdienstmedaille in Bronze.  art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 16. bis 22. September 2017