Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
80 Jahre alter Kindergarten bedroht

2012 geschlossen? 80 Jahre alter Kindergarten bedroht

Der älteste Kindergarten in der Gemeinde Gleichen und vielleicht auch der älteste im Kreis Göttingen ist bedroht: Gibt es keine neuen Anmeldungen, will die Gemeinde Gleichen den Vertrag mit der Kirche zum Sommer 2012 kündigen. Dann wird der einstige Erntekindergarten in Gelliehausen geschlossen – nach 80 Jahren.

Voriger Artikel
Pastoren senden Hilferuf an Landeskirche
Nächster Artikel
Schüler aus vier Ländern und ihre Stadt

Klein, idyllisch und 80 Jahre alt: der dörfliche Kindergarten Gelliehausen.

Quelle: Hinzmann

Alle sind betrübt, alle hoffen auf ein Wunder: Schon jetzt werden in der Einrichtung unter kirchlicher Trägerschaft nur noch 13 Kinder betreut, ab Sommer werden es voraussichtlich noch weniger sein. Zu wenig, sagt die Gemeinde Gleichen, denn sie deckt den weitaus größten Teil der Kosten. Und bereits 2007 hatte sie festgelegt, dass Kindergartengruppen aus mindestens 14 Kindern bestehen müssen, um sie zu halten. Rutscht die Anmeldezahl dauerhaft darunter, wird die Gruppe geschlossen. Auch die Kirche sieht unter diesen Bedingungen und „aus personaltechnischen Gründen“ Probleme. Da es in Gelliehausen aber nur eine Gruppe gibt, würde die gesamte Einrichtung aufgegeben.

Und dass nach 80 Jahren. Als Erntekindergarten war die Einrichtung neben Pfarrhaus damals nur ein paar Wochen im Sommer und Herbst geöffnet. Hier konnten vor allem Mütter, die in der Ernte als Tagelöhner arbeiteten, ihre Kinder unterbringen. „Das war wirklich schön“, erinnert sich Rudolf Schneemann. „So um 1939/40“ war der heute 77-Jährige eines von 20 Kindern im Gelliehäuser Erntekindergarten. „Wir haben viel gesungen, gebastelt oder waren auf den Wiesen zum Blumenpflücken. Die Mutter war in der Landwirtschaft, der Vater als Soldat im Krieg. Angefangen habe der Kindergarten ein paar Jahre vorher „wohl mit sechs Kindern“. Pastor Storbeck habe die Einrichtung initiiert, gleich neben dem Pfarrhaus. Damals habe der Kindergarten nur eine Haushälfte genutzt, „hinten war der Pferdestall des Pastors, nebenan stand der Leichenwagen“.

Der Kindergarten blieb in dem Fachwerkhaus und wuchs, seit 1986 ist er ganzjährig geöffnet. „Wir haben immer viel in Eigenleistung gemacht“, sagt Schneemann. Denn auch seine beiden Kinder und die Großkinder besuchten den kleinen Kindergarten, „und zeitweise war er sogar überfüllt“. Darauf verweisen jetzt viele in politischen Runden oder Leserbriefen. Eine schwache Phase dürfe nicht dazu führen, die Einrichtung zu schließen. Dabei werben sie auch mit den Besonderheiten des ländlichen Kindergartens, der eigentlich Platz für 22 Kinder hat: unter anderem ein großes Außengelände mit Bauminsel und Weidentippi, viel Natur im Umfeld und eine enge Verzahnung mit dem Dorfleben. Andere fürchten um einen wichtigen Teil Infrastruktur in dem ländlichen Dorf, wenn junge Familien ein Baugrundstück suchen.

Bei nicht einmal zehn Kindern ab kommendem Sommer seien die Kosten aber einfach zu hoch, bedauern Gemeinde und Ratspolitiker. Schon jetzt würden die Eltern aus anderen Kindergärten über ihre Beiträge die Einrichtung in Gelliehausen „massiv mitfinanzieren“, erklärte Gemeindebürgermeister Heinz-Jürgen Proch (SPD). Kirchenvorstand, Eltern aus Gelliehausen und der Gemeinde-Elternrat wiederum appellieren an die Verantwortlichen, die jetzigen Kinder im Ernstfall wenigstens gemeinsam in einer anderen Einrichtung unterzubringen und die Beförderung dorthin sicherzustellen. Mit Blick auf den Schuleinzugsbereich der Gartetalschule liege dabei die Kindertagesstätte Rittmarshausen nahe.

Soweit müsse es aber nicht kommen, sind sich alle einig: Gibt es unerwartet und vielleicht aus anderen Dörfern doch noch neue Anmeldungen, bleibe der einstige Erntekindergarten bestehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 16. bis 22. September 2017