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„Dancing Queen auf Nulldiät“

Abba-Songs im Göttinger Apex „Dancing Queen auf Nulldiät“

Abba-Songs voller Lebensfreude, aber auch melancholische und zornige Stücke, hat Chansonette Ilka Hein am Sonnabend im Göttinger Apex gesungen. Begleitet von Pianist Andreas Reimann trug sie die mal jazzig, mal soulig arrangierten Lieder in witzigen, satirisch verfremdeten Übersetzungen vor.

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Abba-Songs mit satirischen Texten hat Ilka Hein im Apex vorgetragen.

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. Abba-Songs voller Lebensfreude, aber auch melancholische und zornige Stücke, hat Chansonette Ilka Hein am Sonnabend im Göttinger Apex gesungen. Begleitet von Pianist Andreas Reimann trug sie die mal jazzig, mal soulig arrangierten Lieder in witzigen, satirisch verfremdeten Übersetzungen vor.

„Im Ostharz konnten wir zu DDR-Zeiten nur Amiga-Platten mit Songs der Puhdys oder von Karat kaufen“, erzählte die Moderatorin des Mitteldeutschen Rundfunks ihren 40 Zuhörern. Auf einer „Westplatte“, die die Oma dem sieben Jahre älteren Bruder aus Gütersloh mitgebracht habe, sei auch ein Abba-Song gewesen. Begeistert habe sie diese Schallplatte, „High Speed Disco“, rauf und runter gespielt – wenn ihr Bruder nicht zuhause gewesen sei.

Mit dem Abba-Song „Take a chance on me“ begann Hein mit kraftvoller, den Raum füllender Stimme und großer Bühnenpräsenz ihr Programm „Dancing Queen auf Nulldiät“. In einem imaginierten Zugabteil baggerte sie ihren Mitfahrer, den Pianisten, an. Die Paare Agnetha und Björn sowie Benny und Anni-Frid, erzählte die Sängerin, hätten die Pop-Formation 1972 gegründet. Der internationale Durchbruch sei Abba im April 1974 beim Grand Prix Eurovision de la Chanson mit „Waterloo“ gelungen. Bei Hein wurde daraus ein „Leben ist Kampf“. Keine der damals üblichen weinerlichen Balladen hätten die Plateauschuhe, Schlaghosen und Rüschenhemden tragenden Musiker den 500 Millionen Fernsehzuschauern geboten. Stattdessen habe es ein musikalisches Feuerwerk gegeben.

Die Chansonette interpretierte „Dancing Queen“, den Song, den Abba 1976 am Vorabend der Hochzeit des schwedischen Königpaars Karl-Gustav und Silvia in der Stockholmer Oper erstmals sangen. Den Part des Orchesters übernahm das mitsummende Publikum. Aus „Money, Money“ machte die Sängerin die zornige Trennungsgeschichte „Bezahl es, es gehört nicht dir“.

„I Have a Dream“ hieß in Heins Übersetzung „Komm träum mit mir“. Abba habe diesen Song auf ihrer ersten US-Tournee bei Konzerten jeweils mit einem örtlichen Kinderchor gesungen. Mit diesem Marketing-Trick habe die in Amerika nicht so populäre Schweden-Band mehr Karten verkaufen können.

Spottlied auf Veganer

Aus „Chiquitita“ machte Hein ein Spottlied auf Veganer. Sie hatte sogar Räuchertofu mitgebracht, damit sich das Publikum ein Bild machen konnte. Die Göttinger, unter denen sich einzelne Vegetarier outeten, reichten das Tablett weitgehend unberührt durch die Reihen.

Ein „Super Trouper“, so erklärte die Chansonette einen anderen Abba-Titel, sei ein in Nebraska gefertigter Super-Scheinwerfer gewesen. Er hätte aus 100 Meter Entfernung trennscharf Personen ausleuchten können, in den 1970er-Jahren eine große Innovation. Hein machte aus dem Super Trouper einen Super-Router. In ihrem zotigen Song forderte sie – mit einem roten Schirm über die Bühne tanzend – einen Computerhändler auf: „Steck ihn rein!“ Zu hören gab es auch andere Abba-Klassiker wie „Mamma Mia“, „The Winner Takes it All“ oder „Fernando“.

Die Sängerin sprach über die Rivalität zwischen den beiden Sängerinnen. Die blonde Agnetha habe zum Leidwesen der brünetten Frida stärker im Rampenlicht gestanden. An privaten Differenzen sei die Gruppe 1982, nach zehn Jahren nach der Gründung, zerbrochen. Björn kümmere sich bis heute um die Vermarktung der Songrechte. Hein empfahl ihrem Publikum das 2013 eröffnete Abba-Museum in Stockholm und riet, die Kreditkarte nicht zu vergessen. Dort könne nicht mit Bargeld bezahlt werden. Die Band sei derzeit dabei, eine neue Platte einzuspielen – in getrennten Studios.

Von Michael Caspar

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