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Abitur: Und dann?

Thema des Tages Abitur: Und dann?

Heute ist der erste Tag der Osterferien. Für die meisten Schüler in der Region heißt das: Zeit, ein wenig zu entspannen. Für rund 1500 Abiturienten aus der Region Göttingen-Northeim gilt allerdings: Vor dem Lernen ist nach dem Lernen.
In etwa vier Wochen beginnt für sie die Abi-Klausurenphase. Bereitet die Schule die jungen Leute gut auf das Leben nach der Schule vor? Das gehen die Meinungen auseinander.

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Jan Geisler sieht den Abiturprüfungen entspannt entgegen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Erst mal verreisen, Praktika absolvieren, einen Au-pair-Job in englischsprachigen Ländern suchen und dann ein Studium“: Jan Geisler (18), Abiturient am Hainberg Gymnasium, hat einen Plan für die Zeit nach der Schule. Doch auf die Frage, ob das Abitur ihn gut für die Arbeitswelt gerüstet hätte, folgt ein klares „Nein“. „Es ist vielleicht gut fürs Studium“, sagt Geisler. Fachwissen und Anwendungswissen wären gut ausgewogen, erklärt er.

Die Schüler hätten jedoch nichts für den Alltag gelernt –  wie beispielsweise eine Steuererklärung anzufertigen. Im Seminarfach stehen zwar praktische Arbeitsmethoden auf dem Plan, doch auch das vermittelt laut Geisler eher wissenschaftliches Arbeiten. „Wir haben relativ wenig über Bewerbungen gelernt“,  sagt der Schüler. Was später einmal für das Berufsleben relevant wird, fehlte auf dem Lehrplan.

Trotzdem: „Das Abitur ist wichtig“, meint der 18 Jährige. „Es ist eine gute Grundlage, um beruflich einzusteigen.“ Ihm ist es wichtig, die Wahl zu haben.  In seiner Freizeit und den Pausen informiert sich Geisler über Berufsmöglichkeiten und Praktika. Einige Mitschüler hätten bereits vor dem Abitur nach Ausbildungsplätzen gesucht und sich darauf beworben. „Das Problem ist, dass alles vor dem Abi organisiert werden muss.“

Ein Freiwilliges Soziales Jahr sei  eine Option,  ein wenig Zeit zur Orientierung zu bekommen, sagt Geisler. „Insgesamt war die Abizeit aber eine schöne Zeit“, sagt der Schüler. Und bei allen Stressphasen – „die Lehrer waren meist hilfreich und strahlten Ruhe aus.“ Manche Schüler haben Prüfungsangst, manche nehmen es locker. Geisler gehört eher zu den Entspannten. „Ich konzentriere mich beim Lernen nur auf das, was ich noch nicht kenne.“           

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„Werte, die unser weiteres Leben prägen“

Duderstadt. Auch am Eichsfeld-Gymnasium in Duderstadt (EGD) sind es nur noch wenige Wochen bis zur ersten Abi-Klausur. „Im Unterricht lief gerade die Wiederholungsphase des Stoffes, der für das Abi relevant sein könnte“, sagt Yannik Kellmann. Die Osterferien will er jetzt  dafür nutzen, die Themen selbstständig zu erarbeiten. Nur für bestimmte Bereiche sei es notwendig, mit mehreren Schülern gemeinsam zu pauken. „Die Lerngruppen haben sich eigentlich schon im Lauf der Oberstufe zusammengefunden, nicht erst vor dem Abi“, erklärt der Duderstädter.

„Natürlich fragen wir uns beispielsweise beim Pauken von Matheformeln, ob man das nach dem Abi jemals brauchen wird. Aber schließlich geht es doch um die Methodik beim Lernen, die man aus der Schule mitnimmt. Uns wurden Werte nahegebracht, die unser weiteres Leben prägen“, zieht der Duderstädter Bilanz aus seiner Schulzeit. Durch die Gemeinschaft in der Schule seien zudem soziale Kompetenzen gewachsen, die auch im späteren Beruf nützlich seien. Yannick hat am EGD ein halbes Jahr übersprungen, weil er als Austauschschüler in Rumänien war, aber das bereite ihm keine Probleme bei den Prüfungsvorbereitungen.

Für die Zeit nach dem Abi hat er sich noch nicht festgelegt. „Mein Notendurchschnitt ist mir schon wichtig, weil ich studieren möchte, aber da ist zwischen Politik, Wirtschaft, Jura oder Psychologie noch alles möglich“, sagt Yannik. Während der Schulzeit bleibe wenig Zeit, sich genauere Gedanken um die Zukunft zu machen, daher möchte er nach dem Abi erst mal ins Ausland gehen, seine Englischkenntnisse verbessern, von der Paukerei Abstand nehmen und weitere Pläne schmieden.

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„Nervosität kommt noch“

Göttingen /Waake. Das Vorabi ist geschafft, die letzte Klausur in der zweiten Märzwoche geschrieben: „Ich denke ich habe das in der Tasche“, sagt Yasmina Pinkert. Die 19-jährige Schülerin aus Waake besucht die Berufsbildenden Schulen I (Arnoldischule) in Göttingen.
Eigentlich wirkt sie ganz entspannt. Aber: „Die Nervosität kommt noch“, sagt sie. Schon bei den Vorabiklausuren habe sie sich „total verrückt gemacht“ – obwohl sie gut vorbereitet war. Vor lauter Nervosität habe sie in  einer Klausur vergessen, zwei Blätter abzugeben. Die Folge: Punktabzug. „Ich habe Dinge falsch gemacht, die ich eigentlich kann“, sagt sie.
Vor dem Lernen ist nach dem Lernen, das gilt auch für Pinkert. Die Osterferien will sie zum Lernen nutzen, den geliebten Skiurlaub lässt die dafür sausen. Vor allem in Mathe muss die Schülerin noch Gas geben, um das Wirtschaftsabi mit guten Noten anzuschließen.
Ob sie in der Schule wirklich fürs Leben lernt? „Ach, Hauptsache ich habe das Abi“, sagt die 19-Jährige. Der Schulstoff biete wohl eine gute Grundlage für alle, die anschließend Wirtschaft studieren wollen. „Wenn ich BWL studieren wollte, wäre die Vorbereitung wirklich super,  für mich aber eher nicht. Ich möchte Sport und Deutsch auf Lehramt studieren“, sagt die leidenschaftliche Handball-Spielerin.
Von vielen Freunden hat Pinkert erfahren, dass das richtige Lernen fürs Leben sowieso erst in der Uni beginne. „Erst wenn es wirklich interessant wird, gibt man doch Gas“, sagt sie. Gutes Allgemeinwissen, das habe sie in der Arnoldischule aber gelernt. Und: „Ich gehe wirklich gerne zur Schule, habe dort viele Freunde. Ich werde die Schule nach dem Abi echt vermissen.“

bib

„Ab jetzt muss ich jeden Tag lernen“

Göttingen /Harste. Ein klares Ziel hat Gerrit Nothnick hat vor Augen: „Ich möchte Medizin studieren“, sagt der 19-jährige Abiturient, der die Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) besucht. Deshalb gibt er gerade ordentlich Gas beim Lernen. „Eigentlich gilt das schon für die vergangenen zwei Jahre“, sagt der Harster. Denn: „Ich brauche für mein Studium ja einen sehr guten Notendurchschnitt.“ Seit der elften Klasse weiß der Schüler, dass er Arzt werden will. „Innere Medizin“, auch das steht für ihn bereits fest.

Allerdings muss er dafür noch die Abiprüfungen mit möglichst sehr guten Noten bestehen. „Das ist schon ein hoher mentaler Leistungsdruck“, sagt er. Hobbys, wie der geliebte Fußball, kommen da schon einmal etwas zu kurz.

In vier Wochen beginnen auch an der KGS die Abitur-Klausuren. „Ab jetzt muss ich jeden Tag lernen“, sagt der Schüler. Bis Anfang März lief noch die reguläre Klausurenphase, jetzt geht es daran, den Stoff zu wiederholen. „Wir wurden ja seit der zwölften Klasse auf das Abi hin trainiert“, sagt er. Vor allem in Mathe muss er jetzt aber noch einmal ordentlich büffeln.

Nothnick fühlt sich durch die Schule gut aufs Leben gut vorbereitet. „Ich fühle mich schon in der Lage, allein zu leben und mein Studium zu beginnen“, sagt er lachend.  Eine gute Allgemeinbildung habe er mitgenommen, viel auch beispielsweise über Politik gelernt. Allerdings: „Man muss Bildung schon wollen, ganz von alleine kommt sie nicht.“

Alles könne die Schule natürlich nicht vermitteln. „Ich bin zum Beispiel gar nicht gut in handwerklichen Dingen“, räumt er ein. Zeit zum Entspannen hat er auch in den Osterferien nicht.  Der Anspruch, einen für das Medizinstudium nötigen Notenschnitt zu schaffen, spornt ihn an. „Immerhin gehen die Noten der Abiklausuren mit einem Drittel in den Gesamtnote ein“, sagt er.

bib

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