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Abmahnwelle wegen illegalen Herunterladens

Echte E-Mail-Adressen gekapert Abmahnwelle wegen illegalen Herunterladens

Seit einigen Tagen mehren sich in der Göttinger Verbraucherzentrale die Anfragen verunsicherter Bürger. Der Grund: Abmahn-Mails mit bedrohlichem Unterton. Die Forderung: „100 Euro Mahn-Bußgeld“ wegen strafbaren Herunterladens von pornografischen Videos und Musikstücken aus dem Internet. Angeblicher Absender: eine Rechtsanwaltspraxis aus Berlin, im Auftrag der Firma Senator Entertainmant AG.

Eine alte Masche ist dies, weiß Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Göttinger Verbraucherzentrale: Schon im Oktober waren Abmahnungsmails wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen im Umlauf, mit denen die gleiche Summe wegen des gleichen Vergehens gefordert wurde. Damals firmierte als Absender der Rechtsanwalt Frank Giese aus Hamburg.

Der aber hatte mit den damaligen Mahn-Mails ebensowenig etwas zu tun wie jetzt die auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei Sasse und Partner in Berlin mit den aktuellen Sendungen. In beiden Fällen hatten betrügerische Firmen die E-mail-Adressen gekapert und sie für ihre dubiosen Zwecke eingesetzt. Die Kanzlei Sasse und Partner erklärt auf ihrer Homepage, dass die aktuellen E-mail-Abmahnungen nicht von ihnen stammen.
Der Vorwurf des illegalen Herunterladens gerade von pornografischem Material arbeitet mit einem besonderen Kalkül, sagt Körber: Die Absender rechnen offenbar damit, dass den Adressaten schon allein der Vorwurf peinlich ist und sie lieber die überschaubare Summe zahlen, um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Zudem fehlen im aktuellen Fall genaue Angaben wie Tag und Uhrzeit des angeblichen Urheberrechtsverstoßes. Um welche Videos und Musiktitel es sich konkret handelt und welche IP-Adresse dem Abgemahnten zugeordnet war, wird ebenfalls nicht benannt. Die Verbraucherzentrale rät daher dringend, die derzeit kursierenden Mails mit dem Betreff „Urheberrechtsverletzung“ nicht zu beachten und auf keinen Fall zu bezahlen.

Andererseits warnen die Verbraucherschützer davor, begründete Abmahnungen wegen illegalen Herunterladens auf die leichte Schulter zu nehmen. Körber: „Echte Abmahnschreiben von Rechtsanwälten gehen immer auf dem Postweg zu, niemals per E-Mail. Außerdem enthalten sie eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, die die Abgemahnten abgeben sollen.“ In echten Abmahnungen würden zudem sehr viel höhere Summen als beispielsweise 100 Euro gefordert.

„Anwaltliche Aufforderungen“, erläutert Körber weiter, „sind zum Teil gar nicht begründet oder zu weitgehend und Anwaltsrechnungen oft deutlich überzogen. Wer ein Abmahnschreiben erhält und nicht sicher ist, ob es echt oder berechtigt ist, sollte sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.“

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