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Adoptionen: Oft bleibt Wunsch unerfüllt

Stadt sucht passende Familien Adoptionen: Oft bleibt Wunsch unerfüllt

In Göttingen hat nur ein kleiner Teil der Eltern, die sich einen Kinderwunsch durch eine Adoption erfüllen wollen, Aussicht auf Erfolg. Auf ein zur Adoption freigegebenes Kind kommen fünf Bewerbungen.

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Familie: Für manche führt der Weg über eine Adoption.

Quelle: dpa

Daraus ließen sich jedoch keine Wartezeiten ableiten, betonen Werner Klähn von der Adoptionsvermittlung und Petra Broistedt, Leiterin des Fachdienstes besondere soziale Dienste. Denn die Stadt ist bemüht, eine Familie zu finden, die zu dem Hintergrund des Kindes passt, das adoptiert werden soll. So kann es sein, dass in einem Fall adoptionswillige Eltern sehr schnell zum Zuge kommen, in einem anderen Fall vielleicht nie. Ein ausführliches Bewerbungsverfahren muss aber jede Familie durchlaufen. „Im Mittelpunkt der Arbeit stehen nicht die Adoptionseltern, sondern die Kinder“, so Klähn.

In Göttingen sind laut Stadt für potenzielle Adoptiveltern die Chancen jedoch sogar noch besser als im Landesdurchschnitt. Dies hänge auch damit zusammen, dass es in der Stadt drei Entbindungskliniken gebe.

Kind und Adoptiveltern müssten zueinander passen, so Klähn. Es seien eben nicht nur Unterschichten-Mütter, die ihre Kinder zur Adoption freigäben, sondern Mütter aus ganz verschiedenen Schichten. Eine Freigabe zur Adoption erfolge nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus emotionalen Gründen oder aus einer bestimmten Lebensperspektive heraus. Nicht eine einzige Mutter – meistens seien es Alleinerziehende – treffe eine solche Entscheidung jedoch leichtfertig. Die Adoptionsvermittlung begleite intensiv die abgebende und die aufnehmende Familie, so Klähn. Auch werde – ohne die Nennung von Namen – ein Austausch über die Zukunft des Kindes ermöglicht. Die Adoptionsvermittlung helfe später auf Wunsch auch adoptierten Kindern bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern.

Auch Alleinstehende können ein Kind adoptieren. Adoptionseltern müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Bei Ehepaaren kann ein Partner dieses Alter unterschreiten, muss jedoch mindestens 21 Jahre alt sein. Das Höchstalter ist in Göttingen auf 45 Jahre für die Aufnahme eines Säuglings festgelegt. Das Alter erhöht sich entsprechend mit dem Alter des Kindes: Ein Zweijähriger kann also von einer 47-Jährigen angenommen werden. Wer ein Kind adoptieren möchte, muss unter anderem einen Lebensbericht, ein ärztliches Attest und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und ein Seminar für Adoptionsbewerber absolvieren. Bei einer Adoption wird die rechtliche Beziehung eines Kindes zu seiner leiblichen Familie grundlegend und unwiderruflich verändert. Alle Rechte und Pflichten gegenüber dem eigenen Kind werden an eine andere Familie abgegeben.

Zu der Aufnahme fremder Kinder in die Familie, den sogenannten Fremdadoptionen, kommen noch die Adoptionen von Stiefkindern hinzu. Die Zahlen insgesamt sind niedrig: Im Landkreis Göttingen einschließlich der Stadt gab es 2007 19 Adoptionen, 2008 14 und 2009 23. Damit verläuft der Trend im Landkreis anders als im Land Niedersachsen: Hier sank die Zahl der Adoptionen von 2007 bis 2009 kontinuierlich von 407 über 369 auf 350.

Der Anteil adoptierter ausländischer Kinder ist im Landkreis Göttingen höher als niedersachsenweit. Im Landkreis beträgt der im Schnitt der vergangen drei Jahre 27 Prozent, im Land 19 Prozent.

Von Jörn Barke

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