Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Albani-Kreuz wird in Prag und Nürnberg gezeigt

Werk weist auf Flutkatastrophe von 1342 hin Albani-Kreuz wird in Prag und Nürnberg gezeigt

Ein mittelalterliches Kreuz aus der evangelischen Kirche St. Albani soll bei der Bayerisch-tschechischen Landesausstellung 2016/17 in Prag und Nürnberg gezeigt werden. Besonders macht das Kreuz vor allem eine Inschrift, die auf eine Flutkatastrophe von 1342 verweist.

Voriger Artikel
Eine Spurensuche in Göttingen
Nächster Artikel
Flott nach Rosdorf

Küster Willi Pöhls zeigt das Kreuz.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Das Kreuz ist damit älter als das heutige Kirchengebäude, das zwischen 1423 und 1467 entstand. Früher befand sich das Kruzifix auf der Kirchturmspitze, seit der Renovierung des Turms vor einigen Jahrzehnten hatte es seinen Platz links vom Altarraum gefunden.

Die Skulptur des gekreuzigten Christus ist knapp 30 Zentimeter hoch. Besonders ist vor allem die Inschrift auf einer Tafel unterhalb des Corpus. Dort ist zu lesen, dass ein Hermann Goldschmied 1342 in der Margaretenflut ertrunken sei: „do ver drank hermen goltsmet in der groten vlot to sente margret dage“. Werner Arnold schrieb in seinem Band über die Inschriften der Stadt Göttingen 1980, die Inschrift sei die älteste erhaltene deutschsprachige Inschrift in Göttingen.

Es gebe schriftliche Belege für Überschwemmungen der Weser, Fulda und Werra 1342, so Arnold. Von eine Überschwemmung der Leine in Göttingen in diesem Jahr finde sich jedoch keine Nachricht. Ein Hermann Goldschmied sei in einer Göttinger Urkunde von 1365 als verstorben erwähnt. Er könne mit dem in der Inschrift Genannten identisch sein. Das Kruzifix sei vermutlich von den Angehörigen des Verstorbenen gestiftet worden.

Bei der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung 2016/17, die ab dem 15. Mai gezeigt wird, geht es um Karl IV. (1316-1378), der 1355 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Karl IV. gehöre zu den bedeutendsten und facettenreichsten Herrschern der böhmischen und deutschen Geschichte, heißt es auf der Internetseite zur Landesausstellung. Die Schau wolle seine Lebens- und Regierungszeit im Spiegel des wechselvollen 14. Jahrhunderts präsentieren.

Damals hätten weite Teile Mitteleuropas infolge von Naturkatastrophen und Pestmehr als ein Drittel ihrer Bevölkerung eingebüßt. Zugleich sei das Jahrhundert durch eine künstlerische und kulturelle Blüte im Herrschaftsbereich Karls IV. gekennzeichnet gewesen.

Das Albani-Kreuz verweist auf die Naturkatastrophen, die die damalige Krisen- und Umbruchszeit in Europa prägten. Der Historiker Martin Bauch bringt das Kruzifix in Verbindung mit der Magdalenenflut, einem verheerenden Hochwasser, bei dem 1342 Flüsse in Mitteleuropa über die Ufer traten. Das Ausmaß des Ereignisses und seine Auswirkungen etwa auf Landwirtschaft und Wüstungsprozesse müssten noch näher untersucht werden, schreibt Bauch im Wissenschaftsblog mittelalter.hypotheses.org.

Bevor das Albani-Kreuz auf der Landesausstellung zu sehen sei, werde es restauriert, sagt die Vorsitzende des Kirchenvorstands von St. Albani, Marianne Mühlenberg. Die Aufgabe übernehme Jaroslav Kubicek in Prag.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016