Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Alimatou Bamba zu Forschungsuntersuchungen in Göttingen

„Mädchen ohne Hände“ Alimatou Bamba zu Forschungsuntersuchungen in Göttingen

Weil sie neue Hände braucht, ist Alimatou Bamba nach Göttingen gekommen. Am Institut für Neurorehabilitationssysteme werden Untersuchungen für myoelektrische Prothesen betrieben. Die Frau aus Afrika ist Probandin. Dabei wird außerdem untersucht, welche Prothesen ihr am besten helfen.

Voriger Artikel
Deutsches Rotes Kreuz sucht Erstspender
Nächster Artikel
Tempo 30: Die meisten Göttinger halten sich dran

Alimatou Bamba aus der Elfenbeinküste zu Forschungsuntersuchungen in Göttingen

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Abidjan. Bei der Begrüßung ergibt sich die erste Klippe. Es gibt keine Hand, die man schütteln könnte.

Alimatou hat keine Hände. Weil ihre Familie sehr arm ist, war das jetzt 18-jährige Mädchen von der Elfenbeinküste als Teenagerin mit einem wesentlich älteren Mann zwangsverheiratet worden. Sexuellen Kontakt zu ihm lehnte sie ab, deshalb hackte er ihr beide Hände ab. Nur durch Zufall wurde sie lebend gefunden.

Nach dem Tageblatt-Bericht 2010 wollten viele Leser das Mädchen unterstützen. Fast 8000 Euro seien zusammengekommen, erzählt Angélica Saavedra vom Verein „Nachhaltig gegen Hunger (Nagehu)“. Mit ihrer Mutter zog Alimatou aus ihrem Dorf nach Abidjan. Sie kam in eine Klosterschule, in der Frauen lesen und schreiben lernen. Inzwischen ist sie laut Saavedra Klassenbeste.

In der ehemaligen Hauptstadt der Elfenbeinküste konnten Prothesen aus Deutschland angepasst werden, auch das Training mit ihnen und Psychotherapie waren möglich. Doch die Prothesen passen nicht mehr. Alimatou sei nie damit zurecht gekommen, weiß Saavedra, die sich um das Mädchen kümmert.

Als sie von der Forschung von Professor Dario Farina in Göttingen las, rief Saavedra dort an. Farina gab grünes Licht für Alimatou: Für Untersuchungen in der Forschung könne sie nach Göttingen kommen. Als Probandin für die Forschung an myoelektrischen Prothesen sei die junge Frau von der Elfenbeinküste eingeflogen worden, sagt Meike Schweisfurth, Wissenschaftlerin im Institut für Neurorehabilitationssysteme.

Über Elektroden, die Muskelaktivitäten erfassen, werden myoelektrische Prothesen gesteuert. Für zwei Projekte sind Experimente mit „dem Mädchen ohne Hände“ hilfreich. Im Projekt Myosens ist es das Ziel, Prothesen mit Gefühl (Sensorik) zu entwickeln.

Im Projekt Demove gehe es darum, Prothesen intuitiv zu bewegen. Die Michelangelo-Hand von Otto Bock zum Beispiel wird nicht intuitiv, sondern über klar bestimmte Muskelsignale gesteuert, erläutert Schweisfurth den Unterschied.

Untersucht wird außerdem, welche Prothesen Alimatou am besten helfen. „Es ist unglaublich, was sie alles kann“, sagt Schweisfurth. Viel schafft sie allein mit ihren Stümpfen. Als ihr die Handtasche vor der Untersuchung ausrutschte, schaffte sie es schnell, sie wieder einzuräumen.

Mit einer einfachen Manschette, die sie um den Stumpf spannt, kann Alimatou gut leserlich schreiben. Sie schiebt den Stift in vorgefertigte Löcher, die ihn halten und ihr die Finger ersetzen. An einer ähnlichen Manschette sind Messer und Gabel zum Essen befestigt. An einer dritten kann sie eine Kelle führen.

Jetzt träumt sie davon, einmal Auto zu fahren. Als der Ingenieur für biomedizinische Technik bei Otto Bock, Marko Marković, der jungen Frau einen Prototyp einer myoelektrischen Hand anpasst, gelingt es ihr gleich, damit zu greifen.

Vielleicht kann Alimatou am 1. September für sie passende Prothesen nach Hause mitnehmen, stellt Schweisfurth in Aussicht. Zur Auswahl stehen myolelektrische Kinderhände – sie sind leichter als künstliche Erwachsenenhände - oder rein kosmetische Prothesen, die Alimatou vor befremdeten Blicken von anderen Menschen bewahren.

Noch nicht abschließend geklärt sei die Finanzierung. Von dem Geld, was Alimatou als Probandin verdient, will sie eine spezielle Nähmaschine (Overlock-Nähmaschine) kaufen, um zurück an der Elfenbeinküste das Familieneinkommen aufzubessern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016