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Alles, aber nicht langweilig!

Wochenendkolumne Alles, aber nicht langweilig!

Die Göttinger sind die Bewohner einer Stadt, einer Großstadt. Hundekrankheiten bekommt der Göttinger nie. Falsch abgebogen, Oppermann. Das war Schwitters' Hommage an die größere Stadt an der Leine, seine Heimatstadt Hannover. Jetzt hab' ich's aber wieder. Göttinger, wollte ich schreiben, Göttinger sind nicht auszurechnen, von einer gelegentlich verblüffenden Vielzahl konkurrierender Wesenszüge geprägt.

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Christoph Oppermann

Quelle: GT

Mit seiner Meinung hält der Göttinger nicht hinterm Berg. Das glaube ich nach einem halben Jahr intensiver Durchsicht der täglich hier eingehenden Leserbriefe beurteilen zu können. Freigiebig teilt er seine Meinung mit, gern auch als Leserbrief ans Tageblatt. In an manchen Tagen verschwenderischer Fülle gehen derlei Zuschriften hier ein, meinungsstark, ultimativ eine andere Haltung, auf jeden Fall aber die Veröffentlichung des Schriftstücks fordernd. Ul-ti-ma-tiv!

Und wehe, das gute Stück Meinungsprosa geht nicht direkt seinen Weg in die Rotation. Dann wird aus dem stellvertretenden Chefredakteur aber ruck, zuck der Schreibknecht, der gedungene Lohnschreiber im Dienste des Aufruhrs oder der Obrigkeit. Gelegentlich geschieht dies auch an einem Tag zu ein und demselben Sachverhalt. Was den Göttinger an sich an verschwenderischer Fülle bei den Leserbriefen auszeichnet, spart der Südniedersachse aber bei Satzzeichen wieder ein. Sparsam, richtiggehend knickerig wird er, wenn es darum geht, mal einen Punkt oder - da scheint die Grenze zu barocken Lebensfreude aber auch schon erreicht - ein Semikolon auf den Markt zu werfen.

Der Göttinger, glauben Sie's, kommt im Leserbrief mit exakt zwei Interpunktionszeichen aus, um einen Satz zu Ende zu bringen. Ausrufungszeichen und Fragezeichen. Dabei fungiert das Fragezeichen eigentlich auch nur als ein Abwechselung verschaffendes Stilmittel. Gemeint ist es nämlich auch als Ausrufungszeichen, welches aber im Falle eines wiederholten Vorwurfes (und darin geht es gern mal in Leserzuschriften) wegen der Gefahr aufkommender Monotonie geopfert wird. So wird die Anschuldigung, X oder Y habe ja von diesem oder jenem ja ü-ber-haupt keine Ahnung, in eine Frage gekleidet. Ist aber selbstredend nicht als Frage gemeint. Klingt nur lässiger, jedenfalls viel souveräner und beugt der Eintönigkeit vor.

Großzügig hingegen ist der Göttinger mit seiner Zeit, wenn's um Kultur geht. Das ist auch nötig, denn für diesen Tipp brauchen Sie etwas Zeit: "Lichtenberg Reloaded". So titelt eine Ausstellung zum Göttinger "Stadtheiligen", die der wunderbare WP Fahrenberg aus Göttingen und Gisela Vetter-Liebenow vom - tja, früher nannten wir es so - Wilhelm-Busch-Museum in Hannover auf die Beine gestellt haben. Das wird sicher eine wunderbare Angelegenheit, die die Anfahrt lohnt. Die ausführliche Ankündigung dazu findet sich hier. Beides sollten Sie sich nicht entgehen lassen. (Ausrufungszeichen kann ich auch.) Und dann freue ich mich auf viele neue Leserbriefe, denn die sind in Göttingen niemals langweilig.

 

Christoph Oppermann
stellvertretender Chefredakteur
c.oppermann@goettinger-tageblatt.de,Twitter: @tooppermann

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Er war ein Meister der kleinen Form. Und seine Wirkung ist beachtlich. Nicht nur Naturwissenschaftler, auch viele Künstler sind von Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) inspiriert worden. Arbeiten von 45 Zeichnern, darunter F. W. Bernstein, Robert Gernhardt und Horst Janssen, sind ab Sonntag im Wilhelm-Busch Museum Hannover und ab Mai in Göttingen zu sehen.

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