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„Als Visagist darf er keine Haare schneiden“

Fall Sascha Arnold „Als Visagist darf er keine Haare schneiden“

Für den Geschäftsführer der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Jürgen Garms, ist der Fall des Göttinger Visagisten Sascha Arnold klar: „Als Visagist darf er weder Haare schneiden, färben oder sonst auf eine Weise die Haare seiner Kunden verändern.

Er ist kein gelernter Friseur. Er darf Haare legen.“ Doch dann wird es unscharf: Garms räumt ein, dass diese Tätigkeiten dann erlaubt seien, wenn sie in dem Betrieb in einem Verhältnis zur Haupttätigkeit „sehr untergeordneten Maße“ ausgeführt würden. „Dazu gibt es im Gesetz allerdings keine Prozentzahlen. Es muss aber einen deutlichen Unterschied geben.“ Die Handwerksrolle sieht einen „unerheblichen handwerklichen Nebenbetrieb“ vor, der auch ohne Meisterbrief möglich ist. Dafür müsse nach Angaben des Berufsverbandes unabhängiger Handwerker (BUH), ein Hauptbetrieb bestehen, von dem sich der Nebenbetrieb abgrenzen lasse.

Sascha Arnold hat in seinem kleinen Laden in der Langen Geismarstraße Haare gefärbt, getönt, geschnitten. Und das, obwohl er nicht als Friseurmeister in der Handwerksrolle eingetragen ist, so wie es die Handwerksordnung vorsieht. Arnold kann nur eine Ausbildung als Visagist vorweisen – ein Beruf, für den es keine festen Ausbildungsstandards gibt. Arnolds Tätigkeiten handelten ihm eine Hausdurchsuchung wegen Verdachts auf Schwarzarbeit ein (Tageblatt berichtete).

Ohne Abschluss

Aus Sicht der Handwerkskammer ist die Lösung für Arnold einfach: ein Eintrag als Friseurmeister in der Handwerksrolle. Ein Meisterlehrgang, so Garms, würde 2265 Euro kosten, ohne Material- und Prüfungskosten und ohne Einrechnung der laufenden Lebenshaltungskosten. Garms verweist hier auf das Meisterbafög und Zuschüsse zum Unterhalt. Zudem gebe es berufsbegleitende Kurse. Außerdem bestehe etwa die Möglichkeit, als Friseur selbstständig zu arbeiten, wenn er in dem Beruf „insgesamt sechs Jahren ausgeübt hat, davon insgesamt vier Jahre in leitender Stellung“ tätig gewesen ist.

Der Haken: Arnold hat keine abgeschlossene Friseurausbildung. Sein Ausbildungsbetrieb ist 2002 in Konkurs gegangen, seine Ausbildung musste er deshalb abbrechen. „Innung und Handwerkskammer brachten es nicht fertig, einen weiteren Ausbildungsplatz zu vermitteln“, schreibt Arnolds Anwalt Walter Ratzke. Daraufhin hat Arnold mit der Visagistenausbildung begonnen.

Sowohl Garms als auch die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen werfen Arnold im aktuellen Fall vor, in der Vergangenheit wenig kooperativ gewesen zu sein und Angaben zu seiner Tätigkeit verweigert zu haben. So habe die Friseurinnung Arnold angeboten, an einer bevorstehenden Gesellenprüfung im Friseurhandwerk teilzunehmen oder aber seine abgebrochene Lehre in einem Göttinger Unternehmen fortzusetzen.

Arnold selbst weist diese Vorwürfe gegenüber dem Tageblatt zurück: Er habe stets Auskunft gegeben, ein Angebot, die Lehre zu beenden habe es nie gegeben. Außerdem: Die Kammer hätte sich damals bemühen müssen: „Aber sie hat mich im Regen stehen lassen.“

Von Michael Brakemeier

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Abgewiesen

Erwartungsgemäß chancenlos war der Göttinger Visagist Sascha Arnold, als er am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht darauf klagte, künftig auch ohne Eintragung in die Handwerksrolle Haare schneiden, legen, und färben sowie Dauerwellen und Strähnchen anfertigen zu dürfen. Das Gericht wies seine Klage nach kurzer, aber teils emotionsgeladener Erörterung ab.

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