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Alte Schriften lernen

„Leseunterricht“ Alte Schriften lernen

Nur das Kratzen von Bleistift auf Papier ist zu hören. Wie in der Schule sitzen sie an ihren Tischen und übersetzen die kopierten Texte. „Das ist ganz schrecklich geschrieben“, sagt Stefan Endler. Er hat Mühe die Handschrift zu entziffern. Die „Schüler“ übersetzen nicht von Englisch nach Deutsch. Sie übertragen deutsche Texte aus alten Zeiten.

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Nachschlagewerk: Im „Leseschlüssel“ werden die Buchstaben im Wandel der Zeit gezeigt.

Quelle: Heller

Unterricht im Lesen alter Schriften bietet die Genealogisch-heraldische Gesellschaft an. Immer freitags wird in der Historischen Staats- und Universitätsbibliothek gelernt.

Hans-Heinrich Hillegeist teilt die nächsten Blätter aus. „Das kann ich“ sagt Margret Beinhorn sogleich und beginnt den Text laut vorzulesen. Auch Margitta König kommt zurecht. Und wieder nur leises Bleistiftkratzen, während die Texte eilfertig in lateinischer Schrift abgeschrieben werden.
„Unser Märchenbuch war in Sütterlin“, erinnert sich Beinhorn. Hillegeist ist 1935 geboren. Er habe die Sütterlin-Schrift nicht mehr gelernt. Von seinem Geburtsjahr bis 1941, ein Jahr vor seiner Einschulung, war sie Teil des offiziellen Lehrplans. In der Folge des Schrifterlasses hat die NSDAP 1941 die Verwendung der Sütterlinschrift verboten. Als Ausgangsschrift wurde ab 1942 nur noch die lateinische Schrift gelehrt. Wieder andere Buchstabenformen lernen mit der vereinfachten Ausgangsschrift heute Hillegeists Enkelkinder.

Eine ganze Tasche voll mit alten Dokumenten hat Margitta König (67) aus Klein Wiershausen mitgebracht. Ein Gästebuch interessiert sie besonders. Freunde des Vaters aus ganz Deutschland hätten sich hier eingetragen und geschildert, wo sie hergekommen seien und was sie auf der Fahrt alles erlebt hatten. „Jeder schreibt anders“, schildert König das Büchlein. Gerade die Zeilen der Schmierfinken könne sie nicht ohne Hilfe entziffern. Weitere Schriftstücke aus früheren Zeiten habe sie von ihrem Onkel aus der ehemaligen DDR übernommen. Weil sie auch davon vieles nicht auf Anhieb lesen könne und weil sie Hans-Heinrich Hillegeist gut kenne, sei sie heute hergekommen.

„Mich interessiert meine Familiengeschichte“, sagt Stefan Endler (46). Im vergangenen Jahr habe er ein paar alte Verträge von seinem Großvater gefunden, sie seien handschriftlich abgefasst. „Bei manchen habe ich sehr große Schwierigkeiten, die einzelnen Wörter zu erkennen.“ Durch einen Artikel im Tageblatt sei er in den Kurs gekommen.

„Die Schwierigkeit ist, dass viele Kinder die Schrift ihrer Großeltern nicht mehr lesen können“, konstatiert Heinz Bielefeld (81) von der GHGG. Deshalb würden alte Schriften weggeworfen. Oft sei doch etwas Wertvolles dabei, weiß der ehemalige Leiter des Kirchenkreisarchivs. Er selbst musste verschiedene Schriften lernen. Als Heranwachsender habe er deutsche Schrift geschrieben. Aus beruflichen Gründen musste der Lehrer sich 1955 auf lateinische Schrift umstellen. Heute gibt er sein Wissen und seine Erfahrung beim Deuten alter Schriften an Menschen wie Beinhorn, König und Endler weiter.

Ihre Sprechstunde hält die GHGG jeden ersten und dritten Freitag im Monat von 15 bis 17.30 Uhr in der Historischen Staats- und Universitätsbibliothek, Papendiek 14 (Lichtenberghof), Raum 0.202 im Erdgeschoss, ab. Infos zu den Kursen zum Lesen alter Schriften gibt Hillegeist, Telefon 05 51 /
7 70 06 83.

Von Ute Lawrenz

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Die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen (GHGG) sucht neue Räume. Im Dezember hat die Universität Göttingen der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen wegen Eigenbedarfs den Bibliotheksraum im historischen Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen am Papendiek 14 zum 31. März gekündigt.

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