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Am Sonntag ist Muttertag. Und es ist Zeit, die Sache umzudenken

An alle Rabenmütter Am Sonntag ist Muttertag. Und es ist Zeit, die Sache umzudenken

Ach, Muttertag. Das ist der Tag, an dem Mutti ausnahmsweise kein Frühstück zaubern muss, damit sie genug Zeit hat, das Schlachtfeld aufzuräumen, in das ihre Kinder die Küche beim Eierkochen verwandelt haben.

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Zu Unrecht in Verruf: Raben sind hervorragende Eltern.

Quelle: EF

Göttingen. Irgendwie drängt sich da der Gedanke auf, dass die Ehrung des Erziehens zwar berechtigt, aber nicht mehr ganz zeitgemäß ist.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Sache mal aus mehreren Perspektiven zu betrachten.

Erster Stopp: Blumenladen. Bei Florian Gorgs von Blumen Florian im Hauptbahnhof könnte die Stimmung besser sein. Das liegt nicht an den Blumen, schon gar nicht an den Müttern, sondern am Bahnstreik. Sollten solidarische Töchter und Söhne noch Blumen brauchen und sich in den Bahnhof verirren, hat der Inhaber einen einfachen Tipp: „Erlaubt ist, was gefällt.“

Deshalb hat Florian neben den üblichen Bestsellern alleine 30 verschiedene Topfpflanzen im Angebot – es muss ja nicht immer rote Rosen regnen.

Christine Müller, Leiterin des Frauenbüros der Stadt Göttingen, hat grundsätzlich nichts gegen den Muttertag: „Er ist allerdings dann nicht zeitgemäß, wenn es darum geht, ein traditionelles Mutterbild zu stärken.“ Zumal die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie, die beim Muttertag ja auch immer wieder gerne betont wird, beide Geschlechter betreffe.

Die Elternschaft, so Müller, führt für Frauen immer noch zu größeren Nachteilen: Frauen arbeiteten beispielsweise unverhältnismäßig oft in Teilzeit, mit dementsprechend negativen Auswirkungen auf ihre Einkünfte und Rentenversorgung. Umgekehrt werde Männern unterstellt, dass sie nach der Geburt ihres Kindes normal weiterarbeiten. Müller könnte noch mehr erzählen. Aber schon jetzt wird klar: Irgendwas stimmt da nicht.

Irgendwas, das weder Frühstück noch Blumen zu ändern vermögen. Müller bleibt trotzdem gelassen: „Unsere Gesellschaft ist weiter, als die Rituale, die wir pflegen.“

Wer wissen möchte, wie es richtig geht, muss nur ins Tierreich schauen: „Entgegen des Vorurteils der Rabenmutter handelt es sich bei Raben um rührende Eltern“, sagt der Göttinger Vogelkundler Hans-Heinrich Dörrie.

Beide Rabeneltern umsorgen ihre Brut liebevoll, gehen abwechselnd ihrem Broterwerb nach und bleiben meist ein Leben lang zusammen. Damit nicht genug: Ornithologisch verbrieft ist auch, dass Freunde, Nachbarn, ja sogar ältere Geschwister auf die Kleinen aufpassen, wenn den Eltern mal die Zeit fehlt. Unsere Gattung, und daran darf der Muttertag gerne erinnern, braucht vielleicht mehr solcher Rabenmütter – und Rabenväter.

Von Jonas Rohde

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