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Am Steuer telefoniert statt diktiert

Aus dem Amtsgericht Am Steuer telefoniert statt diktiert

Mit Handy in der Hand ist ein 51 Jahre alter Autohändler auf dem Göttinger Sandweg am Steuer seines Pickups von Polizisten beobachtet worden. Gegen den Bußgeldbescheid ging er an. Er habe nicht telefoniert, sondern diktiert, weil er seine Ideen immer schnell festhalten müsse. Das sei ja nicht verboten. Die Bußgeldrichterin glaubt ihm nicht und verdonnerte ihn zu 60 Euro Strafe.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Er gilt als eloquenter Geschäftsmann, der ständig in unterschiedlichen Autos unterwegs ist. Bei sechs Firmen, die er führe, müsse er sich ständig Notizen machen oder Einfälle ins Diktiergerät sprechen, wenn er unterwegs sei, sagt er. Selbst nachts neben dem Bett lägen Block und Stift für neue Ideen. An jenem Tag, an dem ihm unterstellt wurde, am Steuer telefoniert zu haben, habe er gerade etwas in sein Diktiergerät gesprochen. Mit dem Smartphone, das er der Richterin zeigt, könne er gar nicht richtig umgehen. Das stecke er im Auto in die dafür vorgesehene Halterung und telefoniere, wenn er angerufen werde, ausschließlich über die Freisprechanlage.

Ein 23-jähriger Polizeibeamter berichtet vor der Bußrichterin über das "Verkehrsprojekt". Er gehörte zu den Beobachtern in Höhe Kiessee, die via Funk den Kollegen in Höhe Stadion mitteilten, welcher Fahrer gerade keinen Gurt angelegt hat oder telefoniert. Er will ein schwarz-weißes Handy gesehen haben, in das gesprochen wurde. Wie? "In Kopfhöhe. Der Mund hat sich bewegt."

Der Kollege, der den Pickup stoppte, hat auch ein Handy im Auto gesehen. Als er den Fahrer damit konfrontiert habe, dass er damit gerade telefoniert habe, habe der gesagt, es nur in der Hand gehabt, aber nicht telefoniert zu haben. "Glatte Lüge!", schimpft der Geschäftsmann dazwischen. Von Diktiergerät sei nicht die Rede gewesen, ergänzt der Polizist. "Das wäre doch das Erste gewesen, was man gesagt hätte", sagt Bußgeldrichterin Johanna Klingebiel später in der Urteilsbegründung, "wenn man mit dem Handy-Vorwurf konfrontiert wird." Hat er aber nicht. Und mitgebracht hat er das Handy-ähnliche Diktiergerät auch nicht.

Die Richterin verurteilt den Betroffenen zu 60 Euro Bußgeld wegen vorsätzlich widerrechtlicher Benutzung eines Telefons am Steuer. Da reiche es, dass man das Ding in der Hand hat. Der Nachweis des Telefonierens ist nicht einmal nötig. Und einen Grund, warum beide Polizisten, deren Aussagen sich glaubhaft ergänzt hätten, gelogen haben sollen, könne man auch nicht erkennen.

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