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Kommt der Atomkrieg?

Amerika-Korrespondent bei der Europa-Union in Göttingen Kommt der Atomkrieg?

Steht die Welt kurz vor einem Atomkrieg oder „treibt“ der amerikanische Präsident gegenüber Nordkorea nur „den Preis hoch“, um so „eine neue Verhandlungsposition“ zu finden. Darüber sprach Amerika-Korrespondent Stefan Koch beim Sommerempfang der Europaunion in Göttingen vor 170 Zuhörern.

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Göttingen. Er verstehe den „erratischen Kurs“ von Donald Trump auch oft nicht, bekannte Koch vom Redaktionsnetzwerk Deutschland, zu dem auch das Tageblatt gehört. Trump habe seine globalisierungskritischen, „America first“-Positionen allerdings bereits in den 80er-Jahren vertreten. Und bereits als Unternehmer habe Trump eine „Eskalationsstrategie“ verfolgt, um seine Verhandlungsposition zu verbessern, so Koch im Gemeindesaal von St. Johannis.

Der Journalist deutete an, dass eventuell Bauteile aus Russland Nordkorea den Test von immer besseren Raketensystemen ermöglichten. Als Führungsmacht müssten die USA reagieren. Trumps Vorgänger habe Nordkorea achteinhalb Jahre gewähren lassen. Das Problem sei so größer, nicht kleiner geworden.

Die USA, stellte Koch klar, seien keine „one man show“. Dem Präsidenten stehe ein starker Kongress gegenüber. Dort habe Trump bisher keines seiner großen Ziele durchsetzen können. Das Gesundheitssystem Obamacare gebe es immer noch. Die Steuerreform liege auf Eis. Und das Oberste Gericht verfolge das Handeln des Präsidenten „hellhörig“.

„Selbstbestimmt“, so der Korrespondent, agierten die 50 Bundesstaaten der USA. Sie hätten mit ihrer Politik zum Beispiel dazu beigetragen, dass sich die Klimabilanz der USA in den vergangenen Jahren – im Gegensatz zu Deutschland – „drastisch verbessert“ habe. Auf erneuerbare Energien setzten konservativ regierte Bundesstaaten wie Texas, Iowa (Wind) oder Arizona (Sonne). Das gerate aufgrund „aufgeregter Kurznachrichten“ über Trumps Klimapolitik aus dem Blick.

Der Journalist ging auch auf amerikanische Irritationen über Deutschland ein. Die Bundeskanzlerin habe den Regimewechsel in Libyen nicht mitgetragen, eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgien sowie Waffenlieferungen an die Ukraine abgelehnt. Koch stellte auch klar, dass die Bundeswehr „auf eine ernsthafte Auseinandersetzung nicht vorbereitet“ sei. Trumps Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben ließen sich also nachvollziehen.

Aller Irritationen über den neuen Kurs der USA zum Trotz, betonte Koch, bleibe Amerika – wie die Europäische Union – ein „selbstbestimmter Raum“. Er fühle sich in den USA, im Gegensatz zu anderen Weltregionen, zuhause. Für die gemeinsamen Werte, für die Partnerschaft mit den USA gelte es zu kämpfen, erklärte der Journalist, der aus dem Eichsfeld-Ort Langenhagen stammt.

Auf die Rekordbeteiligung am Europaempfang wies Gastgeber Harm Adam von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft hin. Mit 110 Teilnehmern hätten sie vor fünf Jahren bekommen. Ausrichter waren zudem die Deutsch-Franzöische Gesellschaft und der Europa-Union. Europa sei nicht das Problem, sondern die Lösung, erklärte Landrat Bernhard Reuter (SPD), seit kurzem ebenfalls Mitglied der Europa-Union.

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