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Ammar Hatem aus Syrien möchte weiter Kunst studieren

Flüchtlinge im Porträt Ammar Hatem aus Syrien möchte weiter Kunst studieren

Jeden Tag kommen Tausende Menschen nach Deutschland, in überfüllten Zügen, maroden Kähnen - und erreichen auch die Region. Hier warten die Migranten auf das Ende ihres Asylverfahrens - und auf ein besseres Leben. Einige stellen wir in loser Reihenfolge vor. Heute: Ammar Hatem aus Syrien.

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"Ich möchte den Menschen die antike arabische Welt zeigen"

Quelle: Hallmann

Göttingen. „Der Nahe Osten ist mehr als nur Krieg und Leiden.“ Diese Botschaft möchte der syrische Künstler Ammar Hatem in Deutschland verbreiten.

Der 24-Jährige studierte Kunst in Damaskus. Doch der Bürgerkrieg und die pausenlose Bedrohung durch den Islamischen Staat (IS) zwangen ihn zur Flucht aus seiner Heimat: mit dem Boot über das Mittelmeer, zu Fuß, mit dem Bus, dem Zug. „Ich habe dabei nichts empfunden. Es war, als würde ich einen Film gucken“, erzählt Hatem. Im August kam er im Lager Friedland an.

Annette Bauer, Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Adelebsen, nahm Hatem bei sich auf „Es hat einfach von Anfang an sehr gut gepasst. Es kam alles wie von selbst“, erzählt Bauer.

Hatem wartet noch auf das Ende seines Asylverfahrens. „Ich möchte weiter zur Universität gehen und meinen Master in Kunst machen“, erzählt Hatem. Seine künstlerische Bandbreite ist weit. Er fertigt Zeichnungen an, Ölmalereien und Aquarelle, aber auch politische Karikaturen „über alles eigentlich. Ich hatte ein Buch mit meinen gesammelten Karikaturen, aber das habe ich im Wasser verloren.“

Zusammen mit der Hochschulgruppe "ConnAction" hat Hatem Weihnachtskarten entworfen, die verkauft wurden. Das Design der Karten ist beeinflusst vom „goldenen Zeitalter der arabischen Welt“, von Algebra, Astrologie und arabischer Mythologie. „Ich möchte den Menschen die antike arabische Welt zeigen, nicht nur das Leiden, das die Leute in den Nachrichten sehen.“

Die Menschen seien immer überrascht, sagt Hatem, wenn er ihnen erzählt, dass man auch in Syrien Weihnachten feiert. „Alle tun das, auch Moslems. Die Leute in Damaskus dekorieren ihre Häuser genau wie hier in Deutschland. Jetzt ist es aber nicht mehr erlaubt wegen der ständigen Engpässe bei der Stromversorgung.“ Die meisten Menschen in Europa „wissen eigentlich gar nichts über den Nahen Osten“, meint Bauer.

Von Flora Hallmann

 

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