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Der gedungene Räuber traut sich nicht

Aus dem Amtsgericht Der gedungene Räuber traut sich nicht

Eigentlich ist nichts passiert. Der gedungene Räuber hat sich nicht getraut. Er ließ das Messer stecken, forderte kein Geld, ging unerkannt aus der Spielhalle. Niemand bekam mit, dass er rauben sollte - oder wollte. Dennoch kommt der Fall vor Gericht. Der, der dem verhinderten Räuber das Messer in die Hand drückte, muss sich wegen Anstiftung verantworten.

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Göttingen. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird ein 25 Jahre alter Deutscher, geboren in Pristina. Er sitzt in anderer Sache. Der Staatsanwalt müht sich, Kontaktaufnahme zu den vielen männlichen Verwandten im Zuhörereraum zu unterbinden. Laut Anklage soll der 25-Jährige am 15. Mai vergangenen Jahres einem damals 17-Jährigen ein Küchenmesser in die Hand gedrückt und verlangt haben, dass dieser damit die Flippothek in der Reinhäuser Landstraße überfällt und mindestens 700 Euro erbeutet.

Anklage wegen Anstiftung zur räuberischen Erpressung

Das hat der junge Mann zunächst in heller Aufregung seinen Eltern, der Schwester und der Oma gebeichtet. Die hatten ihn überredet, es der Polizei anzuzeigen. Aus den Schilderungen des verhinderten Räubers wurde dann die Anklage wegen Anstiftung zur räuberischen Erpressung, die nun das Schöffengericht verhandelt.

Doch Richterin und Schöffen kommen Zweifel: Warum hat er nicht einfach Nein gesagt? Womit hat der Angeklagte ihn unter Druck gesetzt? Warum eigentlich genau 700 Euro? Und wie genau soll das abgelaufen sein? Der inzwischen 18-Jährige behauptet im Zeugenstand, nur reingegangen zu sein und abgewartet zu haben, um dem Angeklagten dann Misserfolg melden zu können. Er habe behauptet, die Poliizei komme gleich. Da habe der 25-Jährige ihn verprügelt und verletzt und sei selber in die Spielhalle gegangen. Warum er überhaupt reingegangen sei? "Weiß ich doch nicht, was in meinem Kopf vorging."

Merkwürdigkeiten in Behauptungen des verhinderten Räubers

Der Verteidiger fragt dann noch weitere Merkwürdigkeiten aus den Behauptungen des verhinderten Räubers heraus. Der ist nämlich vorbestraft, ausgerechnet wegen Körperverletzung und Raubes. Schließlich muss er zugeben, wegen der Schläge schwer übertrieben zu haben, um der Sache bei der Polizei Nachdruck zu verleihen. Er habe nur einen Schlag ins Gesicht und dadurch Nasenbluten bekommen.

Es tritt auf eine Alibi-Zeugin. Die junge Frau soll den ganzen Tattag mit dem Angeklagten zusammen gewesen sein. Sie schildert einen Besuch bei Cron und Lanz. Um 18 oder 19 Uhr habe man sich getrennt. Nix mit Alibi - die Tat war nach 19 Uhr.

Ein Video zeigt Belastungszeugen

Das Video aus der Spielhalle zeigt den Belastungszeugen, wie er mit Kapuze und Hand in der Tasche (darin das Messer) unentschlossen im Eingang steht. Jemand kommt auf die Idee, erstmals auch den Rest des Films zu sehen. Tatsächlich erscheint kurz nach dem Belastungszeugen der jetzt Angeklagte in der Spielhalle, so wie der 18-Jährige gesagt hat. Aber mit ihm ein zweiter Mann. Der wäre ein wichtiger Zeuge, um zu sagen, was wirklich geschah. Nun soll dieser aufgetrieben werden. In drei Wochen wird weiterverhandelt.

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