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An der Grenze des Möglichen

Tageblatt-Weihnachtshilfe An der Grenze des Möglichen

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden Opfer von persönlichen Katastrophen und Tiefschlägen. Diesen Menschen bieten soziale Einrichtungen in der Region Hilfe. Zugunsten dieser Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Weihnachtshilfe des Göttinger Tageblatts.

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„An der Grenze des Möglichen“:  Hans-Werner S. muss seinen Alltag bewältigen. Vetter

Quelle: Vetter

Göttingen. Die schmale Rente reicht nur selten. Aber nicht nur deshalb arbeitet Hans-Werner S. (Name geändert) mit seinen 82 Jahren immer noch jeden Tag. Seine Kunden von früher zählen auf ihn: „Die kann ich doch nicht im Stich lassen.“

Nachdem er sie angelernt hatte, gründete S. 1988 eine kleine Firma, die Gastronomen in der Region mit Service-Produkten versorgt – als Komplett-Service, mit technischer Betreuung. Siegmann hatte als Angestellter ein solides Einkommen. Dann aber, vor gut drei Jahren, starb völlig überraschend seine Tochter: „Ich musste blitzschnell überlegen, mache ich weiter oder nicht?“

S. machte weiter, obwohl die Bedingungen sehr viel schwieriger geworden waren: Mehr Fluktuation und schwindende Gewinnmargen in der Gastronomie wirkten sich auch auf seine Umsätze aus. Die Folge: „In manchem Monat reicht das Geld so gerade, in anderen nicht.“ Kredite, um schlechte Monate zu überbrücken, hätten im die Banken verweigert, ärgert sich S. Das Für und Wider jeder Ausgabe muss er sorgfältig abwägen.

Schon früh im Leben haben schwere Schicksalsschläge seine Familie um ihren mühsam erarbeiteten Wohlstand gebracht: „Wir mussten wieder ganz von vorn anfangen.“ Um jetzt die Lücken zu stopfen, ist S. in vielen Monaten auf staatliche Unterstützung angewiesen. Warum er den Beruf mit seinen 82 Jahren immer noch täglich ausübt und sich sein Leben nicht ganz vom Staat bezahlen lässt? „Ich mache weiter, weil ich ein Verrückter bin.“ Also ist S. trotz seiner Gehbehinderung immer wieder unterwegs und betreut im Umkreis von 50 Kilometern seine Stammkunden. Die danken es ihm, sagt er: „Mit den meisten bin ich per du. Es kommt eben alles auf den Service an.“

Nun muss S. die gesamte Planung und Organisation aus seiner kleinen Wohnung in der Göttinger Südstadt heraus bewältigen. Dort wohnt er alleine, nur sein Hund, blind und schon ziemlich alt, leistet ihm ein wenig Gesellschaft. Seinen Humor lässt sich Siegmann allerdings von niemandem nehmen: „Ich mache eben alles an der Grenze des Möglichen.“

Im Alltag ein wenig unterstützt wird S., der in die Pflegestufe eins eingeordnet ist, von der Demenzhilfe des Göttinger Diakonieverbandes. Von Demenz ist bei S. zwar nicht das Geringste zu bemerken, „aber wir bieten auch andere Hilfen an“, sagt Mitarbeiterin Renate Kirchner. So kann S. Beinmassagen in Anspruch nehmen, die verhindern sollen, dass sich seine Gehbehinderung verschlimmert.

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