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Andreas Most arbeitet seit 30 Jahren als Erzieher in Göttingen

Beruf gewählt, den fast nur Frauen ausüben Andreas Most arbeitet seit 30 Jahren als Erzieher in Göttingen

140 Erzieherinnen, aber nur vier Erzieher sind in den Kindertagesstätten der Stadt Göttingen tätig. Viel zu wenig, sagt Andreas Most. Der 53-Jährige arbeitet seit 30 Jahren als Erzieher in Göttingen, seit 20 Jahren im städtischen Elisabeth-Heimpel-Haus am Maschmühlenweg – sein Traumberuf. Ein Kindergartenbesuch.

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„Ich möchte hier nicht mehr weg“: Andreas Most spielt mit Resul, Semi, Isa und Denni (v.l.) in der Kindertagesstätte Elisabeth-Heimpel-Haus.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Andreas Most sitzt neben vier Jungen auf dem Boden. Alle fünf beugen sich über eine Spielzeugeisenbahn. „Lass mich mal ran“, sagt Denni. „Ne, das macht jetzt mal Semi“, sagt Most mit tiefer, aber freundlicher Stimme.

Der 53-Jährige, schlank, kurzes graues Haar, blaue Augen, ist seit 20 Jahren Erzieher in der Kita Elisabeth-Heimpel-Haus. Schwierig könnte das werden, hatte man ihm anfangs gesagt, weil dort viele Kinder aus Migrantenfamilien betreut würden.

Aber genau das mache den Reiz aus, sagt Most, der jetzt wie ein gutmütiger Riese auf einem Kinderstuhl am Kindertisch sitzt. „Ich möchte hier nicht mehr weg. So interessant und vielseitig habe ich die Arbeit nirgendwo anders erlebt.“

„Es ist eine Lebensaufgabe“

Für Most ist seine Tätigkeit mehr als nur ein Job. „Es ist eine Lebensaufgabe“, sagt er. Manche Familie kenne er schon in ihrer dritten Generation. „Kinder, die ich im Hort hatte, bringen jetzt ihre Kinder in die Krippe. Dadurch hat man einen ganz anderen Bezug zu den Familien. Das schafft Vertrauen und macht die Arbeit leichter.“

Das sei aber nicht das ganze Geheimnis. „Die Kinder brauchen auch einen männlichen Part“, sagt Most. „Vor allem die Jungen haben einen anderen Bezug zu mir als Mann und gehen anders mit mir um. Beim Toben und Kräftemessen trauen sie sich bei einem Mann einfach mehr“, erklärt der 53-Jährige.

Daher wünscht er sich mehr männliche Erzieher in den Kitas. „Das wäre wichtig für die Kinder. Es gibt viele Alleinerziehende, wenigstens in der Kita wären dann beide Geschlechter vertreten. Das ist für Jungs und Mädchen wichtig. Wir sind ihre Vorbilder und leben ihnen das auch vor.“

„Der finanzielle Anreiz fehlt“

Most weiß aber auch, dass männliche Erzieher wie er immer noch in der Minderheit sind. „Der finanzielle Anreiz fehlt“, glaubt er. „In meinem Alter steht man finanziell gut da, aber als Berufsanfänger mit knapp 1400 Euro netto kann man keine großen Sprünge machen.“ Dabei gebe einem der Beruf sehr viel.

„Für mich ist es das Schönste, mitzuerleben, wie sich die Kinder entwickeln und sich an Kleinigkeiten erfreuen können“, sagt Most. Dazu die Dankbarkeit der Familien. „Was da zurückkommt, zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht.“ Vorbehalte ihm als Mann gegenüber habe es noch nie gegeben, sagt er. Schon gar nicht von den Eltern. „Ich genieße ein tolles Vertrauen.“

Einzig der ständig hohe Lautstärkepegel sei belastend, sagt der 53-Jährige, und wie auf Kommando kreischen die Kinder im Nebenraum, wo sie auf Matten herumtoben. Most lacht. Hinter ihm spielen die Jungen immer noch mit der Eisenbahn.  Jetzt ist Denni an der Reihe.

Männer als Kita-Fachkräfte

Wie können mehr Männer für den Beruf des Erziehers gewonnen werden? Wie kann Vorbehalten gegenüber männlichen Fachkräften begegnet werden? Welche Bedingungen sollten Kita-Träger im Blick haben?

Um diese und ähnliche Fragen geht es am Mittwoch, 15. Oktober, bei einem Fachtag mit dem Titel „Beruf: Erzieher – Männer als Fachkräfte in Kindertagesstätten“, der von 14 bis 17.30 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4, veranstaltet wird.

Der Fachtag richtet sich an Kita-Träger, fachlich und politisch Verantwortliche, Pädagogen und andere Interessierte. Organisiert wird die Veranstaltung vom Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen Göttingen, dem Frauenbüro und dem Fachbereich Jugend der Stadt.

Von 11.45 bis 13.15 Uhr stellen Schüler der Fachschule Sozialpädagogik der BBS Ritterplan die Ausstellung „Die Gesichter hinter den Zahlen“ vor, die noch bis Dienstag, 21. Oktober, im Foyer des Neuen Rathauses zu sehen ist.

Ab 14 Uhr stehen zwei Fachvorträge auf dem Programm. Die Praxisforscherin Dr. Claudia Wallner referiert zum Thema „Alle wollen mehr Erzieher in Kitas – und was ist mit Erzieherinnen?“. Jens Krabel, Leiter der Koordinationsstelle „Mehr Männer in Kitas“ in Berlin, gibt einen Überblick über die Erfahrungen und Ergebnisse, die in den dreijährigen Modellprojekten des bundesweiten Förderprogramms „Mehr Männer in Kitas“ gewonnen wurden.

In einer Podiumsdiskussion geht es anschließend um die Situation in Göttingen. Teilnehmer sind neben den Referenten Rotraud Diestelhorst, Koordinatorin der Abteilung Sozialpädagogik an der BBS Ritterplan, Jörg Schnitzerling, Geschäftsführer der ASC-Kinderbetreuungs-gGmbH, Christiane Seiler, Fachdienstleiterin der städtischen Kindertagesstätten und Ute Katzwinkel, Leiterin Kindertagesstätten des Studentenwerks.

Anmeldung bis Montag, 13. Oktober, unter vnb-goettingen.de
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