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Anerkennung für Alexander Selchow

Grüne Jugend fordert Straßenbenennung Anerkennung für Alexander Selchow

25 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Alex Selchow fordert die Grüne Jugend Göttingen (GJ) von der Bundesregierung die offizielle Anerkennung Selchows als Opfer rechter Gewalt. Außerdem soll eine Straße in Göttingen nach Selchow benannt werden.

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„Wut und Trauer“: Zur Gedenkdemonstration zum Tod von Alexander Selchow am 5. Januar 1991 kommen rund 5000 Teilnehmer.

Quelle: Otto

Göttingen. In der Neujahrsnacht 1991 greifen zwei Neonazis den damals 21-jährigen Selchow in der Rosdorfer Friedensstraße auf seinem Nachhauseweg an. Dabei zückt einer der beiden Nazi-Skinheads ein Messer und sticht Selchow mit fünf Stichen nieder. Einer geht in den Bauch, durchtrennt eine Vene und verletzt einen Wirbel. Selchow stirbt an massivem Blutverlust.

  „Herumschwirrende Linke durchklopfen“

 Die Neo-Nazis, beide Mitglieder der inzwischen verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP), waren mit dem Vorsatz von einer Neonazi-Party aufgebrochen, „herumschwirrende Linke durchzuklopfen“.

„Jetzt, vor dem Hintergrund des Rechtsruckes in ganz Europa und einer lange nicht mehr dagewesenen bundesweiten Welle der rechten Gewalt gegen Geflüchtete und alle, die sich gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit einsetzen, bleibt der Tod von Alexander Selchow ein besonderes Fanal“, heißt es in einer Mitteilung der GJ.

Die „relative Ruhe vor rechten Übergriffen“ in Göttingen sei „die Errungenschaft eines langen, gesellschaftlichen Kampfes gegen Nazis, Rassismus und Faschismus“, der weiterhin geführt werden müsse. Zentraler Aspekt müsse das Gedenken an Opfer rechter Gewalt sein. Neben der offiziellen Anerkennung und der Straßenbenennung schlägt die GJ etwa Gedenkplatte am Neuen Rathaus vor. Das Gedenken brauche „einen permanent sichtbaren Ausdruck“.

Die beiden Neonazis werden nach der Tat innerhalb von zwei Tage festgenommen. Im anschließenden Prozess bleibt das Landgericht bei den Strafen unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Haupttäter Oliver S. wird zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilt, Sven S. bekommt vier Wochen Dauerarrest. Der Richter sieht in der Tat Körperverletzung mit Todesfolge. Staatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner hatte zuvor auf sieben Jahre beziehungsweise ein Jahr sechs Monate Jugendhaft wegen Totschlags gefordert. Seiner Argumentation, die Täter hätten Selchows Tod billigend in Kauf genommen, folgt das Gericht nicht.

Von Michael Brakemeier

Liste der Todesopfer rechtsextremer Gewalt

In einer von der Bundesregierung 2009 vorgelegten Liste der Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 wird der Name Alexander Selchow nicht geführt. Entsprechende Listen anderer Institutionen und Medien rechnen den Tod Selchows hingegen rechtsextremer Gewalt zu.

Dementsprechend weit liegen auch die Opferzahlen auseinander: Die Liste der Bundesregierung geht von 60 Todesopfern im Zeitraum von 1990 bis 2011 aus. 184 Todesopfer listet hingegen eine von der Amadeu-Antonio-Stiftung erstellte inoffizielle Liste auf.

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Skinheads erstechen Wehrdienstleistenden

Vor 20 Jahren, in der Neujahrsnacht 1991, erstechen zwei Neonazis den 21-jährigen Alexander Selchow aus Rosdorf. Die Tat ist der Höhepunkt einer Reihe von Übergriffen von Neonazis gegenüber Linken und Ausländern in der Stadt Göttingen sowie den Landkreisen Göttingen und Northeim.

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