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„Anfangs werden die Leute schockiert sein“

Schockbilder auf Zigarettenpackungen „Anfangs werden die Leute schockiert sein“

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf zu Schockbildern auf Zigarettenschachteln beschlossen. Damit sollen ab Mai 2016 die neuen EU-Tabakrichtlinien umgesetzt werden. Das Tageblatt hat Besucher des Wochenmarktes befragt: Sind diese Maßnahmen wirkungsvoll?

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Quelle: dpa

Göttingen/Duderstadt. „Anfangs werden die Leute vermutlich schockiert sein, dann achtet irgendwann keiner mehr drauf“, vermutet Elke Godlewski. Jochen Grote hingegen denkt, dass die Bilder wirkungsvoll sein werden. „Ein Bild sagt mehr als ein Satz“, sagt er. Seine Mutter habe einen Kurs gemacht, indem solche Bilder gezeigt wurden und dann von einem Tag auf den anderen nach 30 Jahren mit dem Rauchen aufgehört.

 
Christoph Sacher und Timo Ahlborn sind der Meinung, dass sich wirklich Süchtige davon nicht abschrecken lassen werden. „Ich denke die Tendenz geht gegen Null, dass jemand deswegen aufhört“, sagt Ahlborn. Er sei gespannt auf das Ergebnis, denkt aber, dass es vermutlich rausgeschmissenes Geld sei. Sacher ergänzt: „Das erzielt nur ein kurzfristiges Ergebnis, denke ich.“

 
„Einen Genussraucher wird es nicht abhalten. Das schafft letztlich nur der Tod“, urteilt Hartmut Mattlin. Sicher seien es sehr unangenehme Bilder, aber ob sie die gewünschte Wirkung erzielen, sei nicht sicher. Wer viel raucht rechne eigentlich auch mit den Konsequenzen. Er selbst habe vor 25 Jahren aufgehört zu rauchen, sei aber immer noch süchtig. „Ich würde nicht mehr anfangen, aus rationalen Gründen. Ich weiß nicht, was passieren muss, damit man aufhört, aber es ist eine Kopfsache.“ Die Bilder könnten dazu beitragen, das schlechte Gewissen zu verstärken. „Ich denke schon, dass es was bringen kann. Besser als nichts“, sagt Sigrid Kausch. Wirklich überzeugt sei sie aber nicht von der Maßnahme. gil

 

Schockbilder lassen Raucher kalt

 

Verfaulte Füße, zerfressene Lungen, verrottete Zahnstumpen. Die EU hat sich auf Schockbilder geeinigt, die ab Mai 2016 auch in Deutschland Zigarettenschachteln „zieren“ sollen. Hartgesottene Raucher werde das nicht abschrecken, sind sich dazu befragte Raucher und Nichtraucher einig.

 
„Je größer, desto besser“, sagt Ariana Wagener aus Brehme, meint das aber ironisch. „Die Bilder schaue ich mir sowieso nicht an, Augen zu und durch“, fährt die 49-jährige Raucherin fort und zitiert ihren Nachbarn: „Was hat man davon, wenn man gesund stirbt.“ Auch die Duderstädterin Ramona Monecke (24), die seit fünf Jahren raucht, hält nichts von der Ekel-Kampagne: „Die Warnhinweise lese ich auch nicht.“

 
„Warum nicht?“, meint hingegen Nichtraucher Kevin Gashi (19): „Wenn es die Leute vom Rauchen abbringt, sollte man es probieren.“  Michaela Kurth (22) findet die Schockbilder ebenfalls generell gut. Die Nesselröderin glaubt zwar nicht, dass die Bilder Raucher abschrecken, sie könnten aber auf Jugendliche und Heranwachsende eine abschreckende Wirkung haben. Raucher-Ikone Helmut Schmidt habe in diesem Punkt leider kontraproduktiv gewirkt.

 
Johannes Jung, der in seinem Geschäft auf der Spiegelbrücke unter anderem Tabak und Spirituosen verkauft, hält die Schockbilder gar für geschäftsschädigend. „Nicht alle meine Kunden sind Raucher“, sagt der 57-Jährige, der gelegentlich Pfeife raucht: „Andere Kunden könnten sich angeekelt fühlen, auch Kinder sollten nicht diesen Bildern ausgesetzt werden.“ Ein Erwachsener sollte wissen, dass Rauchen nicht gesund ist, wehrt er sich gegen plakative Bevormundung: „Ein Raucher bedarf keiner Nachhilfe.“

 
Im Sinne der Gleichbehandlung müssten eigentlich die gleichen Konsequenzen für alle gesundheitsschädlichen Substanzen von Alkohol bis Zucker gezogen werden, sagt Duderstadts Ortsbrandmeister Thorsten Krone. Der 43-Jährige war selbst starker Raucher und ist vor fünf Jahren auf Elektro-Zigaretten umgestiegen, seine letzte angefangene Kippenpackung liegt noch heute in seiner Werkstatt. „Die Schockbilder können zumindest Jugendliche abschrecken“ begrüßt er die EU-Kampagne vom Grundsatz her: „Von den eigenen Kindern wünscht man ja auch nicht, dass sie mit dem Rauchen anfangen.“  ku

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