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Angst, dass die Schultür nach Göttingen zuschlägt

Gegen Festlegung von Schulbezirken Angst, dass die Schultür nach Göttingen zuschlägt

„Ich möchte zur Schule nach Göttingen“ hat Kristin auf ihr Schild geschrieben. Sie ist eines von zehn Kindern und 20 Eltern am schulfreien Montag in der Grundschule Hardegsen. Sie alle wollen dafür kämpfen, dass die Tür zu den Göttinger Gymnasien nicht zufällt.

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Wollen ihre Schule frei wählen können: Schüler und Eltern aus dem Raum Hardegsen.

Quelle: Hinzmann

Das Problem ist älter als Carola Grewe. Die gebürtige Gladebeckerin ist 1974 eingeschult worden. „Damals war kein Hinkommen nach Northeim.“ Auch der Weg nach Moringen sei lang gewesen. Dennoch musste sie die ersten zwei Jahre nach der Grundschule an der KGS in Moringen weiterlernen. Erst dann konnte sie auf ihr Göttinger Wunschgymnasium wechseln. Doris Sellers Tochter geht seit zweieinhalb Jahren auf das Corvinianum in Northeim. Seit dem Schulwechsel spielt Seller für sie Taxi. Fast anderthalb Stunden dauert oft ein Weg. „Im ersten Vierteljahr bin ich täglich gefahren.“

Durch die Erweiterung der Schulbezirke, die der Landkreis Northeim vorhat, werden Fahrzeiten wie diese für die Hardegser zur Regel. 50 Minuten brauchen die Fahrschüler beispielsweise für den Weg von Gladebeck nach Uslar, etwa 60 Minuten im Schnitt nach Northeim. Deshalb wehren sich die Eltern gegen die Festlegung der Schulbezirke, die sie zwingt, ihre Kinder dort zur Schule zu schicken. Denn nach 18 Minuten Busfahrzeit sind die Gladebecker am Göttinger Otto-Hahn-Gymnasium, in 21 Minuten am Zentralen Omnibus-Bahnhof der Leinestadt. „Warum ziehen die Leute denn nach Hardegsen? Weil sie eine gute Anbindung nach Göttingen haben“, argumentiert eine Mutter. Und mancher Gladebecker klagt: Hätte er doch den Bauplatz in Harste im Nachbarlandkreis Göttingen genommen.

Protest erhebt sich während des Treffens auch gegen das Vorgehen des Landkreises Northeim. Ohne die Eltern zu informieren habe er die Erweiterung der Schulbezirke initiiert. Den möglichen Gesinnungswandel des Landrats bringen sie damit in Verbindung, dass die Trägerschaft des Corvinianums in Northeim im vergangenen Jahr von der Stadt an den Landkreis übergegangen sei. Dabei müssten die Gymnasien in Northeim und Uslar keinesfalls um Schüler bangen. „Die Schulen platzen aus allen Nähten.“ Und nicht alle wollten einen Platz in Göttingen.

„In Zeiten von G8, wo Kinder auch nachmittags Unterricht haben, wird ihnen die Möglichkeit zur individuellen Freizeitgestaltung genommen“, kritisiert Peter Niebuer aus den Reihen der Eltern. Eigentlich wäre es eine Sache der benachbarten Landkreise, sich im Sinne der Kinder zu einigen, meint er. „Für unseren Sohn ist es jeden Tag ein Höllenritt nach Uslar“, unterstützt eine Mutter diesen Ansatz.

Auch der Schulelternrat der Grundschule Hardegsen und der Ortsrat Gladebeck mit betroffenen Familien haben gegen die geplante Erweiterung der Schulbezirke im Landkreis Northeim protestiert. In der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport des Landkreises am Mittwoch, 3. Februar, im Sitzungssaal, Medenheimer Straße 6/8, um 16 Uhr wollen Eltern aus Hardegsen ihre Fragen stellen.

Kommentar von Ute Lawrenz

Für Familien

Der demografische Wandel ist in aller Munde, auch und gerade im Landkreis Northeim. Durch Maßnahmen im Sinne der Familienfreundlichkeit versucht die Stadt Hardegsen dem Rückgang der Einwohnerzahlen entgegenzusteuern, junge Familien anzuwerben. Und nun das. Da gibt es weiterführende Schulen sozusagen vor der Haustür und die Hardegser dürfen nicht hingehen? Kaum nachvollziehbar, wo doch auch viele Eltern jeden Tag zur Arbeit nach Göttingen fahren.

„Hätten wir doch den Bauplatz in Harste genommen“, klagten bei dem Elterntreffen zwei Gladebecker. „Nehmen wir doch den Bauplatz im Landkreis Göttingen“, wird mancher sagen, wenn der Schulweg aus dem Landkreis Northeim nach Göttingen nun vollends versperrt wird. Für die, deren Leben in Richtung Leinestadt ausgerichtet ist, sollte die Schultür offen bleiben.

Von Ute Lawrenz

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