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„Riesenproblem bei der Förderung“

Angst vor Brexit-Folgen in Göttingen „Riesenproblem bei der Förderung“

Dass sich ein Brexit auf die Städtepartnerschaft von Göttingen und Cheltenham auswirken würde, bezweifeln sowohl Briten als auch Göttinger. Einzelne Projekte könnten allerdings gefährdet sein. Das jedenfalls glauben für die Städtepartnerschaft Verantwortliche auf beiden Seiten des Ärmelkanals.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Cheltenham. Joachim Pförtner, Geschäftsführer beim Stadtsportbund, befürchtet beispielsweise Auswirkungen auf das sogenannte Friedenscamp, bei dem Göttingen jährlich junge Menschen aus seinen Partnerstädten zusammenbringt. Es wird teilweise aus EU-Mitteln finanziert, und im Falle eines Brexits „hätten wir ein Riesenproblem bei der Förderung“, berichtet er.
Ähnlich sieht es auch Alexis Cassin, in Cheltenham beim sogenannten „Twinning Commitee“ für die Städtepartnerschaft zuständig. Außerdem besuchen ihr zufolge viele Schüler, Studenten und Trainees im Zuge des EU-finanzierten Erasmusprogramms das kontinentale Festland und auch Göttingen. „Wir machen uns Sorgen, dass bei einem Brexit das Geld dafür nicht mehr da wäre“, sagt sie. Dabei habe das Programm so vielen Leuten „neue Horizonte eröffnet“. Gerade für sozial Schwache sei die Förderung dabei entscheidend gewesen.
Cassin und viele andere an der Städtepartnerschaft Beteiligte in Göttingen und Cheltenham hoffen deshalb auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU: „Wir müssen Brücken bauen und nicht Mauern“, bringt Cassin die Meinung vieler auf den Punkt.
Gerade bei jüngeren Briten aus Cheltenham hat das Martin Kimber zufolge geklappt: „Die genießen das freie Reisen durch Europa“, erzählt der Organisator des Friedenscamps – die Älteren hingegen seien eher für den Ausstieg aus der EU.
Allerdings nicht alle: Wegen der Städtepartnerschaft seien mittlerweile mehrere deutsch-britische Ehen zustande gekommen, erzählt Cassin. „Uns hat das zusammgengebracht“, glaubt sie deshalb.
Ihr Ehemann Brian, ebenfalls beim Twinning Commitee aktiv, pflichtet ihr da bei, macht sich aber über die eigentliche Städtepartnerschaft wenig Sorgen. Auf britischer Seite würden ohnehin wenige der Partnerschaftsprojekte von der EU finanziert werden – außerdem gelte: „Die Städtepartnerschaft gab es ja schon, bevor Großbritannien in der EU war.“

 

Der Brexit

Am Donnerstag, 23. Juni, stimmt die britische Bevölkerung in einem Referendum über den Austritt aus der europäischen Union ab. Obwohl sich sowohl linke als auch konservative Spitzenpolitiker für einen Verbleib in der EU aussprechen, ist Meinungsumfragen der Ausgang des Referendums völlig unklar. Großbritannien war 1973 der damaligen „Europäischen Gemeinschaft“ beigetreten, jetzt steht möglicherweise der „Britische Exit“ (Brexit) bevor.

 

Göttingen und Cheltenham

Seit 1951 sind Göttingen und die Gemeinde Cheltenham Partnerstädte. Der Austausch mit der rund 115 000 Einwohner großen Region in England umfasst seitdem Schüleraustausche, das gemeinsame Friedenscamp und einen regen Austausch auf kultureller und sportlicher Ebene: Unter anderem besuchen regelmäßig junge Sportler die Partnerstadt, auch Künstler treten gastweise im Ausland auf. Göttingen unterhält außerdem Partnerschaften mit fünf weiteren Städten in Europa

Von Christoph Höland

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