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Anlagenbauer bieten 20 000 Euro für Windpark

Göttingen Anlagenbauer bieten 20 000 Euro für Windpark

Nicht nur die Fotovoltaik boomt dank garantierter Stromeinspeisevergütung, sondern Investoren sind auch auf der Suche nach jedem neuen Standort für Windkraftanlagen, den sie bekommen können.

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Blick in die Landschaft aus Barterode Richtung Dransfeld: Bei Imbsen und Güntersen gibt es zwei Windparks mit acht Windrädern.

Quelle: SPF

Neben einer Vervierfachung des Windparks bei Güntersen sollen in der Gemeinde Adelebsen auch bis zu fünf neue, große Windräder nördlich von Erbsen errichtet werden. Es geht um eine Investition von rund 22 Millionen Euro. Der Ortsrat ist nicht abgeneigt, schließlich kann für das Dorf 20 000 Euro im Jahr abfallen.

Auch der schwedische Stromriese Vattenfall ließ bereits eine flächendeckende Studie erstellen und ist an verschiedenen Flächen im Landkreis interessiert. Zur Debatte stehen soweit bekannt Flächen südlich von Volkerode, westlich von Ossenfeld, westlich von Varlosen, südöstlich von Bördel und nordöstlich von Meensen an der Kreisstraße nach Jühnde. Außerdem will Vattenfall einen Windpark mit sieben Anlagen zwischen Gieboldehausen, Rollshausen und Rüdershausen bauen. Drei Gemeinden und die Samtgemeinde sind dafür, den Flächennutzungsplan zu ändern, nur die Mitgliedsgemeinde Wollershausen lehnt ab.

Wenn gebaut werden sollte, geht es um Anlagen neuerer Generation mit Nabenhöhen von 138 Metern plus fünfzig Meter Rotorblattlänge. Wegen der Flugsicherheit müssten sie mit blinkenden Warnlichtern ausgestattet werden. Die bestehenden Anlagen in der Region sind in der Regel nur 60 Meter hoch. Die Vattenfall Europe Windkraft GmbH in Hamburg bestätigte zwar auf Anfrage das Interesse an einem Ausbau ihrer Windenergiegewinnung in Niedersachsen, hält sich zu einzelnen Vorhaben aber noch bedeckt. Man müsse ausloten, was gehe. Das funktioniere nur, wenn mit allen Beteiligten gesprochen werde. Bis 2013 will allein die Vattenfall-Gruppe rund 3,4 Milliarden Euro in den Ausbau der Windenergie investieren. Vor der Küste Englands eröffnete sie im September den bislang größten Offshore-Windpark der Welt mit 100 Anlagen.

In Erbsen will eine Projektierungsgesellschaft die Windräder bauen, aber an Investoren weiterverkaufen. An wen, ist offen. Trotz Bedenken über Zahl und Größe der Anlagen will der Ortsrat Erbsen eine Prüfung des Vorhabens nicht blockieren. Am Dienstagabend billigte der Ortsrat einstimmig, ein Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes einzuleiten. Die Entscheidung liege beim Gemeinderat, sagte Ortsbürgermeisterin Margrit Wolter (SPD). Der Rat habe in der Vergangenheit Wünsche über das bestehende Vorranggebiet bei Güntersen mit vier Anlagen hinaus immer abgelehnt, aber alle seien aufgefordert, zu überlegen, wie erneuerbare Energien gefördert und was für die Zukunft getan werden könne. Heinrich Karl Leßner (CDU), der Ackerflächen auf den Flächen am Lindenberg nutzt, beteiligte sich nicht an der Abstimmung. Er schätzt, dass etwa 18 Grundeigentümer zustimmen müssten, um das Vorhaben verwirklichen zu können.

Gebaut werden sollen Anlagen mit einer Nabenhöhe von 138 Metern und einer Nennleistung von 2,3 Megawatt. Zumindest die Rotoren in einem Kilometer Entfernung wären von Erbsen aus zu sehen und wohl auch zu hören, ebenso im nördlich gelegenen Nachbarort Asche. Nach sieben bis acht Jahren könnte die Gemeinde mit Gewerbesteuereinnahmen rechnen. Die Investoren versprechen darüber hinaus 4500 bis 5000 Euro je Anlage für Erbsen. Das wären rund 20 000 Euro jährlich, garantiert über 25 Jahre. Der Etat, über den der Ortsrat jährlich verfügt, beträgt nur 9900 Euro. Nicht Geld allein dürfe zählen, es gehe auch um Lebensqualität, merkte ein Ortsratsbesucher skeptisch an. Noch sei lange nichts entschieden, sagte Wolter. Es gehe erst um eine genaue Prüfung. Falls das Vorhaben verwirklicht werden sollte, sei eine erste Idee, das Geld über den Förderverein der Grundschule laufen zu lassen. So hätten alle in der Gemeinde etwas davon.

Alternative Energieanlagen sind sogenannte privilegierte Bauvorhaben. Voraussetzung ist aber ein passender Flächennutzungsplan. Bei Erbsen müssten Flächen außerdem aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen werden. Das liegt in der Hand des Kreistages.

Von Gerald Kräft

Kommentar von Gerald Kräft

Beim Bau neuer Windräder herrschte in den letzten drei Jahren Windstille im Landkreis. Bislang stehen 30 Anlagen mit 22 Megawatt Leistung im Kreis. Jetzt gibt es offenbar jede Menge begehrliche Blicke von Investoren auf jeden einigermaßen windträchtigen Standort. Kein Wunder. Noch ist die Erlaubnis zum Bau eines Windrades die Lizenz zum Gelddrucken. Die Strompreisvergütung ist über 20 Jahre garantiert. Die Geschäfte macht nicht jeder, jeder darf sie allerdings über den Strompreis bezahlen. Die Bürger und die kleinen Gemeinden im ländlichen Raum sollten das Geschäft also selbst machen, oder wenigstens aufpassen, dass sie ein Stück vom Kuchen abbekommen. Sie bekommen schließlich hohe Masten mit Rotoren in die Landschaft vor ihre Fenster gesetzt. Möglicherweise ist es das wert. Kein teures Öl mehr, keine Atomkraft, keine schmutzige Kohle. Die schöne erneuerbare Energiewelt ist aber noch nicht in Sicht. Mit schätzungsweise fünf Prozent Maisanbau auf den Äckern sind wir auch noch nicht überall von Maiskolben und Wildschweinen umzingelt. Die nötigen Stromleitungen von der Küste, die irgendwie auch keiner haben will, sind noch nicht gebaut. 2,8 Prozent Windstromanteil reichen noch nicht, um autark zu sein, wie es sich Stadt und Landkreis auf die Fahnen geschrieben haben. Man kann nicht alles haben, und schon gar nicht gleichzeitig. Man muss sich also entscheiden.

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