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Anleger sollen mit zwei Prozent abgespeist werden

Dubioses „Lehman“-Angebot Anleger sollen mit zwei Prozent abgespeist werden

Vielen durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers geschädigten Anlegern flattern derzeit Angebote für ihre zurzeit wertlosen Papiere ins Haus. Experten raten zur Vorsicht. 

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Opfer: Markus Seelig.

Quelle: Hinzmann

 Auch Markus Seelig, der bei der Citibank Göttingen 28000 Euro investiert hatte, bekam jetzt Post von seiner Bank. Zwei Prozent des Nennwertes, so das Angebot, wolle die „Andria Capital AG, Rödermark“ für sein für ein Lehman-„Bonus Express Defensiv Zertifikat II“ zahlen. Von seinen 28000 Euro blieben Seelig dann gerade einmal 560 Euro.

Diese „Verkaufs-Idiotie“ bringt den Therapeuten und Musiker in Rage. „Die Citibank“, sagt Seelig, „rechnet wohl mit der Dummheit mancher Leute und will die zu Recht befürchtete Klagewelle abwenden.“ Genau das befürchten Juristen: Wer das Kaufangebot annimmt, könnte das Recht auf Schadensersatz verwirken.

So rät beispielsweise die Sparkasse Hannover, die selbst derartige Briefe mit dem „Andria“-Kaufangebot verschickt hat, zur Vorsicht. Es handele sich dabei nicht um ein Angebot der Bank und könne derzeit auch nicht seriös bewertet werden. Die Sparkasse sei allerdings verpflichtet, die Offerte weiterzuleiten. 

Die Skepsis nährt sich auch daher, dass unklar ist, wer überhaupt hinter der „Andria Capital AG“ steckt. „Registrant“ der Internet-Seite „Andriacapital.com“ ist eine „Invistor Ltd.“ in der Beak Street in London. Der „Andria“-Internetauftritt enthält nur Telefon- und Faxnummer, zudem eine E-Mail-Adresse. Anrufe werden nicht beantwortet.

Briefkastenfirma

Während Lehman-Privatanleger derzeit leer ausgehen und klagen müssen, werden institutionelle Anleger besser gestellt. So wurde kürzlich bekannt, dass der angeschlagene Halbleiter-Konzern Infineon aus seiner 120 Millionen Euro schweren Lehman-Anlage 95 Millionen zurückerhält. Fließen werden die Millionen aus dem Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken, in dem die deutsche Lehman-Tochter Mitglied war. Die Tochter „Lehman Brothers Treasury“, die Anlagen für Privatanleger in den deutschen Markt drückte, sitzt hingegen in Amsterdam – und ist dem Sicherungsfonds nicht angeschlossen.

Journalisten des Fernsehmagazins „Frontal 21“ fanden zudem kürzlich heraus, dass unter der angegebenen Adresse der holländischen Lehman-Tochter nur ein Büroservice zu finden ist – eine Briefkastenfirma also. Das, so „Frontal 21“ habe auch der Insolvenzverwalter Rutger-Jan Schimmelpenninck bestätigt.

                                                                                                             Von Matthias Heinzel

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