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Anonymisierte Krankenscheine für Flüchtlinge

Modellversuch Anonymisierte Krankenscheine für Flüchtlinge

Seit einigen Jahren setzt sich die Medizinische Flüchtlingshilfe (MFH) Göttingen dafür ein, dass es anonymisierte Krankenscheine für Flüchtlinge ohne Aufenthaltsrecht gibt. Nun hatte die Gruppe Erfolg: In Göttingen und Hannover startet im Oktober ein Modellversuch.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. In den beiden Städten solle jeweils eine Anlauf- und Vergabestelle entstehen, teilt die MFH Göttingen mit. Aufgabe der Stelle werde es sein, eine angemessene Gesundheitsversorgung für Personen ohne legalen Aufenthaltsstatus zu organisieren. Diese Menschen hätten sonst keinen Zugang zum Gesundheitssystem, denn sie fürchteten, abgeschoben zu werden, wenn sie ihre Identität preisgeben.

Über die Vergabestelle sollen die Flüchtlinge an ärztliche Praxen und Krankenhäuser überwiesen werden. Die Abrechnung erfolge anschließend in anonymisierter Form durch den Krankenschein. Somit könnten Flüchtlinge medizinische Versorgung erhalten ohne ihre Identität preisgeben zu müssen. Auf diesem Weg solle das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit auch für diese Personengruppe gewährleistet werden. Außerdem könne eine Beratung in medizinischen Fragen – zum Beispiel zu Impfungen – sowie eine Weiterleitung zur Rechtsberatung erfolgen. Für die Umsetzung des Projekts wollen die MFH Göttingen und die Medizinische Flüchtlingsberatung Hannover einen gemeinsamen Trägerverein gründen.

Die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) unterstützt das Projekt: „Es ist Fakt, dass Menschen ohne Aufenthaltspapiere in Niedersachsen leben – und auch diese Menschen bedürfen bisweilen einer medizinischen Versorgung.“ Die Humanität gebiete, dass die Landesregierung zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren 1,5 Millionen Euro für dieses Modellprojekt zur Verfügung stelle. Damit werde Verantwortung für eine Gruppe von Menschen übernommen, die bislang ausschließlich anonym von ehrenamtlich Tätigen Hilfe und Behandlung erhalte: „Auch diese Helferinnen und Helfer haben Unterstützung und einen verlässlichen Rechtsrahmen verdient.“ Um das Projekt umsetzen zu können, sucht die MFH Göttingen ab Oktober neue Räume. Benötigt würden in der Innenstadt oder in der Nähe dazu mindestens zwei Zimmer und Toilette, möglichst mit Kochnische. Gesucht werden auch Sachspenden für die Einrichtung der neuen Räume.

Kontakt ist unter der E-Mail-Adresse mfh_goettingen@posteo.de möglich. Derzeit engagieren sich nach eigenen Angaben rund 20 Menschen in der MFH Göttingen.

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