Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
„Umgehung in Westerode war ein Fehler“

Hofreiter und Trittin im Tageblatt-Gespräch „Umgehung in Westerode war ein Fehler“

„Die Umgehungsstraße bei Duderstadt ist ein typisches Beispiel dafür, wie in Deutschland schlechte Verkehrspolitik gemacht wird“, hat Anton Hofreiter, Franktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, im Tageblatt-Gespräch kritisiert. Mit Jürgen Trittin hat er am Mittwoch Göttingen und das Eichsfeld bereist.

Voriger Artikel
Raserei auf Radwegen
Nächster Artikel
Kinder im Mittelpunkt

Anton Hofreiter

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. „Umgehungsprojekte leiden immer unter ähnlichen Problemen“, sagte Hofreiter. Dazu gehöre, dass die Entlastung überschätzt werde - ein erheblicher Teil der Menschen wolle doch in oder durch den Ort -, und die Belastung anderer Gruppen durch die Umgehung sowie die Baukosten unterschätzt werden. „Am Ende wird viel Geld ohne entsprechende Wirkung ausgegeben“, sagt der forsche Politiker mit den langen, blonden Haaren. Diese Probleme sieht er auch für die Umgehung bei Duderstadt.

Seine Vorschläge, das Geld sinnvoller einzusetzen: „für den Erhalt des Bestandsnetzes, den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und die Erschließung von Engpässen im Eisenbahnbereich“. Wenn es bereits durch eine Umgehung Betroffene gibt, rät Hofreiter zu lärmmindernden Straßenbelägen. Als weitere Maßnahme nennt er Tempobegrenzungen.

Einen Fehler seitens der Grünen gestand Trittin ein: Die bereits fertige Umgehungsstraße in Westerode zu unterstützen, sei falsch gewesen. „Die Umgehung hat nicht gebracht, was wir wollten“, so Trittin, „die Leute in Westerode beschweren sich, dass die Menschen nicht auf der Umgehung fahren“.

Die Grünen im Kreis Göttingen wollen sich nun für den Ausbau des ÖPNV einsetzen, so Trittin: „Wir wollen, dass man durch den Landkreis schnell, getaktet und für nicht mehr als fünf Euro fahren kann.“ Drei wichtige Kriterien für ein funktionierendes System sind nach Hofreiter „Takt, Knoten und Linie“. Damit meint er, dass die öffentlichen Verkehrsmittel regelmäßig und nicht kreuz- und quer durch alle Stadtteile fahren sollten. „Dann kann ÖVPN auch in ländlichen Regionen funktionieren“, sagt Hofreiter.

Um das zu erreichen, bringe es nichts, „an Details rumzuschrauben“, so der Politiker, es müsse ein professionelles Konzept über mindestens drei Jahre getestet werden. Denn: „Das Mobilitätsverhalten ist mit das Konservativste am menschlichen Verhalten“, so Hofreiter, das brauche Zeit für Veränderungen.

Zur Person

Anton Hofreiter (geboren 1970) hat in München Biologie studiert und dort auch promoviert. Neben seiner wissenschaftlichen Karriere war Hofreiter seit 1986 beim Bündnis 90/Die Grünen als Mitglied aktiv. Bei der Bundestagswahl 2005 gelangte er erstmals in den Bundestag, 2011 wurde er zum Vorsitzenden des Verkehrsausschusses gewählt. Seit 2013 ist Hofreiter Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Zu seinen Schwerpunktthemen gehören Landwirtschaft, Naturschutz sowie Verkehr. Hofreiter hat sich als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017 beworben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Anton Hofreiter im Tageblatt-Interview
Anton Hofreiter

Wie können Flüchtlinge integriert werden? Was steckt hinter dem neuen Zivilschutzkonzept? Und wie sollte man mit NPD, „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ und anderen rechten Gruppierungen umgehen? Im Tageblatt-Gespräch hat Anton Hofreiter, Grünen-Franktionsvorsitzender im Bundestag, Rede und Antwort gestanden.

mehr