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Anwohner der Göttinger Nikolaistraße klagen erneut über Lärm und Randale

Nach Ende des Alkoholverbots Anwohner der Göttinger Nikolaistraße klagen erneut über Lärm und Randale

Ende 2013 ist das Alkoholverbot in der Nikolaistraße vom Stadtrat gekippt worden – jetzt gibt es wieder Beschwerden von Anwohnern wegen lärmender und randalierender Partygänger. Auch der Vandalismus habe zugenommen, sagt ein Anlieger, der aus Angst seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er und andere Anwohner fordern daher, das Alkoholverbot in der Nikolaistraße wieder einzuführen.

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Sind derzeit am Göttinger Bauhof zwischengelagert: abmontierte Alkoholverbotsschilder aus der Nikolaistraße. Anwohner fordern sie zurück.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Erst in der Nacht zu Donnerstag seien wieder „Horden von Betrunkenen“ durch die Nikolaistraße gezogen, sagt eine Anwohnerin, die ebenfalls anonym bleiben will. Sie hätten laut gegrölt, Mülltonnen umgeworfen und gelbe Säcke aufgerissen. Von 1 bis 5 Uhr sei das so gegangen, sie habe kein Auge zugetan. „Eine Horrornacht.“

Betrunkene hätten vor einiger Zeit gegen ihre Haustür uriniert und eine Scheibe zertrümmert. Ihr Fazit: „Die Situation im Nikolaiviertel ist nach der Aufhebung des Alkohol-Verzehrverbotes wieder schlimmer geworden.“ Das hätten auch andere Anwohner ihr gegenüber bereits geäußert.

Andreas Hense wohnt in der Nikolaistraße gegenüber einer Bar. „Das fängt meist um 1 oder 2 Uhr an, dann stehen Gruppen von Betrunkenen auf der Straße und grölen rum“, erzählt der 43-Jährige. Er habe nichts gegen Partygänger, aber das gehe zu weit. „Ich kann nicht schlafen.“ Das tue ihm leid, sagt der Bar-Betreiber.

Anwohner sehen Alkohol als Ursache

Das Team weise die Gäste immer darauf hin, draußen nicht zu grölen. Das werde aber leider nicht immer eingehalten. Außerdem sei es auch so laut in der Straße.

Ursache für den Radau im Viertel ist für einige Anwohner vor allem der Alkohol, der in der Nikolaistraße an jeder Ecke zu bekommen sei. Der Besitzer eines Kiosks weist eine Verantwortung dafür allerdings von sich. „Es gibt keine Probleme.“ Ähnlich äußern sich die Betreiber der Imbisse in der Straße, die ebenfalls Alkohol verkaufen.

Nach Einschätzung der Polizei hat sich die Situation in der Nikolaistraße nicht verschlimmert. „In Bezug auf die im Rahmen der polizeilichen Streifentätigkeit getroffenen Feststellungen und die statistische Auswertung ist (...) kein negativer Entwicklungstrend feststellbar“, sagt Gerd Hujahn, Leiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Göttingen.

Antrag zur Situation

Im Jahr 2013 seien in den ersten drei Quartalen 38 Straftaten mit Bezug „Party-Meile“ erfasst worden. Für das Jahr 2014 seien es im gleichen Zeitraum 44 Straftaten. Dabei sei die Anzahl der Körperverletzungsdelikte mit jeweils zehn gleich geblieben. Lediglich bei den gefährlichen Körperverletzungen sei eine Steigerung von fünf auf acht im Jahr 2014 zu verzeichnen.

Die Stadt wollte sich zu der Thematik nicht äußern – aus Rücksicht auf die Ratsgruppe von CDU und FDP, wie Stadtsprecher Detlef Johannson mitteilt. Diese hat für den Ausschuss für allgemeine Angelegenheiten am nächsten Montag (16.30 Uhr im Neuen Rathaus) einen Antrag zur Situation in der Nikolaistraße gestellt.

Die Verwaltung wird darin gebeten, einen detaillierten Bericht vorzulegen. Mittlerweile seien „laut Anwohneraussagen wieder die vorherigen Missstände zu beklagen“.

Alkoholverbot
Trotz Verbesserungen ausgesetzt

Die Verordnung war von Mai 2012 bis zum Jahreswechsel 2013/2014 in Kraft: In dieser Zeit durfte an Wochenenden zwischen 0 und 8 Uhr in der Nikolaistraße im Freien kein Alkohol getrunken werden.

Weil sich die Situation dadurch nach Angaben vieler Beteiligter verbessert hatte, schlug die Verwaltung eine unbefristete Verlängerung vor. Dies fand am 13. Dezember 2013 im Rat aber keine Mehrheit. Die durch einen Änderungsantrag auf ein Jahr befristete Verlängerung wurde bei Stimmengleichheit (19:19) ebenfalls abgelehnt.

SPD, Linke und Piraten hatten sich zuvor gegen ein Alkoholverbot ausgesprochen, unter anderem weil es die Persönlichkeitsrechte einschränke. Die SPD-Ratsfraktion hatte stattdessen vorgeschlagen, die Verordnung aussetzen und nur zu reaktivieren, wenn es erneut Probleme mit betrunkenen Randalierern auf Göttingens Partymeile gebe.

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Schild in der Nikolaistraße

Ab 2. Januar kommenden Jahres darf in der Nikolaistraße wieder getrunken werden, was das Zeug hält. Trotz massiver Ängste von Bewohnern der früher von Randale geprägten Straße konnte sich der Stadtrat Freitagabend nicht zu einer Verlängerung des dort geltenden Alkoholverbots durchringen.

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