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Arbeit mit Flüchtlingskindern erfordert Zeugnis

„Regelung nicht aus der Luft gegriffen“ Arbeit mit Flüchtlingskindern erfordert Zeugnis

Ohne freiwillige Helfer wäre Göttingen beim Umgang mit Flüchtlingen überfordert. Trotzdem müssen einige Ehrenamtliche nun polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen. Aus guten Gründen.

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Nicht ohne Führungszeugnis: Ehrenamtliche Hilfe für die Flüchtlinge in der Unterkunft am Nonnenstieg.

Quelle: Hinzmann

Gabriele Schunke ist empört: „So werden Ehrenamtliche vor den Kopf gestoßen“, findet die 76-jährige Geschichtenerzählerin und Puppenspielerin. Sie wollte in der Flüchtlingsunterkunft am Nonnenstieg ein Puppentheater organisieren. Eine Mitarbeiterin habe sie aufgefordert, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen.

 
Die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnis ist Michael Bonder zufolge tatsächlich „zwingend“, wenn Ehrenamtliche mit minderjährigen Flüchtlingen arbeiten wollen. Bonder ist Geschäftsführer der Bonveno gGmbH, die die Unterkunft am Nonnenstieg und weitere Heime in Göttingen betreibt. „Diese Regelung ist nicht aus der Luft gegriffen“, betonte er, denn es gebe „Leute, die sich über das Ehrenamt in die Unterkünfte einschmuggeln“.

 
Bonder berichtete von einem Fall in Göttingen, in dem sich ein pädophiler Straftäter in der Arbeit mit Flüchtlingskindern engagiert habe. „Bis das Führungszeugnis vorlag“ haben Bonders Mitarbeiter davon nichts gewusst. Nun hätten sie entsprechende Konsequenzen gezogen.

 
Einer juristischen Einschätzung der Arbeitwohlfahrt (Awo) zufolge ist es von der „Art, Intensität und Dauer“ des Engagements mit minderjährigen Flüchtlingen abhängig, ob ein Führungszeugnis vorzulegen ist. Das sei eine rechtliche Grauzone, so Bonder. Er wolle aber nicht „permanent Ausnahmen zulassen“. Und weil Bonveno in der Haftung sei, habe er sich für eine strikte Regelung entschieden.

 
Damit will Bonder „niemanden vor den Kopf stoßen“. Gute Erfahrungen mit Ehrenamtlichen würden überwiegen. Für Ehrenamtliche, die mit minderjährigen Flüchtlingen arbeiten wollen, stelle Bonveno die entsprechenden Schreiben zur Beantragung des Führungszeugnisses aus und übernehme gegebenfalls die Kosten.

Von Christoph Höland

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