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Arbeitsgericht: Hoch spezialisierter Chirurg zu Recht von Aufgaben entbunden

Weiter Blinddarm-OP statt Leber-Transplantation Arbeitsgericht: Hoch spezialisierter Chirurg zu Recht von Aufgaben entbunden

Sein Mandant, sagt der Rechtsanwalt, sei doch nicht „von Harvard abgeworben worden, um hier Blinddärme zu operieren“. Der Arzt wird dennoch weiter in der Allgemeinchirurgie arbeiten und als Oberarzt Blinddärme herausnehmen.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Das Arbeitsgericht hat am Mittwoch die Klage des hoch spezialisierten Chirurgen, ehedem stellvertretender Leiter des Transplantationsprogramms, abgewiesen. Die Universitätsmedizin (UMG), so der Richterspruch, war berechtigt, den Mediziner von allen Transplantationen zu entbinden und nur als Allgemeinchirurg einzusetzen.

Der Arzt war im Juli 2012, wenige Tage nach Aufdeckung des Transplantations-Skandals, von seiner Aufgabe entbunden worden. Seitdem werde er „medizinisch unterwertig“, so die Klage, eingesetzt, hat keine Rufbereitschaften mehr und darf keine Vorlesungen mehr abhalten.

Geklagt hat er, weil er nach 17-jähriger Spezialisierung weiter Lebern transplantieren, seine Lehrtätigkeit fortsetzen und seinen Ruf wiederherstellen will. Zudem forderte er 138 600 Euro Schadensersatz, die ihm durch Wegfall der Rufbereitschaft bisher entgangen seien.

In einer Güteverhandlung war bereits ein Vergleich gefunden worden, den der Mediziner aber nicht akzeptierte. Er verlangte von der Uni eine Ehrenerklärung, dass er mit dem Skandal nichts zu tun habe. Die lehnte ab, weil den derzeit ruhenden strafrechtlichen Ermittlungen nicht vorgegriffen werden könne. Zudem sei es für die UMG „unwahrscheinlich, dass er das alles nicht gemerkt haben soll“. Gemeint sind die Manipulationen von Patientendaten, die zur Anklage wegen versuchten Totschlags gegen den Leiter des Leberprogramms geführt haben.

Dem hielt der Kläger entgegen, die Expertenuntersuchungen hätten keinerlei Verdacht gegen ihn persönlich erbracht. Dennoch sei sein Ruf weltweit geschädigt. Ohne Lehrveranstaltungen sei sein Fortkommen blockiert. Er werde „gequält“, sagte sein Anwalt, der sich das Wort „Mobbing“ somit verkniff.

Das Gericht erkenne die „erhebliche Belastung“ durch die Entscheidungen an, sagte der vorsitzende Richter Achim Schlesier, halte die Reaktion des UMG-Vorstands gleichwohl für angemessen. Dass alle, die im Zusammenhang mit der früheren Transplantationsmedizin in der Verantwortung standen, nach Entdeckung des Skandals entbunden wurden, sei vom Direktionsrecht gedeckt. Formal stehe im Arbeitsvertrag nur „Angestellter mit Oberarztvergütung“. Gerade im öffentlichen Dienst sei der Arbeitgeber in der Aufgabenzuweisung frei.

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