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Arrogantes Kippe-Schnippen rächt sich für Räuber

Aus dem Amtsgericht Arrogantes Kippe-Schnippen rächt sich für Räuber

Die Zigarettenkippe hat ihn verraten. Mit der Genauigkeit von eins zu 999 Milliarden ist der 23 Jahre alte Göttinger durch die Speichelspuren an seinem Glimmstengel und dank der DNA-Technik überführt worden.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Am Dienstag ist er wegen versuchter Körperverletzung, versuchten Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu 21 Monaten Freiheitsentzug verurteilt worden. Nur mit spürbarer Überwindung hat sich das Schöffengericht dazu durchringen können, die Strafe auf Bewährung auszusetzen.

Der Angeklagte ist Deutscher, stammt aus Serbien, hat keinen Schulabschluss, lebt von Eltern, Frau und zwei Kindern getrennt und war zur Tatzeit völlig auf der schiefen Bahn. Dauernd betrunken und in schlechter Gesellschaft, gibt er zu. An die Tat, so behauptet er, habe er kein Erinnerung. Er sei stets betrunken gewesen, habe auch gekifft. Er entschuldigt sich aber bei seinem Opfer.

Es war am Sonntagmorgen. Eine rechte Hetzjagd, die Richter Ehsan Kangarani später in der Urteilsbegründung mit menschenverachtenden Überfällen von Neonazis auf Afrikaner verglich. Opfer war hier aber ein 20 Jahre alter Student aus Hessen, der im Mai 2013 seinen großen Bruder, der damals ebenfalls in Göttingen studierte, besuchte.

Nach sehr langer Nacht war der 20-Jährige gegen 7.30 Uhr quer durch die Innenstadt von einer Party heimgekehrt zum Bruder. Am Kornmarkt hatte ihn der Angeklagte, der sich in Begleitung eines Unbekannten befand, angesprochen und gefragt, ob er „etwas zum Schnupfen“ – also Drogen – haben wolle. „Halt‘s Maul, lass mich in Ruhe“, hatte der 20-Jährige geantwortet. Darauf habe der Angeklagte zugeschlagen und ihn in den Bauch getreten, aber so, dass es nicht weh tat.

Immer wieder ins Gesicht

Erst als das Opfer später in der Groner Straße beim Bruder ankam, bemerkte er, dass ihn die beiden Täter folgten. Schnell zog er die Haustür zu und floh ins Treppenhaus, als die Verfolger die Tür aufbrachen. Bis ins Dachgeschoss flüchtete er sich, weil der Bruder nicht sofort aufmachte. Oben stießen die Angreifer ihn zu Boden, durchsuchten ihn und wollten ihm das Portmonee rauben.

Sie traten ihn immer wieder ins Gesicht, drückten sogar die Tür zur Dachgeschosswohnung ein. „Zieh ihn rein, dann geben wir‘s ihm richtig!“, waren die Worte, die der ältere Bruder als erstes hörte, ehe er die Fremden auf ihr Opfer eintreten sah. Erst als der große Bruder mit einer leeren Weinflasche nach den Räubern warf, hörten die auf und flüchteten. Im Weglaufen schnippte der 23-Jährige dem unvermittelten Zeugen noch arrogant eine brennende Zigarettenkippe ins Gesicht.

Zum Glück! Der Speichel überführte den Täter. Mit einem Jahr und neun Monaten ging das Gericht sogar über das Strafmaß hinaus, das der Staatsanwalt forderte. 100 Euro muss der Verurteilte sofort, weitere 1200 Euro Schmerzensgeld später zahlen, wenn er 150 Stunden als Bewährungsauflage gearbeitet hat. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

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