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Astronauten binden sich zum Schlafen fest

Bremen Astronauten binden sich zum Schlafen fest

Die Bremer sind stolz darauf, in der ältesten Stadtrepublik Europas zu leben. Doch die Zeit ist in der Hafenmetropole nicht stehen geblieben. Moderne Naturwissenschaften erklärt das Universum Bremen. Ein maßstabgetreues Modell der ISS-Raumstation gibt es beim Unternehmen Astrium zu sehen.

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Rathaus und Dom: Auf einer Weser-Düne errichtet.

Quelle: BTZ

Legt der Besucher seine Hände auf die Glaskugel, so schießen – harmlose – Blitze von der Plasmakugel im Zentrum zu den Handflächen und verzweigen sich auf ihnen. „Die dabei entstehenden Strukturen ähneln einem Flussnetz, aber auch dem Aufbau einer Koralle oder den Adern eines Blattes“, sagt der promovierte Geologe Tobias Wolff. Unter seiner Leitung entstand die Sonderausstellung  „Farben, Formen, Fantasien – Die Kreativität der Natur“ im Universum Bremen. 

Die verästelte Struktur schafft in der belebten Natur die kürzesten und schnellsten Verbindungen. Beim Flusssystem wählt das von der Schwerkraft bewegte Wasser den Weg des geringsten Widerstandes. Die Blitze suchen den optimalen Weg zwischen unterschiedlichen Energieniveaus. An mehr als 60 Experimentierstationen wie der Plasmakugel gehen Besucher dem Formen- und Farbenreichtum der Natur auf den Grund. 

Sie können Eisblumen wachsen lassen, erfahren, wie die changierenden Farben auf einer Seifenblase entstehen (Überlagerung von reflektiertem Licht) oder warum Wasser aber einer Tiefe von vier Metern blau erscheint (dann wird nur noch ein Teil des auftreffenden Lichts reflektiert, der andere Teil wird herausgefiltert). Untergebracht ist die Sonderausstellung in einem mehrstöckigen, rostigen Würfel, der Schaubox. 

Sofa simuliert Erdbeben

Sie ist über einen gläsernen Gang mit dem im Jahr 2000 eröffneten Science Center verbunden, einem walförmigen, mit Edelstahlplatten gedeckten Gebäude im Univiertel. Dort erfahren Besucher auf drei Expeditionen Interessantes über den Menschen, die Erde und den Kosmos. 250 Stationen sind auf mehreren Stockwerken verteilt. Da gibt es ein Sofa, das Erdbeben verschiedener Stärke simuliert, eine arktische Kältekammer und das Skelett Freddie, mit dem zusammen der Besucher rudern kann. Hinzu kommt ein 5000 Quadratmeter großer Entdeckerpark. Besonders die Kinder kommen hier voll auf ihre Kosten. 

20 Autominuten vom Wissenschaftszentrum entfernt neben dem Flughafen hat die Raumfahrtfirma Astrium ihren Sitz. Sie teilt sich das Gelände mit dem Flugzeughersteller Airbus. Am Standort befassen sich Ingenieure seit den 1920er-Jahren mit Luftfahrt. 1961 kam die Raumfahrt dazu. Astrium beschäftigt heute 1000 Mitarbeiter, Airbus weitere 3500 Menschen. Die Bremer Astrium-Mannschaft stellt unter anderem Teile der Ariane-Trägerrakete her. 

Auch das 880 Millionen Euro teure Columbus-Labor der Europäischen Raumstation wurde in Bremen gebaut. Um dem Steuerzahler zu zeigen, was mit seinem Geld geschieht, präsentiert das Unternehmen ein Modell der Raumstation. Sie fliegt in 400 Kilometer Höhe mit 28000 Kilometern pro Stunde durch die Luft. Fenster gibt es kaum. „Die Dichtungen sind besonders anfällig“, erläutert Astrium-Pressesprecherin Kirsten Leung. 

Überall in der Raumstation befinden sich Haltegriffe und Leisten zum Einhaken. In der Schwerelosigkeit schwebt die Besatzung. Bereits das Ausatmen lässt den Raumfahrer davonfliegen. Zum Schlafen kriechen die Astronauten in Säcke, die an der Wand festgebunden sind. Das Essen kommt in Tüten und Flaschen auf den Tisch, damit es sich nicht selbstständig macht. In der Toilette werden Ausscheidungen abgesaugt. Zum Waschen gibt es kein fließendes Wasser, sondern feuchte Tücher.  

Musical Marie Antoinette

Abends gibt es in Bremen eine breite Auswahl an Kulturangeboten. Im Musical Theater am Richtweg läuft derzeit Marie Antoinette von  Autor Michael Kunze und Komponist Sylvester Levay. Eingängige Lieder, schöne Kostüme und ein aufwändiges Bühnenbild machen das Musical zu einem Publikumserfolg. Bettlermädchen Margrid Arnaud begehrt dort gegen Frankreichs herzlose Königin Marie Antoinette auf. Dann verkehrt die Revolution die Machtverhältnisse. Die Unterdrückten wandeln sich zu herzlosen Herrschern und die stolze Königin, die unterm Fallbeil endet, wird angesichts ihres tragischen Schicksals sympathisch. Am Ende gibt es minutenlang stehenden Applaus für die Schauspieler. 

Über die Geschichte der Hafenmetropole infomieren 70 Stadtführer der Bremer Touristikzentrale in 14 verschiedenen Sprachen. Die Gebäude der Altstadt drängen sich auf einer hochwassergeschützen Düne am Fluss. Karl der Große erhob die Stadt 787 zum Bischofssitz. Von Bremen aus wurde Skandinavien missioniert. Bis zur Reformation ab 1522 war der Bremer Erzbischof für diese Region zuständig. Seine Macht spiegelt sich im Dom St. Petri, der aus dem Jahr 1041 stammt. Stadtführer Jürgen Hoppe zeigt einen Rundgang in schwindelerregender Höhe, den einst der Glöckner von St. Petri lief.

Mumien im Dom

In einer Kellergruft neben der Kirche gibt es eine größere Anzahl schwarzer, mumifizierter Leichen zu sehen. Die Toten waren ursprünglich im Dom beigesetzt worden und im Luftzug ausgetrocknet, bevor sie verwesen konnten. Auf der anderen Seite des Doms befand sich einst der Richtplatz. Zuletzt erlitt dort 1831 Gesche Gottfried die Todesstrafe. Die Serienmörderin hatte zwischen 1813 und 1827 insgesamt 15 Menschen, darunter ihre Eltern, zwei Töchter, zwei Ehemänner, aber auch Vermieter und Gläubiger mit Arsen vergiftet. Einige Schritte weiter befindet sich das Landgericht. Im Hinterhof ist das Gefängnis zu sehen, das über Seufzerbrücken mit dem Gerichtsgebäude verbunden ist. 

Zu den Touristenmagneten zählt das Schnorrviertel, das 1402 erstmals erwähnt wurde. In winzigen Gassen mit kleinen Häusern lebten einst Handwerker und Fischer. Nach dem Krieg sollten die Häuser Wohnblocks weichen. Die Bremer verhinderten dies. Heute gibt es dort zahlreiche Geschäfte, Gaststätten und Kneipen. 

Viele Biergärten säumen seit Ende der 90er-Jahre die Weserpromenade Schlachte. Die alten Lagerhäuser des Hafens wurden damals umgenutzt. An Sommerabenden strömen hier Touristen und Bremer zusammen. 

Von Michael Caspar

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