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Attacke während der Humboldtallee-Proteste in Göttingen – oder nicht?

Streit um Studentenwohnheim Humboldtallee Attacke während der Humboldtallee-Proteste in Göttingen – oder nicht?

Im Streit um das Studentenwohnheim Humboldtallee 9 im Oktober 2014 soll ein Demonstrant eine Mitarbeiterin des Studentenwerks beim Versuch verletzt haben, sie am Fotografieren zu hindern. Ob das zutrifft, wird derzeit vor dem Amtsgericht verhandelt.

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Die Szenerie im Oktober 2014: Bei Protesten im Foyer der Zentralmensa wurde eine Mitarbeiterin des Studentenwerks 2014 verletzt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 26-Jährigen Körperverletzung und versuchte Sachbeschädigung vor. Vorangegangen war einer Protestaktion im Foyer der Zentralmensa die Besichtigung des teils besetzten Wohnheims durch den Geschäftsführer des Studentenwerks. Der sah sich von Aktivisten bedrängt, bedroht und angerempelt, ließ die Polizei hinzurufen und bat eine Mitarbeiterin, die Szenerie zu fotografieren.

Der Angeklagte sei auf sie zugekommen, während sie auf das Kameradisplay schaute, berichtete die als Nebenklägerin auftretende Geschädigte. Als sie an der Kamera vorbei sah, habe sie einen schmerzhaften Schlag an der Schulter verspürt und gemerkt, wie sich ihr Arm verdrehte. Wenig später sei er vollkommen unbeweglich gewesen. Die 44-Jährige begab sich in ärztliche Behandlung – und leide noch heute unter den Folgen, erklärte sie im Gerichtssaal.

Der Angeklagte bestritt, die Nebenklägerin körperlich attackiert zu haben. Er habe der Frau mehrfach erklärt, er wolle nicht abgelichtet werden. Als sie dennoch in seine Richtung fotografierte, habe er nach der Kamera gegriffen, die allerdings durch eine Schlaufe mit ihrer Hand verbunden gewesen sei. Der Fotoapparat sei ihm wieder entrissen worden. Sie habe aufgeschrien, und er habe sich entfernt. Warum er nicht geblieben sei und mit der Polizei geredet habe, die ihn nach dem Vorfall angesprochen habe, wollte der Strafrichter wissen. „Weil ich generell nicht mit der Polizei sprechen möchte“, lautete die Antwort.

Derzeit steht Aussage gegen Aussage. Der als Zeuge vorgeladene Geschäftsführer des Studentenwerks bestätigte zwar, eine Attacke auf seine Mitarbeiterin wahrgenommen und ihren Schmerzensschrei gehört zu haben. Den Angreifer aber habe er nicht erkannt, nur wahrgenommen, dass es „ein schlaksiger Mann“ war.

Was bei den zahlreich erschienenen Freunden des Angeklagten und Mitgliedern der Wohnrauminitiative Göttingen, die während der Auseinandersetzung um das Wohnheim Humboldtallee die „prekarisierende Wohnungspolitik“ des Studentenwerks kritisiert hatte, Heiterkeit auslöste. Dies überging der Richter, nicht aber das Enthüllen eines Bettlakens mit der Aufschrift „No camera – no problem! Stop the trial against our friend“ im Publikum.

Die beiden Urheber der Solidaritätsadresse wurden zum Richtertisch zitiert und zu einem Ordnungsgeld oder ersatzweise Ordnungshaft verdonnert – zur Empörung der Wohnrauminitiative. Die kritisierte die richterliche Strenge nach der Verhandlung als „völlig überzogen“. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

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