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Auch Gleichen protestiert gegen neue Raumordnung

„Das ist ein Stück weit Entmündigung“ Auch Gleichen protestiert gegen neue Raumordnung

Von Entmündigung ist die Rede, von einer Blockade kommunaler Selbstverwaltung und vom Zwang zum Stillstand ohne Entwicklungsperspektive: Nach vielen anderen Kommunen im Kreis protestiert auch die Gemeinde Gleichen gegen das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) für den Landkreis Göttingen.

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Sitz des Rathauses, aber keine Schule mehr: Reinhausen soll alleine das Grundzentrum für Gleichen sein – zu Lasten anderer Dörfer.

Quelle: Theodoro da Silva

Gleichen. Ihr besonderes Problem: die alleinige Einstufung Reinhausens als Grundzentrum zu Lasten anderer Dörfer. Im Ratsausschuss für Planung, Umwelt, Natur- und Klimaschutz gab es am Mittwochabend aber auch Verfechter einer (über)geordneten Planung.

Der Landkreis stellt zurzeit ein neues RROP auf. Es enthält detaillierte Vorgaben für die Entwicklung der Gemeinden, wenn sie zum Beispiel neue Wohngebiete und Windradflächen ausweisen oder Naherholungseinrichtungen fördern wollen. Bis Mitte Dezember können sie ihre Meinung  zum RROP äußern – und auch die Gleichener Ratspolitiker sind nicht begeistert. „Das ist ein Stück weit eine Entmündigung“, protestierte im Ausschuss Jörg-Dietrich Munzel (SPD).

Mit so vielen Einschränkungen für die Entwicklung der Dörfer „wird unsere Freiheit beschnitten“, meinte auch Werner Wille (CDU). Das größte Ärgernis der Gleichener: Als Flächengemeinde haben sie bisher alle 16 Dörfer gestärkt und in mehreren Ortschaften Schulen oder Geschäfte zur Grundversorgung ermöglicht. Jetzt soll alleine Reinhausen als Grundzentrum klassifiziert werden – obwohl es viele der Kriterien wie eine Schule oder erforderliche Einwohnerzahl nicht erfüllt.

„Da steht doch nur drin, was wir alle auch wollen“

Zugleich darf Gleichen laut RROP künftig andere große Dörfer wie Diemarden, Klein Lengden  oder Rittmarshausen nicht weiter als zentrale Nebenorte aufwerten und zum Beispiel einen größeren Markt erlauben, obwohl sie schon jetzt  „Teilfunktionen eines Grundzentrums haben“, klagen die Politiker in ihrer Stellungnahme. Auch Einschränkungen für später geplante Wohnbebauung wollen sie nicht hinnehmen. Und sie fordern, dass viele „Ist“-Vorschriften im RROP in „Soll“-Vorschrifte geändert werden.

Als beratendes Mitglied des Gremiums warb der Architekt und aktive Grüne, Ingo Voges, vergeblich für das RROP. „Da steht doch nur drin, was wir alle auch wollen“: Keine unnütze Flächenzerstörung durch immer neue Baugebiete, ein schonender Umgang mit Natur und Landschaft.

Das RROP blockiere die Entwicklung der Gemeinde nicht, so Voges, „alles ist weiterhin möglich“. Es zwinge die Akteure nur, ihre Entscheidungen künftig genau zu prüfen und gut zu begründen. Am Schluss stimmten fast alle Ausschussmitglieder für die Stellungnahme, Matthias Grün (Grüne) enthielt sich.

Am Freitag treffen sich Vertreter der meisten Kreisgemeinden um 15.30 Uhr zu einer RROP-Forum in der Jühnder Spielmannhalle, Galgenkampstraße.  
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