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Aufgewachsen im Krieg

Flüchtlinge im Porträt Aufgewachsen im Krieg

Jeden Tag kommen Menschen nach Deutschland, in überfüllten Zügen, maroden Kähnen - und erreichen auch die Region. Hier warten die Migranten auf das Ende ihres Asylverfahrens - und auf ein besseres Leben. Einige stellen wir in loser Reihenfolge vor. Heute: Abdullah Said aus Afghanistan.

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Abdullah Said ist mit 16 Jahren vor den Taliban aus Afghanistan geflohen.

Quelle: hal

Göttingen. Seit Abdullah Said denken kann, herrscht Krieg in seiner afghanischen Heimat. Die Terrormiliz Taliban riss die Familie des 19-Jährigen auseinander und zwang ihn zur Flucht. „Frieden habe ich das erste Mal erlebt, als ich nach Deutschland kam. Vorher war immer nur Krieg.“ In seinem Heimatdorf im Nordosten Afghanistans lebte Said mit seinen Eltern und seinen Brüdern. Er besuchtet die Dorfschule, später die weiterführende Schule in der Stadt. Seine Leidenschaft war Sport. „Ich habe Cricket gespielt und auch Volleyball“, erzählt Said. „Jeden Freitag gab es Turniere gegen andere Mannschaften.“ Da er gut Englisch sprach, half er den Sicherheitstruppen der NATO-geführten ISAF als Übersetzer aus.

An einem Donnerstag im Frühjahr 2013 machte sich Said mit seinem Vater und einem seiner Brüder auf den Weg in die Stadt, wo die Hochzeit eines Verwandten gefeiert werden sollte. Plötzlich rannten vermummte Männer auf die Straße, feuerten mit Gewehren auf das Auto und verschleppten Saids Vater. „Das Auto war komplett zerstört“, sagt Said. Sein Bruder lag schwer verletzt auf dem Rücksitz, eine Kugel hatte seinen Oberschenkel getroffen. Irgendwann kam ein Auto. Said hielt den Fahrer an, der die beiden Brüder in ein Krankenhaus brachte. Von seinem Vater hörte Said nichts mehr.

Nur fünf Monate später klopften mitten in der Nacht einige Männer an Saids Tür. „Sie haben mich in ein Auto gezerrt und mitgenommen“, erzählt der 19-Jährige. Said wurde verhört, sollte Auskunft geben über die wenigen Male, an denen er der Regierung als Übersetzer geholfen hat. „Nach ein paar Tagen konnte ich mit einem anderen Jungen durch ein Fenster klettern und fliehen.“ Sein Onkel und seine Mutter meinten, es sei zu gefährlich für ihn, in Afghanistan zu bleiben. Also verließ Said mit 16 Jahren seine Heimat.

Er gelangte auf Umwegen nach Deutschland und lebt nun in einer Einrichtung der Jugendhilfe in Göttingen. „Hier ist alles gut“, findet Said. Er besucht die 10. Klasse eines Göttinger Gymnasiums, lernt Deutsch und hofft, irgendwann Arzt werden zu können. „Ich habe auch ein Cricketteam gefunden“, erzählt er.

Seine Familie vermisst Said sehr. „Warum können wir in Afghanistan keinen Frieden haben?“, fragt er. „Ich habe dort nur Krieg gesehen.“ hal

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