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Aus Göttingen an die Uni in Hongkong

„Internationalen Schule“ Aus Göttingen an die Uni in Hongkong

In Göttingen haben am Freitag die ersten Absolventen der „Internationalen Schule“ am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) ihr Baccalaureate-Diplom erhalten. Der international anerkannte IB-Abschluss bietet ihnen die Chance, weltweit an renommierten Universitäten studieren zu können.

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Warten auf ihr Diplom: Die ersten Absolventen des Internationalen Baccalaureates am FKG.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Das FKG sei die einzige staatliche und damit öffentliche Schule in Niedersachsen, an der ein Baccalaureate-Abschluss angeboten wird. Dafür hatten sich vor einigen Jahren vor allem große Firmen und die Wissenschaftseinrichtungen in Göttingen eingesetzt, um hochqualifizierte Wissenschaftler und Fachkräfte mit schulpflichtigen Kindern nach Göttingen zu locken. Zwei Jahre lang haben sich die Absolventen auf diesen Abschluss vorbereitet, während ihre Mitschüler fürs Abitur paukten.

„Ja, das war schon sehr anstrengend“, beschreibt Viola Wiegand aus Dramfeld die zurückliegenden zwei Schuljahre. Besonders schwer sei es gewesen, durchzuhalten und strukturiert bis zum Ende zu lernen. Denn anders als im Vorfeld des Abiturs spiele die Abschlussprüfung eine weit größere Rolle. Es gebe keine Zwischennoten, die am Ende anerkannt würden. „Man muss vor allem alles alleine erarbeiten, viel selbstständiger“, ergänzt Roman Shcherbatyy.

Wiegand hatte diesen Weg vor zwei Jahren gezielt gewählt – als Alternative zum Abitur. „Diese Chance musste ich einfach nutzen, um beruflich mehr Möglichkeiten zu haben“, sagt sie. Und die hat sie: Mit einem Stipendium geht die 19-Jährige nach Hongkong, wird dort Englisch und ein zweites Fach studieren. Auch Shcherbatyy hat schon einen Studienplatz an einer Uni in Holland – Ökonomie. Der gebürtige Ukrainer gehört zur ersten Zielgruppe der „Internationalen Schule“ in Göttingen. Seine Familie hat in den USA gelebt, bevor seine Eltern vor zwei Jahren als Mediziner einen Ruf an ein Göttinger Max-Planck-Institut bekamen. Am FKG konnte er seine eingeschlagene Schullaufbahn Richting IB fortsetzen, obwohl er anfangs kein Wort Deutsch sprach.

Das ist für die Internationale Schule allerdings auch weitgehend unwichtig: Es wird fast ausschließlich in Englisch unterrichtet und geprüft. Einzige Ausnahme: Literaturwissenschaften in der eigenen Muttersprache. Das stellte Hauptorganisator und FKG-Lehrer Dietmar Freimann vor die größten Probleme: „Es ist nicht einfach, einen koreanisch oder spanisch sprechenden Literatur-Lehrer zu bekommen“. Leicht sei es hingegen, immer wieder Kollegen dazu zu begeistern, ihr Fach in der IB-Gruppe in Englisch zu lehren. Noch etwas unterscheidet das IB vom Abitur: Die Schüler müssen in Sozialprojekten Arbeiten. „Das war anfangs komisch, aber stärkt die Persönlichkeit sehr“, räumt Shcherbatyy ein.

Zwölf Schüler waren vor zwei Jahren am Start, neun haben es geschafft. Mit Notendurchschnitten knapp über dem IB-Weltdurchschnitt, sagte gestern FKG-Schulleiter Klaus Juraschek. Außer die Prüfungsgebühr und Lehrer für besonderen Sprachkurse müssen die Eltern nichts zahlen. Auch das sei für ihn ein wichtiger Grund gewesen, diese Schule zu unterstützen, so Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Ausstattung, Lehrerstunden, Fortbildungkosten und Grundgebühren mit jährlich mehreren tausend Euro an die IB-Organisation in Genf tragen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen. Land und die Stadt hatten einen Startzuschuss gegeben.

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