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Aus Versehen entlassen

Gunst der Stunde Aus Versehen entlassen

In Handschellen dem Gericht vorgeführt, in Handschellen zurück ins Gefängnis. So hätte es gestern für einen 22 Jahre alten Strafgefangenen laufen sollen. Es kam anders: Nur für Minuten tat sich eine Lücke zwischen zwei Haftbefehlen auf – und der junge Mann war weg. Jetzt sucht ihn bundesweit die Polizei.

Es ging um Taten aus der Jugendzeit. 2005 hatte sich der in Göttingen geborene serbisch-montenegrinische Staatsbürger verschiedene Eigentumsdelikte und Computerbetrug zuschulden kommen lassen. Das Sammelsurium an Anklagen vor dem Jugendrichter reichte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Weil der Angeklagte glaubhaft machte, dass er nunmehr bei seiner Mutter in Göttingen leben und – wie schon in denvergangenen Jahren – künftig straffrei durchs Leben gehen wolle, gewährte ihm das Gericht Bewährungszeit gegen Auflagen.

Wie in solchen Fällen üblich, wurde der Untersuchungshaftbefehl aufgehoben, denn der Angeklagte war aus der U-Haft in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf vorgeführt worden. Üblicherweise läuft das so: Die Wachmänner der JVA bringen den Gefangenen und übergeben ihm den Wachtmeistern des Gerichts. Nach der Verhandlung nehmen sie ihn auf dem gleichen Wege wieder in Empfang.

Gestern aber gab es eine Bewährungsstrafe. Dass gegen den 22-Jährigen nicht nur der Untersuchungshaftbefehl vorlag, sondern außerdem noch ein Abschiebehaftbefehl des Amtsgerichtes Köln in der Akte lag, war nicht Gegenstand der Verhandlung geworden. So ließen ihn die Wachtmeister laufen. Er verabschiedete sich noch mit dem Hinweis, jetzt bei seiner Mutter neue Kleidung holen zu wollen – und ward nicht mehr gesehen.

Wenig später erschien das JVA-Personal und wollte den Serben abholen, um ihn der geplanten Abschiebung zuzuführen. Die fällt vorerst aus. Auch die sofort informierte Polizei konnte den nunmehr Flüchtigen bei seiner hiesigen Verwandtschaft nicht finden. Ob er sich überhaupt der Tatsache bewusst ist, dass er nach der glücklichen Freilassung schon wieder gesucht wird, ist fraglich.

„Solche Fehler können passieren“, räumt Amtsgerichtssprecher Stefan Scherrer ein und betont: Es handele sich nicht um einen Gewalttäter. Es sei von ihm nichts zu befürchten. Außerdem ist klar: Falls er untertaucht und sich nicht freiwillig regelmäßig meldet, verliert er die Bewährung und muss die 21 Monate noch absitzen, ehe er abgeschoben wird.

ck

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