Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Aus für das Exil in der Prinzenstraße

Betreiber suchen neue Räumlichkeiten Aus für das Exil in der Prinzenstraße

Das Exil in der Prinzenstraße ist ab September Geschichte. Der Live-Club verlässt nach 13 Jahren den Standort in der Göttinger Innenstadt.

Voriger Artikel
Geld für Feuerwehren und Spielplätze
Nächster Artikel
Bundesbankfiliale Göttingen: Falschgeld seit 2013 mehr als verdoppelt
Quelle: ch

Göttingen. "Im September 2016 endet unser Mietvertrag mit der Quadra Holding, an einer Verlängerung des Vertrages sind beide Seiten nicht interessiert", sagte Exil-Sprecherin Bea Roth. Der Mietvertrag sei auf zehn Jahre befristet gewesen. Roth nennt unter anderem "hohe Mietkosten" und einen "Vermieter, der nicht unkooperativer hätte sein können" als Gründe für die Nichtverlängerung des Mietvertrages.  Die Geschäftsführer der Göttinger Quadra Holding GmbH, Torsten Jünemann und Jochen A. Müller, waren für eine Stellungnahme am Dienstag nicht zu erreichen.

Die Quadra Holding hatte das Gebäude Prinzenstraße 13, neben einigen anderen in dem Innenstadtareal zwischen Weender und Prinzenstraße, zwischen Mühlenstraße und Stumpfebiel, von der Allianz gekauft. Schon 2003 öffnete dort in den Räumen des ehemaligen Kairos das Exil, das zuvor als große Konzerthalle Outpost in der Königsallee zuhause war.

Momentan, so Roth, seien sie "ratlos", wie es nach dem Ende des Mietverhältnisses in der Prinzenstraße mit den Exil weitergehen könnte. Derzeit suchten sie geeignete Räumen. Möglichst innenstadtnah sollten sie sein und rund 200 Gästen Platz bieten können, beschreibt Roth.

Auf die Frage, warum die Exil-Betreiber trotz widriger Umstände - Gema, steigende Kosten, sinkende Besucherzahlen - weitermachen, antwortet Roth: "Was uns antreibt, ist die Leidenschaft, eine Bereicherung für all die Menschen in unserer schönen Stadt zu sein, die sich ein kulturell wie subkulturell vielfältiges Göttingen wünschen und die uns in den vergangenen 13 Jahren in ihrem Rahmen unterstützt haben, so gut es ihnen möglich war."

Eine mögliche Übernahme des ehemaligen Blue Notes am Wilhelmsplatz sei vor einiger Zeit gescheitert, sagt Roth. Die nötigen Umbauten zu einem Live-Club hätte den finanziellen Rahmen gesprengt.

Sascha Pelzel und Michael Schluff vom Göttinger Rockbüro sorgen sich, dass mit dem Wegfall des Exils "ein wesentliches Loch in die Göttinger Musikclub-Szene gerissen" werde. "Es ist davon auszugehen, dass dann dieser Club unwiederbringlich nicht mehr als Auftrittsort für lokale und überregionale Bands zur Verfügung steht und schützenswerter Kulturraum vernichtet wird", sagen sie.  Das Rockbüro stellt dem Exil für sein Kulturprogramm in 2015 7500 Euro in Form einer Ausfallbürgschaft zur Verfügung. Diese Förderung wird auch für die Folgejahre - bei gleichbleibendem Städtischen Zuschuss an das Rockbüro - zur Verfügung gestellt werden können", erklären Pelzel und Schluff.

Welche Erinnerungen haben Sie an das Exil in der Prinzenstraße? Welches waren die besten Konzerten? Schicken Sie uns ihre Anekdoten und Fotos an die E-Mail-Adresse online@goettinger-tageblatt.de.

Der Sargnagel liegt bereit

"Hey hey, my my Rock'n'Roll can never die." Seit Montag bin ich mir nicht mehr so sicher, ob Neil Youngs Weisheit zur Unsterblichkeit des Rock'n'Roll Bestand haben wird.

Mit Lemmy von Motörhead hat der Musikzirkus einen der letzten verbliebenen unkaputtbaren Helden verloren. Mit der Ankündigung des Exils, nach 13 Jahren das Domizil in der Prinzenstraße zu verlassen, liegt nach dem jüngsten Ende der Blooming Bar oder des Blue Notes der nächste Sargnagel für die Göttinger Live-Musik-Szene bereit.

Sicher, das Team um Karl Schrader und Bea Roth kündigt tapfer und voller Idealismus an, weitermachen zu wollen. Aber wo? Wie? Und zu welchen Bedingungen? Geeignete Räume sind rar gesät. Eine passable Größe müssen sie haben. Lärmempfindliche Nachbarn würden nur stören.  Innenstadtnah sollten die Räume aber schon sein. Und irgendwie erschwinglich. Ein schwieriges Unterfangen.

Und auch die Rahmenbedingungen für kleine Liveclubs sprechen Bände. In dem Resümee einer im Dezember vom Verband der Musikspielstätten vorgelegten Analyse heißt es, dass "annähernd alle" befragten Musikclubs mit einer Größe von bis zu 1000 Quadratmetern ohne Subventionen nicht überlebensfähig seien. Sie agierten in ihrer Kosten- und Erlösstruktur im Grenzkostenbereich, der Kostendeckungsgrad liege bei 106 Prozent. "Jede zusätzliche Kostensteigerung führt die Betriebe unmittelbar in die Verlustzone." Dies könne in der Regel nur durch weitere Lohnkürzungen und Selbstausbeutung kompensiert werden. "Ein Blick auf den bereits jetzt unterproportionalen Anteil der Personalkosten im Verhältnis zum Gesamtumsatz sowie den hohen Anteil ehrenamtlicher Arbeit verdeutlicht dieses Dilemma."

57 Live-Veranstaltungen gab es in diesem Jahr im Exil. Tendenz steigend. Das Ende des Exils würde eine weitere empfindliche Lücke in das ohnehin schon grobmaschige Netz Göttinger Auftrittsmöglichkeiten für Bands reißen. Bislang deckte das Exil mit bis zu 200 Gästen die Konzerte ab, die für den Nörgelbuff zu groß und für die Musa zu klein waren, ideal aber für lokale Bands, die auf dem Sprung in die weite Welt sind, wie zuletzt Flooot. 

Noch ist das Exil aber nicht tot. Hoffentlich bleibt das auch nach dem September 2016 so. "My my, hey hey Rock'n'Roll is here to stay."

von Michael Brakemeier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016