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Ausbildungsstau bei den Feuerwehren

Wo die Probleme liegen Ausbildungsstau bei den Feuerwehren

Wartezeiten, Ausbildungsstau, kaum noch Fortbildungen: An der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Celle und Loy werden nicht mehr genügend Ausbildungsplätze für Feuerwehrleute angeboten. Das bekommen auch die Feuerwehren im Landkreis Göttingen zu spüren. Vertreter der Kreisfeuerwehr, der Berufsfeuerwehr und die Gemeindebrandmeister berichten, wo es Probleme gibt.

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Ausbildung: Feuerwehr Benniehausen trainiert für den Einsatz.

Quelle: Heller
  • Heinrich Marx, Kreisfeuerwehr, Abschnittsleiter Ost: Das Problem kennen wir. Das diskutieren wir häufiger. Feuerwehrleute im Kreis bekommen zu selten einen Ausbildungsplatz an der niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Celle.  Dabei gibt es eine ganze Reihe von Lehrgängen: von der Truppmannausbildung über den Gruppen- und Zugführer 1/2, den Führer von Verbänden, Atemschutzgeräteträger bis hin zu Maschinisten. Und die müssen immer häufiger absolviert werden. Denn die Amtszeit von Führungskräften in der Feuerwehr werde immer kürzer. In der heutigen Zeit zieht ein Ortsbrandmeister nicht mehr viele Amtsperioden durch. Das liegt an der zunehmenden Bürokratie und immer weniger Feuerwehrleute wollen Verantwortung übernehmen. Eine Amtsperiode, dann war es das.  Es muss immer häufiger Ersatz gefunden werden – und der muss ausgebildet werden. Aber  die Ausbildungsplätze fehlten. Wenn die Ausbildung fehlt, besteht die Gefahr, andere in gefährliche Situationen zu bringen. Wir Führungskräfte fordern daher, den Ausbildungsstand in Celle aufzustocken. Das muss besser laufen. Es muss mehr Geld bereitgestellt werden, um die Ausbilder vernünftig zu bezahlen – sonst wandern alle Ausbilder zu den Berufsfeuerwehren ab.
  • Thomas Wille, Gemeindebrandmeister Adelebsen: Das ist ja nichts neues, dass wir auf Lehrgänge warten.  Aktuell haben wir ja die Zusagen für die Ausbildungsplätze für das erste Halbjahr bekommen – beantragen mussten wir das bereits im Mai 2014. Ich habe für 2015 bereits  neun von 17 Lehrgängen in Celle erhalten. Also schon jetzt mehr als die Hälfte der beantragten. Wenn ich im zweiten Halbjahr noch einmal welche bekomme, dann liegt der Flecken Adelebsen wohl weit über Durchschnitt, falls nicht, dann in der Mitte. Nur leider weiß ich das derzeit nicht und hänge daher etwas in der Luft. Es dauert ja recht lange, bis ein Feuerwehrmann alle Ausbildungsstationen durchlaufen hat.  Ich würde mir wünschen, dass es mehr Ausbildungsplätze gibt.
  • Markus Füllgrabe, Gemeindebrandmeister Bovenden: Bei uns ist die Lehrgangssituation noch ganz ok. Das liegt unter anderem daran, dass wir in den vergangenen Jahren nicht nur streng nach Bedarf, sondern schon im Vorfeld ausgebildet haben. Dadurch haben wir, wenn eine Aufgabe neu besetzt werden muss, einige gut ausgebildete Kameraden dafür. Bei den Sonderlehrgängen, beispielsweise für Zugführer oder Jugendfeuerwehr-Führungskräfte müssen wir allerdings etwas Geduld haben und mit Wartezeiten rechnen. Was gut klappt, ist auch der Austausch der Landkreis-Feuerwehren untereinander. Wenn einmal jemand, der an der Akademie angemeldet ist, ausfällt, tauschen wir schon einmal untereinander die Kurse.
  • Heiko Böhlken, Gemeindebrandmeister in Gleichen, äußert sich ähnlich: Bei uns gibt es noch keine akuten Probleme, weil bei uns in den Vorjahren noch genügend Feuerwehrleute Lehrgänge absolviert haben. Dennoch merken wir die Wartezeiten. Wir müssen die Führungskräfte ja ausbilden und hängen dann häufig in der Warteschleife der Akademie. Ja, es gibt einen gewissen Aussbildungsstau.
  • Stefan Kuhn, Gemeindebrandmeister in Staufenberg: Das Thema Ausbildungsstau kennen wir ja seit Jahren. Es kommt immer darauf an, wie wir die Plätze dann verteilen. Durch den Sparzwang an der Akademie müssen wir manchmal die Ausbildung der Kollegen von einem Jahr auf das nächste schieben, weil nicht genügend Lehrgänge zur Verfügung stehen. Die Wartezeiten betreffen alle Qualifikationen, egal ob Truppführer oder Zugführer.
  • Karsten Beuermann, Gemeindebrandmeister Samtgemeinde Dransfeld: Das es Wartezeiten gibt, ist ja bekannt. Wir haben für das Jahr 2015 beispielsweise 26 Lehrgänge angefordert, 13 haben wir bekommen. Wir müssen die jetzt so verteilen, dass die nötigsten Ausbildungen absolviert werden können. Es herrscht schon eine gewissen Mangelwirtschaft. Zum Glück gibt es ja eine zweijährige Karenzzeit, das heißt, ein Feuerwehrmann kann sein Amt antreten, muss aber innerhalb von zwei Jahren seinen Lehrgang absolvieren. Schade ist, dass Fortbildung zur Auffrischung von Ausbildungen kaum noch angeboten werden. Ich hatte in diesem Jahr 20 beantragt und keine einzige bekommen.
  • Julia Bytom, Pressesprechern der Stadt Hann.Münden: Auch die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Hann. Münden erhielt nicht alle beantragten Lehrgänge. Dies hat bislang aber nicht zu ernsthaften Problemen hinsichtlich der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr geführt, da beispielsweise durch Lehrgangstausch oder Lehrgangsverschiebung oder gelegentlichen Lehrgangsverzicht die zwingend notwendigen Aus- und Fortbildungsbedarfe bislang noch einigermaßen gedeckt werden konnten. Natürlich wäre es viel besser, wenn die Akademie die Lehrgangsanfragen weitestgehend bedienen könnte gerade auch vor dem Hintergrund, dass sich die Einsatzszenarien immer wieder verändern und verschärfen und von daher eine kontinuierliche Aus- und Fortbildung zwingend notwendig ist.
  • Kai Walter, Stadtbrandmeister Duderstadt: „Natürlich sind wir auch schon betroffen von den Engpässen bei Lehrgangsangeboten. Wir müssen unseren Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen ein Jahr im Voraus beim Landkreis einreichen. Inzwischen wird nur 30 Prozent von dem genehmigt, was wir angeben. Bei den Lehrgängen für Führungspositionen sind es sogar nur 10 Prozent. Auf lange Sicht fehlen Leute, die die Voraussetzungen für bestimmte Ämter erfüllen.“
  • Claus Bode, Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Gieboldehausen: „Die Quote der Ausbildungsplätze hängt von der Art des Lehrgangs ab. Wir wollen besonders den jüngeren Kameraden die Gelegenheit bieten, in höhere Positionen zu schnuppern. Für junge Leute passt Weiterbildung besser in die persönliche Lebensplanung. Aber gerade beim Einstiegs-Lehrgang zum Truppführer ist die Quote sehr schmal. Noch können wir zwar alle Ämter besetzen, aber es muss sich etwas ändern beim Lehrgangsangebot.“
  • Heinz-Uwe Koch, Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Radolfshausen: „Zurzeit haben wir alle Ämter gut und langfristig besetzt. Unsere bisherigen Führungskräfte sind auf dem neuesten Stand. Aber für 2016 ist mehr Ausbildung für die Jugendfeuerwehr geplant. Ohne Truppführer-Lehrgang ist jedoch kein weiterer Lehrgang möglich, und gerade hier gibt es Engpässe. Wir überlegen bereits, ob wir auf Kreisebene solche Lehrgänge einrichten können, aber auch hier ist eine längerfristige Planung nötig.“
  • Holger Lehrum, Stadtbrandmeister Göttingen. Ja, wir haben einen Ausbildungsstau, sagt der frisch vereidigte neue Stadtbrandmeister Göttingens. Wir merken das deutlich, und hängen vielfach in einer Warteschleife. Deshalb soll es in diesem Jahr erstmals eine eigene Truppführer Ausbildung in Göttingen geben.
  • Frank Gloth, Sprecher der Berufsfeuerwehr Göttingen: Und betrifft das nicht so sehr, wir bilden unser Personal ja überwiegend selbst aus. Die Langzeitlehrgänge für die angehenden Berufsfeuerwehrleute liefen noch weitgehend problemlos an der Akademie ab. Gloth bestätigt, dass in Stadt und Landkreis Überlegungen und Gespräch laufen, die Truppführer Ausbildung statt an der Akademie, vor Ort anzubieten. Das Knowhow habe man, bislang sei die Planung aber noch nicht konkret.
  • Martin Willing, Gemeindebrandmeister Rosdorf: Der Ausbilungsstau trifft uns auch. Wir schieben eine Kollegen von Jahr zu Jahr und irgendwann haben sie dann verständlicherweise keine Lust mehr. Wenn ich zehn Lehrgänge beantrage weiß ich nicht, wie viele ich bekomme. In diesem Jahr sind es etwa die Hälfte. Das bringt nicht wirklich viel. Ärgerlich ist außerdem, dass wir nach dem Frühling bereits unsere Anforderungen für das nächste Jahr einreichen müssen, es ist schwierig, im April 2015 zu wissen, wer im Dezember 2016 einen Lehrgang benötigt. Früher gab es eine Halbjahresplanung, das war sinnvoller. Es kommt ja immer mal vor, dass beispielsweise ein Arbeitgeber nicht mitspielt und ein Kamerad nicht zum Lehrgang antreten kann. Wenn wir beispielsweise einen Gerätewart brauchen und de muss zwei Jahre auf seinen Lehrgang warten, das funktioniert nicht. Ein Beispiel: Ein neuer stellvertretender Ortsbrandmeister in  Sieboldshausen musste noch einen Gruppenführer-Lehrgang absolvieren. Weil wir den Posten besetzen müssen, muss ein anderer Kollege, der eigentlich dran war, wieder ein Jahr warten. Wir müssen solche Klimmzüge machen, dabei sollte die Feuerwehr eigentlich unterstützt werden, weil sie Freizeit für die Gemeinschaft opfert. Da sollten wir doch nicht ausgebremst werden.
  • Heiko Wiegmann, Gemeindebrandmeister Friedland, war in der Zeit leider nicht erreichbar.

Von Britta Bielefeld und Andreas Fuhrmann

Der lange Weg zum Ortsbrandmeister

Jeder Ortsfeuerwehr hat einen Ortsbrandmeister, die größeren Ortsfeuerwehren, so genannte Stützpunktwehren, ebenso. Um Ortsbrandmeister einer Stützpunktfeuerwehr, wie zum Beispiel in Rosdorf oder Obernjesa zu werden, muss man zunächst einmal eine Zeit Feuerwehrmann (oder -frau) sein.

Wer dann ist die Führung möchte, muss zunächst zwei technische Lehrgänge absolvieren, die im Landkreis Göttingen im Feuerwehrzentrum Potzwenden angeboten werden. Von den drei Disziplinen Atemschutz,  Funker oder Maschinist kann der Teilnehmer zwei wählen. Weiter geht die Ausbildung an der Akademie in Celle oder Loy.

Erst einmal steht eine Woche Truppführer Lehrgang auf dem Programm. Um Ortsbrandmeister zu werden muss der Kandidat dann noch zwei Kurse, jeweils eine Woche lang - nämlich die Ausbildung zum Gruppenführer - absolvieren. Geht es dann aber um die Führung einer Stützpunktfeuerwehr, werden noch einmal zwei einwöchige Lehrgänge fällig, die zum Zugführer.

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016