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Ausdruckstanz-Projekt im GDA Wohnstift Göttingen

Senioren tanzen ihr Leben Ausdruckstanz-Projekt im GDA Wohnstift Göttingen

Schmerz, Verlust und Einsamkeit auf der einen, Frohsinn, Glück und Leichtigkeit auf der anderen Seite: Das Stück „Getanztes Leben“ bringt Gefühle und Lebenssituationen seiner Darsteller auf ausdrucksstarke Weise auf die Bühne. Es ist das Ergebnis eines Tanzprojekts für Senioren im Rahmen des Kulturangebots des GDA Wohnstifts in Geismar und soll am kommenden Montag erstmals aufgeführt werden.

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Vielen Dank für die Blumen: 14 Tänzerinnen und ein Tänzer zeigen ihr Leben in einer Choreographie.

Quelle: Hinzmann

Geismar. Die Teilnehmer des Projekts sind Senioren im Alter von 63 bis 96 Jahren. Darunter auch zwei Bewohner des Wohnstifts.

Für Judith Kara, Inhaberin der Göttinger Ballettschule „art la danse“ und Leiterin des Projekts, war dessen Umsetzung eine Herzensangelegenheit. „Diese Menschen haben ein langes Leben hinter sich, das sich sehr gut tänzerisch umsetzen lässt“, sagt Kara. „Dieses große Potenzial wird aber einfach nicht ausgeschöpft.“

Seit den Sommerferien probt sie hier einmal wöchentlich mit einer Gruppe von 14 Tänzerinnen und einem Tänzer, von denen sich insgesamt neun Darsteller auf der Bühne vorstellen werden.

„Discofox ist unsere Spezialität“

Das Besondere an dem Stück ist, dass eigene Erfahrungen und Bestandteile aus dem Leben der Darsteller eingeflossen sind und tänzerisch verarbeitet wurden. Die Themenfelder sind dementsprechend vielseitig: Es geht um Erinnerungsverlust und Krankheit, um den Verlust eines geliebten Menschen oder wie es ist, mit Schmerzen leben zu müssen. Aber auch die Fröhlichkeit kommt nicht zu kurz.

Der einzige Mann in der Runde, Rudolf Fascher, sieht sich dabei nicht als Hahn im Korb. „Da stehe ich über den Dingen“, sagt der 71-Jährige gelassen. „Ich sehe mich als Gleicher unter Gleichen.“ Er nimmt mit seiner Partnerin Gisela Wiekhorst an dem Tanzprojekt teil. „Vor vier Jahren haben wir angefangen in einem Tanzcafé in Northeim Standardtänze zu tanzen“, sagt die 82-jährige Wiekhorst. „Discofox ist unsere Spezialität“, erzählen beide stolz.

Neben einigen ruhigeren Einlagen gehören auch flotte Nummern zu Swingmusik, bewegungsfreudige Ausdruckstänze und eindrucksvolle Soloauftritte zum Stück. Letztgenannte unter anderem von Bettina Kreter. „Ich tanze für mein Leben gern“, sagt die 63-Jährige. Dabei musste sie als Kind auf den ersten Ballett-Unterricht zunächst warten. „Meine Mutter hat das erst gar nicht erlaubt“, sagt sie.

„Bewegung ist alles“

Nachdem ihre Schwester aber ein gutes Wort eingelegt hatte, stand dem Tanzen nichts mehr im Wege. Dass Kreter in „Getanztes Leben“ ein Solo tanzt, hat für sie einen guten Grund: „Ich habe immer nach etwas gesucht, das ausdrucksstark ist.“

Erfahrung mit Ausdruckstanz hat auch Dorothea Löser. Mit 96 Jahren ist sie die älteste Teilnehmerin, steht ihren jüngeren Mitstreitern aber in nichts nach. Auch sie tanzt bereits ihr Leben lang, seit 25 Jahren ist sie Mitglied im „Bundesverband Seniorentanz“. „Bewegung ist alles“, sagt sie. Und wer das mit 96 Jahren sagt, hat damit wohl recht.

„Getanztes Leben“ ist am Montag, 15. Dezember, um 16.30 Uhr auf der großen Bühne im GDA-Wohnstift in der Charlottenburger Straße 19  zu sehen.

Von Niklas Rohde

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