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Archäologen übernehmen Göttinger Baustelle

Kunstquartier Archäologen übernehmen Göttinger Baustelle

Die Baustelle ist vorerst geräumt, am Dienstag haben Archäologen das Grundstück Düstere Straße 7 in Göttingen übernommen. Bevor dort ein Kunstquartier gebaut wird, wollen sie systematisch im Boden nach Material suchen, das Aufschluss über das Leben in früheren Jahrhunderten gibt. Die Chancen dafür stehen gut.

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Die Bauarbeiter der ersten Runde sind abgerückt, jetzt kommen erst einmal die Archäologen auf das Grundstück, auf dem das neue Göttinger Kunstquartier gebaut wird.

Quelle: Niklas Richter

Landkreis. Wochenlang haben Arbeiter mit einer speziellen Bohrmaschine 112 Betonpfeiler in den Boden. Sie sollen die spätere Baugrube sichern und die Nebengebäude stützen. Die Maschine ist seit vergangener Woche abgebaut, die Fläche geräumt. Noch in dieser Woche will die Stadtarchäologie den Boden Schicht für Schicht abtragen und durchsuchen. Sie rechnet damit, dass dort ähnliche Funde zutage treten wie bei Grabungen auf dem Nachbargrundstück mit dem sogenannten Grass-Hauses. Die Ausgrabungen dort hätten gezeigt, dass es im Untergrund dieses Viertels sehr feuchte Schichten gibt, in denen organische Materialien wie Holz, Leder und Textil gut erhalten bleiben, hatte der Sprecher der Stadtverwaltung, Detlef Johannson, bereits kürzlich erklärt und angefügt: Seitdem sei bekannt, dass das gesamte Areal des Nikolaiviertels bereits vor dem Jahr 1500 systematisch aufgeschüttet und damit erhöht worden ist - offenbar um Überschwemmungen im späten Mittelalter auszugleichen. Auch „hierzu weitere Informationen zu bekommen, darauf hofft die Stadtarchäologie“, so Johannson. Genauere Angaben dazu, und vielleicht über erste Funde, will die Bauverwaltung mit ihrem Archäologenteam kommende Woche machen.

Zurzeit laufe alles nach Plan, heißt es seitens der Archäologie. Sie habe schon die Vorarbeiten und Bohrarbeiten eng begleitet. Es sei nicht auszuschließen, dass durch die Betonpfeiler bereits mögliche Funde beschädigt wurden. Das aber müsse mit Blick auf die Sicherheit der Arbeitenden in der entstehenden Baugrube in Kauf genommen werden. Parallel zu den Forschungsarbeiten soll jetzt am Giebel eines Nachbargebäudes ein Gerüst aufgestellt werden – es wird saniert.

2019 soll das hochgelobte wie umstrittene Kunstquartier (KuQua) mit dazu passendem Innenhof fertiggestellt sein. Es ist aus einem Hochbau-Wettbewerb der Stadt hervorgegangen. Der 1300 Quadratmeter große Innenbereich des Quartiers wird zurzeit mit Expertenbüros und Bürgern individuell entwickelt. Der Entwurf der Leipziger Architekten sieht ein dreigeschossiges Gebäude mit Klinkerfassade vor, das mehr als 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet. Baubeginn soll im Oktober sein. Ob die Archäologen bis dahin mit ihrer Arbeit fertig sind, ist offen. Das Göttinger Kunstquartier wird als Projekt mit Finanzmitteln aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert. 4,5 Millionen Euro Bundesmittel fließen dafür nach Göttingen, die Stadt beteiligt sich mit 500 000 Euro. Verleger Gerhard Steidl als Ideengeber für das Viertel und die Göttinger Verwaltungsspitze sehen das Kunstquartier als Initialzündung für andere Projekte, die sich in dem Viertel ansiedeln werden.

Von Ulrich Schubert

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