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Ausstellung zeigt Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf Holtensen

„Eisenkuchen“ an die Front Ausstellung zeigt Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf Holtensen

Im Juli 1916 schrieb Fritz Herwig von der Ostfront beim polnischen Radomysl einen Brief nach Holtensen. Der 21-Jährige bedankte sich für die zugesandten „Eisenkuchen“ und erzählte im gleichen Atemzug von einem zehnstündigen Artilleriefeuer, „wir konnten nicht vor und nicht zurück“.

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Ausstellungsteam bei den Vorbereitungen: Hans-Werner Diederich (links), Wolfgang Siegmann und Elsa Vollmer.

Quelle: Pförtner

Holtensen. Das Schicksal Herwigs und anderer Holtenser Soldaten sowie die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf das Dorfleben stehen am Wochenende, 15. und 16. November, im Mittelpunkt einer Ausstellung im Gemeindezentrum.

Der Kölner Wolfgang Siegmann, gebürtiger Holtenser, wollte im 100. Jahr nach Kriegsbeginn die Auswirkungen auf die eigene Familie erforschen. Und stieß dabei auf so viele Geschichten aus seinem Heimatdorf, dass er gemeinsam mit Ortsheimatpflegerin Elsa Vollmer und Hans-Werner Diederich beschloss, sie den Holtensern in einer Ausstellung zu präsentieren. In Arbeitsteilung recherchierten Siegmann, Vollmer und Diederich in Archiven und Kirchenbüchern, studierten alte Todesanzeigen und riefen ihre Mitbürger auf, Material zur Verfügung zu stellen. „Wir wollten herausfinden, was damals im Ort geschehen ist.“

640 Einwohner zählte Holtensen bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs. 154 Männer zwischen 18 und 45 Jahren wurden zu den Waffen gerufen, „32 davon sind gefallen, vor allem die ganz Jungen“, sagt Vollmer. So wie Fritz Willig, der mit 21 Jahren in den Krieg zog und im August 1917 getötet wurde. In der Ausstellung ist ein Foto seines Grabes in Frankreich zu sehen.

„Kuh des kleinen Mannes“

110 der Soldaten konnten auf alten Fotografien identifiziert werden. Herwig etwa, der seiner Familie Briefe von der Front sandte. Er überlebte und wanderte nach Montevideo aus. Andere junge Holtenser schrieben ihrem ehemaligen Lehrer, Gustav Thielbörger. Karl Ahlborn, 29 Jahre alt, diente bei der Marine und geriet 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft. Thielbörger bekam von ihm gramerfüllte, aber auch patriotische Briefe.

Der Lehrer bewahrt die Post seiner Schüler auf, „und er nahm auch die Kriegsgeschehnisse in die Schulchronik auf“, berichtet Diederich von der Entstehung einer weiteren Quelle, die den Initiatoren der Ausstellung nützlich war. Auch der Alltag der Holtenser steht im Fokus der historischen Präsentation: beispielsweise die Kartoffel-Abgaben an die Sammelstelle im Universitätsreitstall und der Siegeszug der Ziegen als „Kuh des kleinen Mannes“.

Auch die Aktion „Gold gab ich für Eisen“, in deren Zuge auch Holtenser für die Finanzierung des Krieges ihren Schmuck gegen wertlosen Tand aus Metall eintauschten. Solche Kriegsandenken sind noch in einigen Familien vorhanden. „Wer sich in den Kriegsjahren mit Goldschmuck zeigte, galt als unpatriotisch“, sagt Siegmann. Die Ausstellung mit all ihren Details, da sind sich die drei Organisatoren sicher, wird spannend: „Es wird für viele im Ort eine Überraschung sein, was wir alles herausgefunden haben.“

Gezeigt wird die historische Ausstellung am Sonnabend, 15. November, von 17 bis 20 Uhr und am Sonntag, 16. November, von 10 bis 18 Uhr im Gemeindezentrum Holtensen, Im Dorfe.
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