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Ausstellung zeigt Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

Massaker in Nanjing Ausstellung zeigt Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

Er heißt zwar Zweiter Weltkrieg, aber häufig wird in Darstellungen vor allem das Geschehen in Europa und aus europäischer und nordamerikanischer Sicht beschrieben. Eine konsequent andere Sicht hat das Rheinische Journalistinnenbüro eingenommen – daraus entstanden das Buch und die gleichnamige Wanderausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, die ab heute in Göttingen zu sehen ist.

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Nach Meinung britischer Vorgesetzter gut fürs Dschungel-Klima geeignet: Westafrikanische Soldaten in Burma.

Quelle: Verlag Assoziation A

Afrikanische Soldaten in britischen oder französischen Diensten, das Schicksal schwarzer Kriegsgefangener, Stützpunkte im Südpazifik, die Dienste Einheimischer als Kundschafter: Solchen Themen sind die Journalisten nachgegangen. Sie wollen damit auch zeigen, welche Rolle Staaten außerhalb der westlichen Hemisphäre im Kriegsgeschehen hatten.

Bis 1945 hätten Millionen Soldaten aus der Dritten Welt einen wichtigen Beitrag geleistet, „um die Welt vom europäischen Faschismus und japanischen Großmachtwahn zu befreien“, wie es in einer Beschreibung der Ausstellung heißt. Weite Teile der Dritten Welt – von der lateinamerikanischen Küste über Nordafrika und den Nahen Osten bis nach Indien, Südostasien und Ozeanien – hätten zudem als Schlachtfelder gedient und seien nach Kriegsende verwüstet gewesen. Allein in China habe der Krieg mehr Opfer als in Deutschland, Italien und Japan zusammen gefordert.

Mit ihren Recherchen geben die Autoren den Kriegsbeteiligten in der Dritten Welt ein Gesicht, so zum Beispiel Biuku Gasa von den Salomonen. Dort nämlich strandete 1943 der spätere US-Präsident John F. Kennedy mit seinen Leuten, nachdem ihr Patrouillentorpedoboot von einem japanischen Zerstörer versenkt worden war. Gasa zählte zu den einheimischen Scouts, die die Küsten überwachten, um die Amerikaner mit Informationen über die Bewegungen der japanischen Streitkräfte zu versorgen. Gasa und sein Freund Aaron Kumana fanden den damaligen Kapitän Kennedy mit seinen Leuten und sorgte dafür, dass das US-Militär die Landsleute retten konnte.

Auch die Schrecken des Krieges jenseits der westlichen Hemisphäre schildern die Autoren, so das von Japanern Ende 1937 an der chinesischen Bevölkerung begangene Massaker in der heute mit Göttingen verbandelten Stadt Nanjing. Mindestens 200 000 Menschen kostete das Massaker das Leben, die Autoren des Buches zur Ausstellung gehen von 370 000 Toten und 20 000 bis 80 000 Vergewaltigungen aus. 3000 Menschen seien lebendig begraben worden.

Doch auch in der Dritten Welt – das verschweigen Autoren und Ausstellungsmacher nicht – gab es Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte. Denjenigen, die gegen die Faschisten kämpften, war nach Kriegsende oft ein bitteres Schicksal beschert: Sie sollten wieder in den Status der Kolonialisierten zurückkehren. Diese Erfahrung lieferte Unabhängigkeitsbestrebungen weitere Nahrung.

Die Ausstellung wird am Sonnabend, 2. April, um 18 Uhr in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz eröffnet. Um 19 Uhr hält Karl Rössel einen Vortrag. Am Sonntag, 3. April, findet um 14 Uhr eine Führung mit Rössel statt. Die Schau ist bis Sonntag, 8. Mai, zu sehen, dienstags 12.30 bis 20.30, donnerstags 12.30 bis 17, mittwochs sowie freitags bis sonntags von 12.30 bis 17 Uhr. Führungen für Schulklassen nach Anmeldung unter der Telefonnummer 0551/487141.

Programm zur Ausstellung

Zur Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gibt es ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Filmvorführungen. Gleich mehrere Veranstaltungen thematisieren das Schicksal von Frauen, die in von Japan besetzten Gebieten in Asien und der Pazifikregion in Militärbordelle verschleppt wurden. Einen Vortrag zum Thema und eine Präsentation von Fotos von ehemaligen Sexsklavinnen gibt es am Freitag, 8. April, um 18 Uhr in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz; das Lumière, Geismarlandstraße 19, zeigt am Dienstag, 26. April, um 20 Uhr und am Mittwoch, 27. April, um 18 Uhr den Dokumentarfilm „63 Years on...“ In weiteren Vorträgen geht es um postkoloniale Geschichte und die Afrika-Politik der Nationalsozialisten. Schau und Veranstaltungen werden unter anderem von entwicklungspolitischen Initiativen organisiert.

Buch und Materialien

Ihre Rechercheergebnisse hat das Rheinische Journalistinnenbüro zu dem Buch „Unsere Opfer zählen nicht. Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ verarbeitet, das von Recherche International herausgegeben wurde (geb., 444 Seiten mit rund 400 Fotos, Verlag Assoziation A, 29,50 Euro). Das Buch enthält übergreifende Abschnitte etwa zu den Themen „Veteranen aus vier Kontinenten“, „Kolonialpläne der Nazis“ oder „Schwarze in der US-Armee“. Dazu kommen ausführliche nach Schauplätzen gegliederte Kapitel, die das Geschehen in Afrika, in Lateinamerika und der Karibik, im Nahen Osten, in Asien und in Ozeanien schildern. Teilweise wird dabei auch auf die Situation nach 1945 eingegangen.

Darüber hinaus ist eine 224 Seiten starke Veröffentlichung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ mit „Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte“ erschienen, die zwölf Euro kostet und ebenfalls reich bebildert ist. Auf einer beiliegenden CD sind auch die Originaltöne von Zeitzeugen zu hören.

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