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Badehosen-Beute statt Brötchenkauf

Ladendieb in Weende erwischt Badehosen-Beute statt Brötchenkauf

Er wollte nur Brötchen kaufen. Er verließ das Kaufhaus in Badehose und T-Shirt, die er heimlich unter seine Kleidung gezogen hatte – genauer gesagt, wollte es verlassen. Das verhinderte der Kaufhausdetektiv, gegen den sich der Weender sogleich zur Wehr setzte und den er dabei verletzte. Das brachte ihn wegen räuberischen Diebstahls vors Schöffengericht.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Weende. Der Angeklagte ist 52 Jahre alt und hatte noch nie etwas mit der Justiz zu tun. Er könne sich auch nicht erklären, was ihn getrieben habe. Mit Brötchen für vier Euro in der Tüte habe er sich in der Herrenabteilung wiedergefunden, habe Kleidungsstücke in der Kabine probiert und – ja, das gebe er zu – an einer Badehose für 24 und dem T-Shirt für 25 Euro die Etiketten abgeschnitten. Beides habe er durch die Kasse gebracht.

 
Doch dort lauerte der Detektiv. Der hatte mit scharfem Blick auf dem Überwachungs-Monitor des Real-Marktes beobachtet, wie der Kunde in die Kabine ging. Den Vorhang habe er einen Spalt offen gelassen, doch im Spiegel der Kabinenwand habe man erahnen können, wie der Kunde mit einem Werkzeug Preisschilder abknipst.

 
Was danach geschah, war filmreif: Der Kaufhausdetektiv hatte sich kaum vorgestellt, da nahm der 52-Jährige Reißaus, schubste und schlug nach dem Verfolger, der ihn festhalten wollte, riss ihm dabei die Brille von der Nase. Ein Verkäufer, vorsorglich herbeigerufen, half bei der Verfolgung. Der Dieb floh in die Apotheke des Marktes, riss einen Ständer mit Waren um, so dass die Verfolger darüber steigen mussten, konnte aber in der Hintertür noch aufgehalten werden. Die Rangelei „eskalierte“, wie die Zeugen von Phase zu Phase der Flucht erneut betonen. Der Kunde habe gedroht und sich gewehrt.

 
Schließlich zog ihm der Detektiv T-Shirt und Weste über den  Kopf, „um ihn zu beruhigen“. Als der Ladendieb weiter keine Ruhe gab, setzte es vier, fünf gezielte Schläge ins Gesicht. Das brachte dem Detektiv später ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung ein, das die Staatsanwaltschaft aber nach Prüfung einstellte.

 
Sie klagte vielmehr den Ladendieb an, und zwar wegen räuberischen Diebstahls, einem Verbrechen. Nun ging es nicht mehr nur um Diebstahl geringwertiger Sachen, sondern um mindestens ein Jahr Gefängnis.

 
Aber er habe doch, so lässt der Angeklagte seinen Verteidiger erklären, nur Panik gekriegt, als er ertappt wurde. Daran, die Ware zu behalten, habe er gar nicht mehr gedacht. Er habe nur weg gewollt, sei aber gewaltsam aufgehalten worden. Er leide zudem unter einer Depression, müsse Medikamente nehmen, die er an jenem Tag vergessen habe. Vielleicht deshalb die Panik? Ja, Panik, das bestätigt auch der Detektiv als Zeuge, sei das wohl gewesen.

 
Das Gericht hat ein Einsehen. „Nur“ einfacher Diebstahl und Körperverletzung lautet das Urteil. 60 Tagessätze zu je 15 Euro. Räuberischer Diebstahl setze voraus, dass er Gewalt anwendete, um die Beute zu behalten. Wie hätte er sie aber hergeben sollen, er trug sie ja am Leib?

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