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Badewannenmord

Im Interview: Dr. Georg Stolpmann Badewannenmord

Dr. Georg Stolpmann, Arzt für forensische Psychiatrie und Psychotherapie, war im Fall des Badewannenmordes als Gutachter tätig. Jürgen Gückel sprach mit ihm.

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G. Stolpmann

Quelle: Lea

Wie häufig sind psychische Erkrankungen, die sich so langsam einschleichen?
0,8 bis 1,5 Prozent der Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens an einer schizophrenen Psychose. Über eine halbe Million Bundesbürger sind betroffen. Je früher behandelt wird, umso besser die Prognose. Dabei sind die Frühsymptome oft schwer erkennbar und entwickeln sich schleichend. Es kann sehr schwierig sein, eine beginnende Psychose abzugrenzen. Frühzeichen können sein: Ruhelosigkeit, Schlafstörungen, ein Leistungsknick in Schule oder Beruf, Konzentrationsstörungen, verminderte Belastbarkeit. Die Betroffenen ziehen sich zurück, wirken introvertiert, kontaktunwillig, werden misstrauisch, beziehen vieles ungerechtfertigt auf sich, können auch aggressiv oder reizbar reagieren.

Kann man als Partner oder Freund Anzeichen erkennen?
Angehörige sollten sich an Beratungsstellen, Fachärzte oder Sozialpsychiatrischen Dienste wenden und sich über Frühwarnzeichen informieren. Schuldzuweisungen sollten vermieden werden. Auch wenn es nicht immer einfach ist, sollte bedacht werden, dass vieles Störende im Verhalten des Angehörigen Teil seiner Krankheit ist.

Was kann man tun, wenn Krankheitseinsicht fehlt?
Die Betroffenen haben oft keine Krankheitseinsicht, aber sie registrieren eine Veränderung, oft ohne sie erklären zu können und spüren emotionale Auswirkungen wie Angst oder Depression. Verständnis ist in der Situation hilfreicher als scharfe Kritik, Vorschläge werden eher angenommen als Befehle; angesichts der guten Behandelbarkeit sollte eine optimistische Einstellung bewahrt werden.

Muss erst etwas passieren, ehe zwangsweise geholfen werden kann?
Zwangsmaßnahmen sind rechtlich erst möglich, wenn eine ernsthafte Selbst- oder Fremdgefährdung gegeben ist. Auch hier sollten Angehörige sich an einen Psychiater wenden.

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Schuldunfähig

Normalerweise wäre es ein heimtückischer Mord: Hinterrücks traf am 4. Januar den in der Badewanne sitzenden 62 Jahre alten Rosdorfer ein Messer in den Rücken. Er war sofort tot. Zugestochen hatte seine Ehefrau. Gestern ist die inzwischen 63-Jährige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden.

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