Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Bahnhofsmission: Sieben Tage die Woche für Reisende und Nichtreisende

„Wir helfen jedem“ Bahnhofsmission: Sieben Tage die Woche für Reisende und Nichtreisende

Lotte Majejka ist 91 Jahre und kommt aus Aschbach, unweit von Kaiserslautern. Jetzt sitzt sie in der Göttinger Bahnhofsmission und wärmt sich bei einer heißen Tasse Kaffee auf. Nicht zum ersten Mal: Die alte Dame ist ein Dauergast, sagt Betreuerin Ute Geistert.

Voriger Artikel
Der Weg zum Großkreis: Die Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode
Nächster Artikel
Gefährliche Körperverletzung in der Göttinger Hospitalstraße

Lotte Majejka (M.) wärmt sich in der Bahnhofsmission auf, Betreuerin Ute Geistert (r.) hört geduldig zu.

Quelle: Heller

Göttingen. Das sind in Göttingen viele, erklärt Stationsleiter Wolfgang Eggerichs. Im Aufenthaltsraum auf dem Bahnsteig der Gleise vier und fünf gibt es viele bekannte Gesichter. Dazu gehört auch ein Dauergast aus Kassel, der immer wieder vorbeischaut. Der untersetzte Mann hat „eigentlich gar keine Zeit“ und will weiter zur Bahnhofsmission nach Hannover. Aber einen Neujahrsgruß will er seinen Bekannten in Göttingen dann doch aufsagen – in Reimform.

Nicht alle Gäste, meint Missionsleiter Eggerichs, seien immer so freundlich. Unter den Besuchern gebe es auch einige mit Drogenerfahrung oder Knasthintergrund: „Manchmal kriegen sich solche Leute auch schon mal in die Wolle.“ Wichtig sei daher auch ein guter Draht zur Bundespolizei, die sehr schnell anrücken könne, erklärt Stellvertreter Matthias Schökel. In diesem Jahr, sagt Eggerichs, werden mehrere Mitarbeiter denn auch ein Deeskalationstraining absolvieren.

Unterdessen kümmert sich Betreuerin Geistert um Lotte Majejka. Mitten in der Nacht zum Sonnabend war die 91-Jährige angekommen. Der Bahnhof gab ein bisschen Schutz vor der Kälte, bis die Bahnhofsmission um 10 Uhr öffnete. Jetzt erzählt die 91-Jährige eine undurchschaubare Geschichte von einer bevorstehenden Hochzeit mit einem Insassen des Maßregelvollzugs, den sie noch besuchen möchte und aus der Verwahrung herausholen will, „weil seine Unschuld jetzt ja erwiesen ist“. Geistert hört geduldig zu, fragt sanft nach, wenn Majejkas Erzählung abschweift. Immer im Blick der Betreuerin: Wie kann ich der betagten Dame helfen, ihr Orientierung geben?

Hilfen sind auf vielfältige Weise möglich. Gestrandete Reisende und Nichtreisende können bei der Heilsarmee unterkommen – „allerdings nur, wenn der Betroffene keinen festen Wohnsitz hat“, schränkt Eggerichs ein. Wenn doch, hält die Mission eine Liste mit Privatvermietern bereit. Auch zur Jugendherberge bestünden gute Kontakte. „Wir helfen jedem, der darum bittet“, versichert Eggerichs.

Geöffnet ist die Göttinger Bahnhofsmission Montags bis Freitags von 8 bis 18 Uhr, am Sonnabend von 10 bis 16 Uhr und am Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

Wer sich für die Arbeit der Station interessiert oder Unterstützung geben möchte, kann sich unter Telefon 05 51 / 5 61 90 melden.

 
Tausende Kontakte

Göttingen. Pro Jahr bringt es die Göttinger Bahnhofsmission auf etwa 21 000 Hilfeleistungen. Etwa 10 000 davon, sagt Wolfgang Eggerichs, Leiter der Bahnhofsmission, betreffen Kontakte zu Reisenden – 9000 spontane Einzelhilfen, aber auch 1000 Kontakte zu Reisenden, „die sich regelmäßig von uns helfen lassen“.

Weitere 11 000 Kontakte gibt es zu Gästen, die nicht reisen. Das betrifft, sagt Missionsleiter Eggerichs, 1000 Menschen, welche die Bahnhofsmission einmal, aber auch häufiger bis regelmäßig aufsuchen, „bis zu mehreren Besuchen am Tag. Im Schnitt bedeutet das Besucheraufkommen etwa 57 Hilfskontakte pro Tag.

Pro Woche schieben ungefähr 40 Mitarbeiter Dienst in der Göttinger Bahnhofsmission – Hauptamtliche und Ehrenamtliche, aber auch Praktikanten. Die Praktika haben eine Dauer von einer Woche bis zu einem Dreivierteljahr. hein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Matthias Heinzel

Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis