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Bauern-Demo in Göttingen

Bauern-Demo in Göttingen

„Redet mit uns, statt über uns.“ Unter diesem Motto haben etwa 130 Bauern am Sonnabend in Göttingen demonstriert und vor allem Informiert.

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Quelle: us

Göttingen. In Gesprächen mit Passanten wollten sie an erster Stelle aufklären und Vorurteilen gegenüber der Landwirtschaft entgegentreten.

Überall in der Fußgängerzone stehen sie, verteilen Flugblätter und sprechen vorbeikommende Menschen an. „Frag doch mal den Landwirt“, steht auf ihren knallgelben Westen. „Massentierhaltung – was ist das?“, ist eine der vielen Fragen auf den Infoblättern. Die Bauern antworten gern, erklären und diskutieren, während ein Treckerkonvoi immer wieder um die Innenstadt fährt. Auch das fällt auf und macht viele neugierig.

Es ist die erste Aktion der Landwirte aus der Region Göttingen, gemeinsam organisiert von ihren Verbänden und Vereinen. „Viele Verbraucher haben ein ganz falsches Bild von uns“, sagt der Geschäftsführer des Landvolks, Achim Hübner, und fügt an: „Wir empfinden auch in den Medien eine negative Stimmung gegen uns.“ Dieser wollen die Bauern entgegenwirken. Bewusst haben sie für ihre Aktion den zweiten Tag der Agrarmesse „Grünen Woche“ in Berlin gewählt, in deren Umfeld Tier- und Naturschutzverbände unter dem Motto „Wir haben es satt“ gegen herkömmliche Landwirtschaft protestieren.

Auch Barbara Thiele-Wittig und Elke Meyer aus Nienburg haben einen kritischen Blick auf die Landwirtschaft. Ohne wachstumsfördernde Mittel im Tierfutter könnten Kühe doch nicht so viel Milch geben und Hühner so schnell groß werden, mutmaßt Thiele-Wittig. Sofort erntet sie freundlichen Protest von Landwirt Andreas Hesse. Das ließen bestehende Vorschriften und Kontrollen gar nicht zu. Und traditionsbewusste wie verantwortungsvolle Bauern „wollen das auch gar nicht“. Dass teilweise dennoch in Massen produziert werde, liege auch an den Kunden, erklärt der Ossenfelder: „Darüber stimmt der Verbraucher in den Discount-Märkten ab.“

Ein paar Meter weiter diskutiert Agrarstudentin Anna-Lena Lomberg mit Vera Schreiber. „Super“ findet sie die ganze Aktion, „viel zu oft werden die Landwirte verunglimpft“. Der Handy-Fachverkäufer Stefen Burmeister ist „ganz überrascht, dass die Bauern in so einem schlechten Licht stehen sollen“. Aber auch er hat Fragen an Nebenerwerbslandwirt Sven Sporleder: „Ist das Handelsabkommen TTIP ein Thema für die Bauern? Und wer steigt bei den vielen Biosiegeln noch durch?“ Die seien für Bauern manchmal ebenso schwierig wie „der enorme Wust an Bürokratie“ in der landwirtschaftlichen Produktion“, räumt Sporleder ein.

„Es sind gute Gespräche, die Leute fragen viel und sind interessiert“, stellt gegen Ende der Aktion Landwirt Gerald Henze fest. „Jüngere fragen oft sehr gezielt“, ergänzt Jan Warnecke: nach Rapsanbau oder Belastungen durch Dünger. Und wenn es kritische Stimmen gegen die Tierhaltung gibt, stelle sich oft heraus, „dass sie noch nie in einem modernen Stall waren“.

„Ich bin recht glücklich, dass die Meisten doch ein gutes Bild von uns haben“, bilanziert Hübner am Ende der Aktion. Auch damit habe der Slogan „Redet mit uns, statt über uns“ seinen Zweck erfüllt. us

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