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Kleiner Waffenschein: Rasanter Anstieg

Behörden im Landkreis Göttingen stellen deutlich mehr Lizenzen aus Kleiner Waffenschein: Rasanter Anstieg

Immer mehr Südniedersachsen wollen Waffen wie Schreckschusspistolen, Reizgas- oder Signalwaffen herumtragen dürfen. Die Zahl der Anträge für den so genannten „kleinen Waffenschein ist in den ersten Monaten dieses Jahres kräftig gestiegen.

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Der kleine Waffenschein (Symbolbild)

Quelle: dpa

Göttingen. „Die Menschen haben wohl Angst, und das vor allem im Nachgang der Vorfälle in Köln in der Silvesternacht", sagt Sabine Holste-Hoffmann von der Verwaltung der Stadt Duderstadt. Seit 2006 gebe es die Möglichkeit, den Schein bei den zuständigen Behörden zu beantragen. Bis Ende 2015 hätten nur acht Duderstädter davon Gebrauch gemacht. „Jetzt verzeichnen wir eine enorme Steigerung", sagt Holste-Hoffmann. Denn: Aktuell sind bereits mehr als vier Mal so viele – 36 Bürger – Inhaber einer solchen Lizenz. „Die Hälfte sind Männer, die Hälfte Frauen", sagt sie.

Auch in Hann. Münden berichtet Jörg Golde vom Bereich Sicherheit und Ordnung von einem Anstieg. Waren es Ende des vergangenen Jahres noch 78 kleine Waffenscheine, die in Hann. Münden ausgestellt waren, so stieg die Zahl in diesem Jahr bereits auf  127 an. „Etwa zehn Prozent der Scheininhaber sind Frauen", sagt Julia Bytom von der Verwaltung der Stadt  Hann. Münden. Zum Vergleich: Bis heute haben in diesem Jahr 52 Mündener den Schein beantragt, im Vorjahr waren es in den ersten neun Monaten drei.

Auch in der Stadt Göttingen verzeichnet die Verwaltung eine starke Zunahme: In diesem Jahr wurden bereist 117 kleine Waffenscheine ausgestellt, zehn seien derzeit in Bearbeitung, so Mitarbeiterin Stefanie Ahlborn. Im gesamten Vorjahr waren es 26 Scheine, in den Jahren zuvor noch weniger.

Ein ähnliches Bild zeichnet die Kreisverwaltung: „Bislang sind im laufenden Jahr 124 Scheine ausgestellt worden, davon 21 an Frauen und 103 an Männer", so Pressesprecher Ulrich Lottmann. Im Jahr 2015 waren es 19 Scheine, neun davon im Dezember. In allen vier Behörden waren es in den vergangenen Jahren deutlich weniger Bürger, die eine Schreckschusspistole oder ähnliches in der Öffentlichkeit mit sich herumtragen durften.

Offenbar landesweites Phänomen:

Im Nationalen Waffenregister für Niedersachsen waren zuletzt etwa 27500 Berechtigungen eingetragen. Die Zahl sei bis Juli auf rund 39400 in die Höhe geschnellt, berichtete eine Sprecherin des Innenministeriums in Hannover. Dies ist eine Steigerung von deutlich mehr als 40 Prozent. Angst sei ein wesentlicher Grund für die zunehmende Selbstbewaffnung, sagt auch der Göttinger Psychiatrieprofessor Borwin Bandelow. Die Übergriffe auf Frauen zu Silvester in Köln seien sicher ein Auslöser für Waffenkäufe gewesen. Auch die Angst der Menschen nach Attentaten nennt er als Grund.

Angstforscher Bandelow hält nichts von Selbstbewaffnung. Nach aufsehenerregenden Übergriffen und Attentaten werde die persönliche Gefahr von vielen Menschen „grotesk überschätzt". Das führe dann zu Waffenkäufen, „die am Ende nichts bringen".

Der kleine Waffenschein

Wer von den Waffenbehörden als zuverlässig und körperlich fit eingestuft wird, erhält auf Antrag den Kleinen Waffenschein in aller Regel ohne Probleme. Ein kleiner Waffenschein ist erforderlich, um eine Schreckschuss-, Reizgas- und Signalwaffe kaufen und in der Öffentlichkeit tragen zu dürfen. Die Antragsteller müssen volljährig sein, ein großes Führungszeugnis vorlegen und dürfen nicht strafrechtlich aufgefallen sein.

Reizstoffsprühgeräte, umgangssprachlich häufig als Pfefferspray bezeichnet, dürfen ohne kleinen Waffenschein mitgeführt werden – entscheidend ist hier das Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), die zugelassenen Sprays sind mit dem Siegel „PTBr" gekennzeichnet. Bei Schreckschuss,- Reizgas- und Signalwaffen sieht das anders aus. Diese müssen zwar auch das Siegel der Bundesanstalt tragen, dürfen aber nur von Volljährigen gekauft werden. Der Schein kostet 50 Euro.

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