Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Bei Pausenbrot und einer Flasche Wein

200 Jahre „Schule zu Göttingen“ Bei Pausenbrot und einer Flasche Wein

Die „Schule zu Göttingen“ feiert heute ihr 200-jähriges Bestehen. Der 20-köpfige Freundeskreis, dem unter anderem Professoren, Chefärzte und Gerichtspräsidenten angehören, erörtert donnerstags bei einer Flasche Wein und einem Pausenbrot das Weltgeschehen.

Voriger Artikel
Beete, Bäche und Bäume
Nächster Artikel
5000 Besucher beim Wissenschaftsfestival

Mitglieder der „schola goettingensis“: Ruth Bremer und Reinalt Schlemm.

Quelle: Mischke

Der Raum ist winzig. Gerade einmal einige Stühle passen um den Holztisch herum. In einem Hinterzimmer der Weinhandlung Bremer in der Barfüßerstraße 10 trifft sich die „Schule zu Göttingen“, die Eingeweihten auch als schola goettingensis bekannt ist. An den Wänden hängen Bilder der Schüler. Sie zeigen gestandene Herren, darunter Oberbürgermeister der Stadt wie Georg Merkel (1829-1898), Georg Friedrich Calsow (1857-1931) oder Gerd Rinck (1901-2007), Militärs der Göttinger Garnison wie Oberstleutnant Ernst Lehmann (1848-1933) oder Industrielle wie Bartold Levin (1855-1926). Nach vielen von ihnen sind Straßen benannt. 

Vereinzelt lassen sich auch Schülerinnen nachweisen, so Professorin Jenny Hall oder Helene von der Marwitz. Seit 1976 ist Ruth Bremer zusammen mit ihrem Bruder Georg Friedrich Bremer in sechster Generation Gastgeberin der Schule. Das Durchschnittsalter der Schülerschaft liegt derzeit bei 66 Jahren. 

Im 19. Jahrhundert besuchten viele Offiziere die Bildungseinrichtung, darunter in der Regel der örtliche Kommandeur. In den vergangenen Jahren stieg der Anteil der Professoren. „In früheren Zeiten waren sie stärker auf Abgrenzung bedacht“, erzählt Ruth Bremer. 

Verschwiegenheit ist Pflicht

„In die Schule aufgenommen werden Menschen, die einem der Schüler durch ihre Liebe zum Wein und ihre Freude an guten Gesprächen aufgefallen sind“, berichtet der derzeitige Direktor Reinalt Schlemm, der früher die Deutsche Bank in Göttingen leitete. Auch eine gewisse Verschwiegenheit gegenüber Dritten wird erwartet. Ein Schild an der Wand mahnt: „Aus der Schule wird nicht geplaudert.“ 

Nach der Revolution von 1848 geriet die Schule zeitweise als vermeintlich „politisch radikal gerichteter Klub“ ins Visier der Polizei. Der Hintergrund: Zwei liberale Politiker, Rudolf von Bennigsen (1824-1902) und Johannes von Miquel (1828-1901) waren damals Schüler.  

Der Zusammenschluss weist eine lockere Struktur auf. Es gibt keine Satzung und keine Geschäftsordnung. Deshalb ist auch das Gründungsdatum unbekannt. Ein sogenanntes Albumblatt aus von Juni 1809 adressiert an den damaligen Gastgeber Cordt Bremer gilt als urkundliche Ersterwähnung. Da nie Mitgliederlisten geführt wurden, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen, wer alles bei Bremers zur Schule ging.  

mic

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen